Rund 200 TeilnehmerInnen zählte das diesjährige Forum EnviComm, welche den rund 20 Beiträgen und zahlreichen Diskussionsrunden lauschten, deren Vortragende heuer aus Wirtschaft und Wissenschaft kamen und hochkarätig besetzt war. Das in Stuttgart zum dritten Mal stattfindende Forum belegt das steigende Interesse der Wirtschaft an CSR und Wirtschaftsethik.
Spiritus rector und Konferenzorganisator - gemeinsam mit der Global Reporting Initiative (GRI) und der Umwelt-Akademie Baden-Württemberg - Wolfgang Scheunemann, Geschäftsführer der dokeo GmbH, hat mit diesem Forum eines der Lead-Foren für CSR und Wirtschaftsethik im deutsprachigen Raum etabliert. Höhepunkt war der offizielle Launch der G3 Richtlinien der Global Reporting Initiative.
Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes Deutschland, fordert in seiner Key-Note von CSR-Berichten „Klasse statt Masse“. Es sei vor allem Notwendig, die in den Berichten oft angesprochene Transparenz auch zu leben, da helfe es nichts, wenn man einerseits bunte CSR-Berichte vorlege und auf der anderen Seite mit negativen Schlagzeilen Furore mache, oder in der Berichterstattung mit fehlenden Informationen und unbegründeten Argumenten mangelnde Transparenz demonstriert. Als Beispiel für mangelhafte Glaubwürdigkeit führt Andreas Troge General Electrics an und als Positivbeispiel wird von ihm Henkel genannt.
CSR und Kapitalmarkt
Henry Schäfer, Glocalist Autor und Professort an der Universität Stuttgart, ortete einen noch offen stehenden Diskurs über das Konzept ‚Sutainabilitity‘, welches er als ein offenes bezeichnet. Denn es sind, und hier geht es um die Bedeutung der vielen Rankings, noch offene Fragen zu klären. Derzeit wenden sich aktiennotierte Unternehmen einfach anderen Indizes zu, wenn sie von einem Index nicht aufgenommen werden, und hoffen dort dann auf bessere, großzügigere Bedingungen.
Unterschiedliche Einblick in die Art und Weise CSR zu leben, präsentierten beispielsweise die Unternehmen adidas, Linde Group, Deutsche Lufthansa AG, BOSCH, Verbund Gesellschaft oder die die RWG AG auf dem Forum. Präsentiert hat sich auch das Lebensministerium, welches seinen GRI-Bericht aus unternehmerischer Perspektive vorgestellt hat.
Hilgenstock, CSR Verantwortliche bei der RWE AG, ließ Emotion hochkommen beim Publikum: Sie erläuterte den umfassende Kommunikationsaufwand der RWE AG im Zusammenhang mit Umsiedlungen für den Bau neuer Kohlegruben. Ein Freudscher Versprecher sprach schließlich Bände und wurde vom Publikum entsprechend quittiert: „Die Bevölkerung merkt dann eh, wann Sie dran sind, wenn der Bagger vor der Tür steht.“ Ein Stück weit hat sich so die Kritik von Andreas Troge dokumentiert.
Die neuen GRI Richtlinien und GRI für NGOs
Den Abschluss wie Höhepunkt der zweitägigen Konferenz bildete die Präsentation der neu aufgelegten GRI Richtlinienin, in die bis dato bereits über 400.000 Arbeitsstunden von ExpertInnen geflossen sind, weiß Ralph Turm von der Global Reporting Initiative mit Sitz in Amsterdam zu berichten.
Neu sind in dieser dritten Ausgabe Leistungsindikatoren zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten, die vor allem Einsteigern helfen soll und der Managementansatz, welcher die Herangehensweise an das Thema unterstützt. Die neuen Richtlinien können kostenfrei als PDF von der Webseite geholt werden.
Aufhorchen ließ auch die Ankündigung von Thurm, dass in den nächsten zwei Monaten ein GRI-Standard für NGOs präsentiert werde: „Dann können NGOs ihre Transparenz unter Beweis stellen, die sie berechtigt so lautstark bei anderen einfordern.“
Gesamt darf die Konferenz als ein großer Erfolg betrachtet werden, da hier der Dialog neuerlich aufgemacht worden ist. Es trafen ExpertInnen auf ein hoch qualifizioertes und kompetentes Publikum aus Wirtschaft, NGOs und öffentlicher Verwaltung.







