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Grüne Krise - Kommentar von Alexander Trinkl


Wien (29.8.07): Alexander Trinkl (Obmann der NGO Agenda X) meint: Gutes fordern reicht nicht. Der Gutmensch wurde einmal damit definiert, dass dies Menschen sind, die Gutes fordern, aber nichts Gutes tun.
Gutes fordern reicht nicht!

Als umweltpolitisch sozialisierter junger Akteur war ein Naheverhältnis zu den Grünen nahe liegend. Wenn mir die Grünen auch immer zu wenig integriert waren und ihre historische Bedeutung an Politikerpersönlichkeiten á la Kreisky, Brandt und Palme bis dato nicht heran reichte, so sind sie doch die politische Innovation und wichtige Kraft der Jahrzehnte der Jahrtausendwende, wenn auch offen ihre Bedeutung für den Beginn des 21. Jahrhunderts sich darstellt.

Umso bitterer sind als zivilgesellschaftlicher Akteur meine Enttäuschungen und meine Entfremdung von den Grünen, die da sind in Schlagworten:

Kooperationsunfähigkeit
Kritikunfähigkeit
Dialogunfähigkeit
Unsolidarisch
Abgehobenheit

Und warum das gerade alles bei den Grünen? Der Alternativpartei?

Erst die empirischen, soziologischen Untersuchungen von Don Beck, bekannt als Spiral Dynamics, die erfolgreich bei der Überwindung der Apartheid in Südafrika zur Anwendung kamen, haben mir eine Landkarte gegeben, mit denen ich diese Irritationen und Widersprüche verstehen lernen konnte.

Die Grünen repräsentieren ein wichtiges Wertespektrum, jedoch desintegriert, im Widerspruch zu anderen gesellschaftlichen Strömungen, mit großer Narzißmusgefährdung - wir sind die Guten! Genau dieser Komplex hat die Gutmenschen-Diskussion provoziert.

Der Gutmensch wurde einmal damit definiert, dass dies Menschen sind, die Gutes fordern, aber nichts Gutes tun. Das heißt die Progression verkommt zu einer Funktion des eigenen Narzissmus und die faktische Wirkung und damit Relevanz geht gegen Null. Mit der Gefahr, dass Macht und Status zu einer weiteren Übersteigerung führen und Opportunismus vor Haltung geht, was wieder nichts mit Pragmatik zu tun hat, denn diese geht mit Haltung.

So kommt es dann bei den Grünen, dass

- Volkstümlichkeit ein Fremdwort ist und kaum jemand menschlich so richtig warm wird bei ihnen.
- Sie die größte Quote an unbeantworteten E-Mails von BürgerInnen haben, ohne ein Bewusstsein für zwischenmenschliche Qualität und/oder machtpolitische Professionalität.
- Kritik ignoriert und verdrängt wird, statt ausdiskutiert und aufgearbeitet.
- Unfähigkeit zur Zusammenarbeit vorherrscht und sie damit operative Potentialvernichter sind.
- Solidarität mit der Zivilgesellschaft besser gesucht wird im christlich-sozialen Lager und den wenigen liberalen Sprüngen im SPÖ-Machtblock.
- Keinen Platz für Junge gibt und die jüngste Abgeordnete 36 Jahre zählt.

Weiters fehlt es an Integrations- und Synthesefähigkeit in den gesellschaftlichen Gesamtkontext, weshalb die Gores und Schwarzeneggers bereits beginnen die Show zu stehlen,. Es fehlt also auch nicht der Aktionismus aus den 70-er Jahren, sondern politische Innovationen für den Beginn des 21. Jahrhunderts. Van der Bellens Erklärung, man springe eben heute nicht mehr durch brennende Autoreifen, greift also bei weitem zu kurz.

Klar, über die "Altparteien" und deren Pathologien reden wir noch gar nicht. Aber die Grünen müssen sich als Alternativpartei tiefer gehende Kritik gefallen lassen. Zur Zeit wachsen sie nicht, weil sie die Alternative sind, sondern weil es keine Alternative gibt. Ein gefährlicher Umstand, der der weiteren Kritik-Immunisierung Vorschub leisten kann.

Die Grünen sind nicht mehr nur an ihren Inhalten zu messen, sondern auch an Ihren Qualitäten: an ihren Visionen und der Dringlichkeit, mit der sie diese verfolgen, an Haltungen und Überzeugungen und wie sie diese voran treiben, im zwischenmenschlichen Dialog, in ihrem solidarischen Engagement, in der Zusammenarbeit, in der Bereitschaft zu Psychohygiene und Kritikfähigkeit.

Denn was bringen euch eure guten Forderungen, wenn ihr nicht die Kraft, Innovations- und Allianzfähigkeit habt, sie auch durchzusetzen?



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