Während der gesamte Energieverbrauch Österreichs seit dem Jahr 1980 um 41 Prozent gestiegen ist, hat sich der Energieverbrauch des Verkehrs mehr als verdoppelt. 82 Prozent der Energie werden von Pkw und Lkw verbraucht. Seit dem Jahr 1990 hat die Zahl der Pkw in Österreich um 1,2 Millionen zugenommen. Der VCÖ fordert eine Energie-Kommission für Österreich nach Vorbild Schwedens. Nötig ist eine höhere Energieeffizienz des Verkehrs.
„Während die Industrie und bei den Haushalten Energiesparmaßnahmen bereits erfolgreich umsetzen, fehlen diese beim Verkehr zur Gänze. Entsprechend groß ist das Potenzial, den Energieverbrauch unserer Mobilität und des Transports zu verringern“, fasst VCÖ-Experte DI Martin Blum die Ergebnisse der heute in Wien präsentierten VCÖ-Studie „Fokus Energieeffizienz im Verkehr“ zusammen.
Die VCÖ-Studie zeigt, dass sich der Energieverbrauch des Verkehrs seit dem Jahr 1980 mehr als verdoppelt hat. Im gleichen Zeitraum ist der Gesamtenergieverbrauch Österreichs um nur 41 Prozent gestiegen. Insgesamt betrug der Energieverbrauch Österreichs im Jahr 2004 rund 1.395 Petajoule, davon verbrauchte allein der Verkehr 333 Petajoule, was 7,96 Millionen Tonnen Erdöl entspricht. Der Verkehr hat einen Anteil von 24 Prozent am Gesamtenergieverbrauch, im Jahr 1970 waren es nur 14 Prozent.
Allein 58 Prozent der vom Verkehr verbrauchten Energie gehen auf das Konto des Pkw-Verkehrs, weitere 24 Prozent verbraucht der Lkw-Verkehr. Bereits an dritter Stelle liegt der Flugverkehr mit 10,5 Prozent. „Obwohl der Öffentliche Verkehr eine deutlich höhere Transportleistung als der Flugverkehr erbringt, verbraucht er nur sieben Prozent der Energie. Der Öffentliche Verkehr ist um ein Vielfaches energieeffizienter als Pkw, Lkw und Flugzeug“, betont VCÖ-Experte Blum.
Ein weiteres Ergebnis der VCÖ-Studie: Die höhere Effizienz der Motoren wird durch das enorme Verkehrswachstum mehr als kompensiert. So ist der Treibstoffverbrauch der Neuwagen seit dem Jahr 1990 im Durchschnitt um zwölf Prozent gesunken, die Anzahl der Pkw in Österreich hingegen um 41 Prozent. „Heute sind in Österreich um 1,2 Millionen Pkw mehr gemeldet, als noch vor fünfzehn Jahren“, macht VCÖ-Experte Blum aufmerksam.
Zudem werden durch die Zersiedelung die Arbeitswege länger. Auch der Bau von Einkaufszentren am Stadtrand und der gleichzeitige Niedergang der Nahversorgung in den Orten verursachen mehr Autokilometer. Die VCÖ-Studie zeigt, dass im Jahr 1980 legte jede Person in Österreich im Durchschnitt 28 Kilometer pro Tag zurück, heute sind es bereits 44 Kilometer pro Tag.
Im Jahr 2004 importierte Österreich 7,56 Millionen Tonnen Erdöl im Wert von 4,5 Milliarden Euro. „Die massive Abhängigkeit des Verkehrs vom Erdöl macht unsere Mobilität und den Transport völlig von den Preisschwankungen am internationalen Ölmarkt abhängig. Österreich ist zu klein, um die Preise am Rohölmarkt beeinflussen zu können. Österreichs Politik kann aber sehr wohl Maßnahmen setzen, um die Abhängigkeit des Verkehrs vom Erdöl zu verringern“, stellt VCÖ-Experte Blum fest.
Der VCÖ fordert die Schaffung einer Energie-Kommission nach Vorbild Schwedens. Die Kommission soll Strategien und Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz erarbeiten. „Während andere Staaten bereits daran arbeiten, die Energieeffizienz des Verkehrs zu verbessern, droht Österreich diese Entwicklung völlig zu verschlafen. Tempo 160 Teststrecken sorgen zwar für öffentliche Diskussionen, wichtiger für Österreich wäre es, wenn sich der Verkehrsminister ernsthaft mit der zukünftigen Energieversorgung des Verkehrs beschäftigt. Im Übrigen ist festzustellen, dass bei Tempo 160 der Spritverbrauch im Durchschnitt um 27 Prozent höher ist als bei 130 km/h und 65 Prozent höher als bei 100 km/h“, betont VCÖ-Experte Blum.
Für eine effizientere Mobilität sind mehr Öffentlichen Verkehrsverbindungen, eine Raumordnung der kurzen Wege sowie Lenkungsmaßnahmen, wie City-Maut und kilometerabhängige Pkw-Maut, sinnvoll. „Die Vorschläge des Wifos (Wirtschaftsforschungsinstitut), die Zersiedelung zu bremsen sowie in Ballungsräumen eine City-Maut einzuführen, sind im Interesse einer höheren Energieeffizienz zu begrüßen“, stellt VCÖ-Experte Blum fest.







