In einer Mitteilung mit dem Titel "Bode fälscht Klimabilanz" hatte der Bauernverband mit Berufung auf Zahlen des Umweltbundesamtes die foodwatch-Studie kritisiert und behauptet, die Land- und Forstwirtschaft würde mehr Klimagase binden als freisetzen.
In der Mitteilung verwies der Bauernverband u.a. darauf, dass es selbstverständlich richtig sei, „auch die Klimagasemissionen der Landwirtschaft bilanziell unter die Lupe zu nehmen. Grundvoraussetzung ist aber auch, die Bindung und Eliminierung von Klimagasen durch die Land- und Forstwirtschaft zu berücksichtigen. Jedes Rind, das Klimagas emittiert, füllt seinen Pansen nicht an der Tankstelle, sondern durch Gras, Getreide und sonstige Ackerfrüchte.
Diese Pflanzen wiederum benötigten existentiell für ihr Wachstum Klimagase wie CO2. Denn Pflanzenwachstum ist nur möglich, wenn über Sonnenlicht und Fotosynthese aus CO2 und Wasser Kohlenhydrate werden. Das Bundesumweltamt bilanzierte deshalb, dass den Emissionen der Land- und Forstwirtschaft von 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr etwa eine Bindungswirkung von 168 Millionen Tonnen CO2 bzw. CO2-Äquivalent gegenübersteht. Per Saldo sind Land- und Forstwirtschaft also die einzigen Wirtschaftszweige, die mit ihrer Produktion zugleich auch Klimagase reduzieren und eine positive CO2-Bilanz haben.“
UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann forderte jetzt in einem persönlichen Schreiben, Bauern-Präsident Gerd Sonnleitner auf, künftig Berechnungen des Umweltbundesamtes nicht falsch wiederzugeben.
In dem Schreiben heißt es u.a.: „Die in Ihrer Pressemitteilung zitierten Zahlen der Emission von 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und der CO2-Bindung der Land- und Forstwirtschaft von 168 Millionen Tonnnen CO2-Äquivalente können wir nicht nachvollziehen.
Wir nehmen an, dass Sie sich bei diesen Angaben auf Ihren im November 2007 veröffentlichten Klimareport der Land- und Forstwirtschaft beziehen, in dem die genannten Zahlen in einer Grafik zu finden sind. Die Angaben entsprechen allerdings nicht den vom Umweltbundesamt veröffentlichten Zahlen.
Die in der Grafik aufgeführte ökobilanzielle Treibhausberechnung unterscheidet sich wesentlich von den nach internationalen Richtlinien durchgeführten Berechnungen der deutschen Treibhausgasinventare, die das Umweltbundesamt vornimmt und veröffentlicht. Darin wird der Holzeinschlag nicht in die CO2-Bindung mit einberechnet, sondern als CO2-Quelle unter der Kategorie Landnutzungsänderung berichtet.
Zudem entspricht es nicht den internationalen Richtlinien und auch nicht der Fachmeinung unseres Hauses, dem Anbau von Nahrungsmitteln eine CO2-Bindung zuzurechnen. Im günstigsten Fall ist der Anbau CO2-neutral.“
Im Vorfeld der am heutigen Donnerstag beginnenden Herbsttagung der Agrarminister der Länder forderte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode Bundesminister Horst Seehofer auf, die klimaschädlichen Auswirkungen der Landwirtschaft endlich anzuerkennen. "Landwirtschaft muss Teil der Klimapolitik werden", sagte Bode. Wie für andere Wirtschaftbereiche müssten auch hier konkrete Reduktionsziele festgelegt werden.
Weitere Informationen unter >> www.foodwatch.de







