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Die Provinz ruft: Wahlkampfauftakt SPÖ


Wien (30.8.08): Vor rund 3.000 FunktionärInnen startete die SPÖ tief provinziell und mit rückwärts gewendeten Konzepten ihren Wahlkampf. Von Christian Neugebauer

Es ist wohl nicht angebracht Österreichs Weg in die Bananenrepublik mit dem Wahlkampftakt von Barack Obama und mit der allgemeinen Aufbruchsstimmung in den USA zu vergleichen, aber beides gibt, ob man es will oder nicht, die Messlatte vor. Und diese hat die SPÖ souverän unterschritten.

 

Esoterikgedudel, laue Kalauer des amtierenden Bürgermeister von Wien, Michael Häupl, wonach jeder seines eigenen Unglücks Schmied sei in Richtung Molterer (Vizekanzler, ÖVP) und aus dem Bühnenportal, welches an ein Mauseloch erinnert, erscheinen mehr schleichend, denn kommend die SpitzenkandidatInnen der SPÖ mit Abschluss Werner Feymann. Die gesamte Inszenierung "strahlt" matte Provinzialität aus.

 

Im Publikum sucht man lange nach jungen Gesichtern und blickt stattdessen in die grimmig entschlossenen von FunktionärInnen, die verständlicher Weise ein existentielles Interesse an dem Wahlerfolg der SPÖ haben müssen. Als "Promi" wird u.a. der Schauspieler Adi Hirschall ausgelobt: Da hat die SPÖ schon mal mehr zu bieten gehabt.

 

An Programmatischen war wenig auszumachen, denn man hörte vorrangig Lob für die SPÖ und die eigenen Funktionäre: Wenig war daher vom Souverän zu hören, dem Volk, und wenn dann kam der Souverän in den Reden lediglich als demographischer und nicht politischer Begriff vor: Als "die Bevölkerung" oder noch besser als "der kleine Mann", der halt nix zum sagen hat, stumm ist und "Onkel Hans" (Herausgeber der Kronen Zeitung) wie den weisen Politiker braucht, um sich verständlich artikulieren zu können: Der Souverän als Objekt, den man was reindrückt via der Kronen Zeitung, und nicht als Subjekt. Wandel kommt von oben oder eben gar nicht.

 

Und eine betagte Funktionärin erklärt im offiziellen Parteitagsvideo, man müsse "Laufen, Laufen, Laufen"; ein Aufruf, der schon was von einer tragigkomischen Realsatire hat. Dies markiert auch deutlich die Hauptzielgruppe der SPÖ wie auch das Grundsatzproblem Österreichs: Überalterung, mangelhafte Dynamik und obrigkeitsstaatliche Denkkategorien des vorigen Jahrhunderts.

 

Zwei Forderungen wurden an die Spitze gestellt: Eine kräftige Lohnrunde und das 5-Punkte Programm gegen Teuerung. Kurz, Ideen, die in der alten Anspruchsdenke verhaftet sind und mehr die Generation 55+ und den Kronen Zeitung Leser freut. Hier durfte auch dann die Polemik gegen die EU und gegen Brüssel nicht fehlen, denn Hans Dichand, Herausgeber der Kronen Zeitung, schaut ja mit über die Schulter.

 

Investitionen in erneuerbare Energie, Nachhaltigkeit, Ausbau der BürgerInnenrechte, Förderung von Social Entrpreneurs, Entlastung des Mittelstandes, Förderung der Bildung und Wissenschaft wie die Sanierung des Gesundheitssystems oder Senkung der Steuerquote von rund 43% waren kein Thema.

 

Die Umfragen zeigen wieder nach oben dank Kronen Zeitung und man muss sich eigentlich fragen, wer hier gewählt wird.

 

Video vom Parteitag der SPÖ >> www.youtube.com/watch

 

 




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