Anzeige
Donnerstag, 2. September 2010 - Eine andere Information ist möglich!
SOZIALES

Dieses Buch ist Stein des Anstosses

 

Nestle spioniert Attac aus?


Zürich (17.6.08/up-date): In europäischen Konzernen dürfte die Paranoia und Verschwörungstheorie umgehen. Nach den Bespitzelungen und Abhörskandal bei Lidl, Deutsche Telekom nun der nächste Großkonzern, der meint er sei Staat und könne mit Schlapphut durch die Gegend ziehen. Die Polizei sei davon informiert gewesen und habe mitgespielt nach vorliegenden Berichten. Nestle hat gegenüber den Glocalist Medien dazu eine Stellungnahme abgegeben.
Wie paranoid und ängstlich muß man sein, wenn man als milliardenschwerer Konzern eine in Relation dazu kleine NGO ausspioniert, undercover sich einschleust, um den Recherchenstand eines Buchprojektes zu erfahren. So geschehen der Attac Schweiz nach Berichten des Schweizer TV.

"Der Spitzelskandal zeigt, wovor sich Nestlé - das schwärzeste Schaf unter den Lebensmittelkonzernen, das für seinen Profit erwiesenermaßen über Leichen geht - wirklich fürchtet: Vor aufgeklärten Verbrauchern", stellte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis fest.

Zur Geschichte

Redakteure des Westschweizer TV dürften eine neue Spitzelaffäre aufgedeckt haben. Ihren Recherchen zufolge beauftragte der multinationale Konzern Nestlé die Sicherheitsfirma Securitas damit, eine Arbeitsgruppe von Attac-Waadt (Schweiz) über ein Jahr lang auszuspionieren, während diese an einem Buch über die Machenschaften Nestlés arbeitete. Eingeschleust wurde 2003 eine Frau mit dem Decknamen Sara Meylan, die sich besonders für das besagte Buchprojekt von Attac Schweiz interessierte und schließlich mitarbeitete.

Die Sendung “Temps présent” des Senders TSR wurde am 12. Juni 2008 ausgestrahlt. Betroffen von der Spionage war die AutorInnengruppe des Buches "Nestlé, Anatomie eines Weltkonzerns" (2005). Am nächsten Tag erstattete Attac Schweiz Strafanzeige gegen Unbekannt.

Die Agentin der Sicherheitsfirma Securitas hatte sich unter falschem Namen erst in eine Arbeitsgruppe von Attac-Vaud und dann in die Gruppe der sieben AutorInnen des Buches eingeschlichen. Sie hatte so direkten Zugang (insbesondere über eine vertrauliche E-Mail-Liste der AutorInnen) zu allen Kontakten, die die sieben Personen unterhielten, zu ihren Recherchen und ihren Quellen - in der Schweiz sowie auch im Ausland. Dies im Rahmen der Arbeit am Nestlé-Buch, als auch im Rahmen der Kampagne zur Lancierung des Buches.

Im Besonderen betroffen war das Nestlé Forum in Vevey am 12. Juni 2004. Die Securitas-Agentin begab sich auch regelmässig in die Wohnungen der sieben AutorInnen, in denen die Arbeitstreffen stattfanden.

Das Buch befasst sich mit Nestlés Einstellung zu genmanipulierten Organismen und der Privatisierung von Trinkwasser, behandelte aber auch empfindliche Themen wie die Arbeitskämpfe, die GewerkschafterInnen und AktivistInnen in verschiedenen Ländern gegen Nestlé führen, in denen die Menschenrechte nicht respektiert werden, wie beispielsweise in Kolumbien.

Die Agentin soll Securitas regelmässig Berichte geliefert haben, die auch dessen Klientin, Nestlé, weitergereicht haben soll. Mindestens einmal hat sich die Agentin mit Verantwortlichen von Securitas in den Hauptsitz von Nestlé begeben, wo sie den Verantwortlichen für die Sicherheit und einen Verantwortlichen für die Kommunikation getroffen, und ihnen ausführlich über die Gruppentreffen berichtet hat, so Attac Schweiz.

Schweizer Polizei war unterrichtet

Die Waadtländer Polizei war ebenfalls über diese Infiltration und die so gesammelten Informationen unterrichtet. Sie war also über dieses unlautere Vorgehen in Kenntnis, hat es jedoch nicht als ihre Aufgabe erachtet, die betroffenen Personen davon zu informieren.

