Die vergangene Woche lieferte zwei europäische CSR-Ereignisse: Den neuen Bericht des European Sustainable Development Network (ESDN) sowie den Start eines Gemeinschaftsprojekts von CSR Europe, der Business Social Compliance Initiative (BSCI) und der Europäischen Kommission. Dabei zeigen gerade die unterschiedlich gesetzten Akzente, dass alle an einem Strang ziehen können, indem jeder macht, worauf er sich versteht, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren.
Die Politik – Vierteljahresbericht des ESDN
Der Quartalsbericht des Europäischen Netzwerks für Nachhaltige Entwicklung (ESDN) zeigt, was die EU-Mitgliedsstaaten (die den ESDN im Jahr 2002 in Leben riefen) bereits tun und weiter tun wollen, um Corporate Social Responsibility (CSR) zu fördern. Der aktuelle Bericht ist das Ergebnis zweijähriger Forschungsarbeit. Die empirische Analyse der CSR-Aktivitäten der EU-Mitgliedsstaaten und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen machten drei Kerninstrumente europäischen staatlichen CSR-Engagements aus – Bewusstseinsbildung, Nachhaltigkeit im öffentlichen Auftragswesen und Förderung von gesellschaftlich verantwortlichen Investments:
1. Bewusstseinsbildung – Die untersuchten Staaten versuchen dies großteils durch Informationsmaßnahmen zu erreichen. Dazu gehören Weiterbildungsangebote (Seminare, Trainings, Konferenzen), regierungsgestützte Richtlinien, Informationsquellen (Webseiten, Studien, Berichte) und Kampagnen. Der Bericht nennt zwei Erfolgsfaktoren für diese Informationsmaßnahmen: Erstens sollten Initiativen speziell auf die Branchen und Größen der angesprochenen Unternehmen abgestimmt sein. Zweitens sollten CSR-Plattformen und -zentren mit bestehenden Institutionen und Strukturen zusammenarbeiten. Mängel seitens der Mitgliedsstaaten werden bei der Integration von Klein- und Mittelbetrieben in die Nachhaltigkeitspolitik erkannt. Ebenfalls kritisch wird die Medienzusammenarbeit beim Thema CSR kommentiert.
2. Öffentliches Auftragswesen – Nachhaltiges öffentliches Auftragswesen (SPP - Sustainable Public Procurement) wendet die öffentliche Kaufkraft nicht nur für Nachhaltige Entwicklung auf, sondern fördert zusätzlich nachhaltigen Konsum und Produktion. Außerdem haben Regierungen dadurch die Möglichkeit eine Vorreiterrolle einzunehmen und Unternehmen, wie Privatpersonen zu ähnlichem Verhalten zu animieren. Das geschieht durch die Einhaltung von EU-Richtlinien bei der nationalen Gesetzgebung, aber auch durch verschiedenene CSR-Programme und –initiativen. Die größte Hürde liegt hier im fehlenden Engagement, vielfach wurde der Mehrwert von SPP noch nicht erkannt.
3. Gesellschaftlich verantwortliches Investment – Gesellschaftlich verantwortungsvolles Investment (SRI – Socially Responsible Investment) wird noch als Nischenmarkt bewertet, dessen künftgige Entwicklung sich schwer abschätzen lässt. Das rapide Wachstum des Marktes für SRI fand ohne Regierungsbeteiligung statt. Die größte Anforderung sieht der Bericht in der Reduktion von Komplexität. Durch Informationsmaßnahmen soll SRI zugänglicher gestaltet werden und dadurch für eine größere Zielgruppe an Attraktivität gewinnen.
Die Wirtschaft – Fokus Lieferketten
Auf einem Meeting von CSR Europe, der Business Social Compliance Initiative (BSCI) und Mitgliedern der Europäischen Kommission wurde ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen: Konsequent an CSR- und Nachhaltigkeitsaspekten ausgerichtetes Lieferketten-Management soll zur weiten Verbreitung von Best Practice-Beispielen führen.
So gehe das Konzept von CSR im Angesicht der Globalisierung weit über die europäischen Grenzen hinaus, unterstrich Viscount Etienne Davignon, Präsident von CSR Europe und Vice-Chairman von Suez-Tractabel. Entsprechend müsse für international agierende bzw. produzierende Unternehmen die komplette Zulieferkette nachhaltig und sozial verantwortlich ausgerichtet werden.
Die Teilnehmer des Meetings sprachen sich gegen neue CSR-Standards und Initiativen. Vielmehr sollten die bestehenden besser und effizienter genutzt werden. Zur Stärkung der globalen CSR-Dimension wurde ein intensives Erfahrungs-Austausch-Programm mit China anvisiert, einem der wichtigsten EU-Handelspartner. Gerade für solch internationale Initiativen, sei auch die Unterstützung der Europäischen Kommission vonnöten.
(Zusammenfassung nach respACT - austrian business council for sustainable development, zum ESDN-Bericht >> www.sd-network.eu )






