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Grüne Krise - Zur Kritik an der Kritik


Wien (25.8.07): Derzeit werden die Grünen in den Medien verstärkt kritisiert. Die zentralen Kritikpunkte lauten: Es sei nix los, die Grünen seien zu einer normalen Partei "verkommen" und QuereinsteigerInnen haben es schwer. Überlegungen von Christian Neugebauer.
So und ähnlich kann man es in, nach Eigenangabe, Qualitätsmedien lesen. Die Krise habe mit den Nationalratswahlen (ihrem Resultat) angefangen, was nicht stimmt, denn die Krise begann ca. ein Jahr vor diesen Wahlen. Weiter wird mit einem monierenden Unterton festgestellt, dass sich Glawischnig hübsch gewandet und stilvoll lebt. Und man zitiert unbenannt Kritiker, die den Vorrang der Inszenierung vor Inhalten ausmachen wollen. Und schließlich führe man eine lauwarme Oppositionsstrategie. Und, horribile dictu, sie, die Grünen, haben kaum mehr internen, aber öffentlich ausgetragenen Parteizwist, sieht man von den gewohnheitsmäßigen Wortspenden eines Voggenhubers ab; aber jede Partei hat ihre Voggenhubers; notwendigerweise wie klugerweise.

Diese Befindlichkeitskritik geht aber völlig an den tatsächlichen Kritiken und Schwächen der Grünen vorbei und bedeutet im Umkehrschluss, Grüne mögen sich streiten, nicht hübsch gewanden, keine Partei sein und Inhalte vor Inszenierung setzen (wie dann eine laue Oppositionsstratgeie überwunden werden solle, ist eine andere Frage). Und auch der Gegensatz ist eigentümlich: Es kann ja durchaus denkbar (wie auch wünschbar) sein, dass eine gute inhaltliche Position einher geht mit einer ebenso guten Inszenierung. Beides ist kein Gegensatz, sondern kann in einem Sowohl-Als auch existieren bzw. sinnvoll sein.

Man sieht aus diesem einfachen Test, dass diese Kritik nicht greift.

Die tatsächlichen Schwächen der Grünen liegen aber woanders und lassen sich nicht durch diese phänomenlogische Zuordenung, wo die Symptombeschreibung die Ursachenreflexion ersetzt, fassen.

Tatsache ist, dass die KritikerInnen gegenüber den Grünen nicht anonym auftreten, sondern Namen und Argumente haben wie beispwielsweise die Anti-Atom Szene, Cafe Critique oder ein Bündnis aus verschiedenen NGOs in OÖ, die sich gegen die Parteilinie der Grünen in OÖ, für eine Volksabstimmung in Sachen Börsegang der Energie OÖ aussprechen. Zahlreiche Beispiele sind schon berichtet worden auf Glocalist Daily News, wo Grüne Politik, in ihren Kernthemen wie Energiewende, Homosexualität, Asyl, Transparenz und Pressefreiheit Wasser predigen und Wein trinken.

Die Problematik liegt nicht im Phänomen (hübsches Gewand oder nicht), sondern dass die Grünen ihre Prinzipien nicht mehr leben, wo es mit den eigenen Machtinteressen kollidiert; sicher, da gibt es als unangenehmen Beigeschmack noch eine FunktionärInnen-Riege, die durchaus regelmässig ihre eigene Parteispitze desavouieren und die tatsächliche Kritik an sie - die Funktionärsschicht - bzw. an die Grünen aus der Zivilgesellschaft, NGOs und anderen nicht ran lassen an die Parteispitze bzw. diese desinformieren. Ein möglicher Einwand, dass ja einige vom Kader der Grünen aus NGOs stammen, zieht nicht, denn dies wäre auch eine undifferenzierte Argumentation, denn erstens NGO ist nicht gleich NGO und zweitens befördert dies allzu leicht die romantische Ansicht, als sei jede NGO per se Hort der Kritik und Zivilgesellschaft.

Die Herausforderungen für die Grünen sind daher andere, nämlich Entmachtung ihres Funktionärskaders, ihren eigenen Prinzipien wieder gemäß zu handeln und Re-vitalisierung der Dialogfähigkeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, NGOs und Medien und vor allem wieder mutig zu sein. Und es stimmt schon, dass bei den Grünen und ihr Umfeld eine unangenehme Schickeria, die man durch die monierten Phänomene oberflächlich beschreiben kann, entstanden ist. Sie ist aber ernsthaft betrachtet nicht das Problem noch die Herausforderung.

Ob dies dann die Grünen in hübschem Gewande mit Parteistruktur dahinter und Inszenierung schaffen (oder nicht), ist dann zweitrangig. Denkt man an die kantigen Gründungsfiguren der Grünen wie Freda Meissner-Blau, Günter Nenning oder auch dereinst Wabl, dann vermisst man diese prinzipientreuen, aber doch offenen und dialogorientierten Persönlichkeiten. Dies mag viellecht auch damit zusammenhängen, dass sie keine Berufspolitiker waren und ihre Existenz nicht von Mandaten oder Pareijobs abhängig war.

Aber dies berührt die sehr grundsätzliche Frage, ob die Repräsentanten noch repräsentieren und nicht viel mehr sich selbst ausschließlich präsentieren. Diese Problematik der Glaubwürdigkeit trifft alle Parteien und hat dereinst die Grünen auch groß gemacht, denn sie waren glaubwürdig, was sie heute nicht mehr sind und schließlich die wichtigste Herausforderung für sie darstellt: Herstellung der Glaubwürdigkeit. Und dies geht nur mit Menschen, die Ecken und Kanten haben und vor allem von Parteijobs unabhängig sind. Die Fähigkeit, diese "Spezies" einzubinden, haben die Grünen - aber nicht nur sie, das ist aber ein anderes Thema - verloren, aber das muß ja nicht auf ewig sein. Und dies sind Punkte, die, wenn auch verklausuliert, Chorherr, Voggenhuber und viele innerhalb der Grünen Partei, aber nur unter vorgehaltener Hand, anzusprechen versuchen.


Berichte, wo Grüne straucheln

Pressefreieht und Grüne >> www.glocalist-review.com/index.php

Jugend und Grüne >> www.glocalist-review.com/index.php

Einwanderungspolitik und Grüne >> www.glocalist.at/index.php

Homosexualität und Grüne >> www.glocalist.at/index.php und
www.glocalist.com/index.php

Börsegang und Grüne >> www.glocalist.com/index.php

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