Reaktionen Nestle

Offiziell meint der Konzern nach Angaben der Frankfurter Rundschau, er habe davon nichts gewusst und wollte sich nur vor Aktionen im Rahmen des damaligen G8 Gipfels schützen; nur die ganze Aktion startete nach dem G8 Gipfel. Sieht man sich die Richtlinien von Corporate Governance und Unternehmensleitlinien an, dann muss man einfach feststellen, dass sich es sich hier lediglich um CEO-Prosa handelt, der man kaum noch Glaubwürdigkeit wird einräumen können (>> presse.nestle.de/data/files/statements/8.pdf ), wenn sich die Vorwürfe erhärten.

Nestle Schweiz wurde von den Glocalist Medien um eine Stellungnahme angefragt und hat nachstehende Antwort schriftlich erhalten:

"Nestlé ist verpflichtet, die Sicherheit sowohl ihrer Mitarbeiter als auch ihrer Einrichtungen sicherzustellen. Als Demonstrationen gegen am Genfer See ansässige Unternehmen während des G8 Gipfels in Evian im Jahr 2003 öffentlich angekündigt wurden, ergriff Nestlé angemessene Massnahmen. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit Securitas, einer privaten Gesellschaft, die für die Sicherheit von Nestlé-Anlagen in der Schweiz zuständig ist, sowie mit der lokalen Polizei. Diese Massnahmen gingen mit dem Schweizer Gesetz völlig konform. Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass Nestlé aus nachvollziehbaren Gründen ihre Sicherheitsabsprachen nicht öffentlich kommentiert." (Schreiben per Mail vom 17.6.08)


Hausmitteilung

Unser Versprechen: Glocalist Medien sind frei von staatlichen Pressesubventionen und konzernunabhängig.

Ihr Abo schafft Werte: Gewinne werden zu 100% in Öko- und Ethikfonds investiert. Unabhängige Medien suchen unabhängige LeserInnen >> www.glocalist.com/index.php

<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>Ausbildungsquote Evonik über Branchenschnitt
>Erst studieren, dann zahlen
>DHL unterstützt Flutopfer in Pakistan
>Tag der Verschwunden
>Jugend fordert Sitz im RNE: Reaktion von RNE&Bundesregierung
>Südwind-Studie China: Deutsche Unternehmen und Billiglohn
>BASF spendet 250.000 Euro für Pakistan
>Welttag humanitärer Hilfe und Pakistan
>Arbeitslosigkeit: Schafft grüne Jobs und Glocalist Aktion
>Energieabzocke in Österreich
>Studie: Finanzmarktkrise und Altersversorgung
>Mindestlohn statt Hartz IV
>14 Millionen Menschen von Flutkatastrophe Pakistan betroffen
>Verbraucherpreise steigen: +1,2%
>Marktcheck: Alles was Flügel hat, kompensiert CO2
>US-Milliadärsspende: BDS findet dies gut
>Geld verlängert das Leben, auch bei Frauen
>Fleisch und Frische: Außen hui, innen pfui
>Arbeitsklimaindex Tourismus: Sozial nicht nachhaltig
>Amnesty Report: Griechenland und Migranten
>Jeder 2.te verzweifelt an Verpackungsangaben
>Mehr Frauen in Betriebsräten
>Gel minimiert HIV-Risiko
>Goldrush in Guatemala und Menschen sterben dafür
>Menschenrechtsmarsch
>Umfrage: Deutsche halten Schulsystem für ungerecht
>Erfolg für Homosexuelle in Bayern
>Attac will eine Bank mitgründen
>Outdoor Mode: Nix sozial gerecht
>Jugendliche üben grünes Unternehmertum
>Altersversorgung für CEOs von DAX-Unternehmen
>42.000 Unterschriften gegen soziale Kälte
>Europäischer Handel stellt Kodex für Nachhaltigkeit vor
>Supermarkt, Nachhaltigkeit und Einkaufsmacht
>Berlin: Mehr Informationsfreiheit
>Verbraucherrecht: EU begrenzt Kosten für Daten-Roaming
>Erstmals "Marktplatz der guten Geschäfte" in Salzburg
>Kostenlawine für NGOs
>Österreich: Großkundgebung für eine andere Asylpolitik
>Regulierung des Finanzmarktes zügig angehen
>Kinder Opfer der Finanzkrise
>Transparente Zivilgesellschaft
>Verbraucher: Aktionswoche gegen unseriöse Kreditvermittler
>Europakampagne für Grundeinkommen
>Gute Idee: Dienstwagen-Besteuerung statt Sozialabbau
>Studie: Fairer Welthandel
>Tchibo engagiert sich in Afrika
>70% finden wirtschaftliche Verhältnisse nicht gerecht
>Studie: Klima-Wirtschaftswunder schafft Jobs
>Gute Idee: Staat soll nicht mehr Kinderarbeit einkaufen
Anzeige

Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"