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POLITIK

Jean Ziegler erhält Landespreis für Zukunftsforschung


Salzburg (20.11.08): Der Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung wird heute Abend an Jean Ziegler verliehen. Die Preisverleihung findet in der Residenz statt.
Er ist Experte des UNO-Menschenrechtsrates, Bestsellerautor und Soziologe. Von 2000 bis 2008 war Jean Ziegler UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, der Zeit seines Amtes gegen den Hungertod auf der Welt gekämpft hat. Dieser Tage sprach er im Rahmen der Wiener Vorlesungen über den Hunger auf der Welt. "Alle fünf Sekunden verhungert weltweit ein Kind unter zwölf Jahren. (...) Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) weiß, dass die Weltlandwirtschaft ohne Probleme zwölf Milliarden ernähren könnte. Es gibt keine Fatalität. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet" äußerte Ziegler im Juni dieses Jahr in einem Interview im Magazine trend. Die Schuld der weltweiten Hungerkrise sei bei der Globalisierung und Neoliberalisierung der heutigen Weltordnung zu suchen, das EU-Agrardumping und die Schuldknechtschaft, unter der die Entwicklungsländer zu leiden hätten, seien die ausschlaggebenden Faktoren für den Hunger auf der Welt, so Ziegler. Ein Umdenken müsse rasch einsetzen, um die Tragödie aufzuhalten, seine Hoffnung liege bei der Zivilgesellschaft, die den totalitären Machtanspruch des Marktes brechen müssen. Ein erhöhtes Bewusstsein sei bereits da, hier müsse man ansetzen, hofft der Experte.

Heute Abend erhält er für sein jahrelanges Engagement den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. "Mit Jean Ziegler wird eine Persönlichkeit geehrt, die sich unermüdlich für die Schwächsten der Erde, die Hungernden, einsetzt. Der Preisträger erinnert in seinem publizistischen Schaffen daran, dass Hunger kein Schicksal ist, sondern gemacht wird und durch eine verantwortungsvolle Politik und ein anderes Wirtschaften überwunden werden kann", so Burgstaller zur Begründung für die Zuerkennung des Landespreises auf Vorschlag des Kuratoriums der Robert-Jungk-Stiftung.

Bekannt wurde Ziegler als Kritiker der Banken seines Heimatlands ("Die Schweiz wäscht weißer", 1990) und der ungezügelten Globalisierung ("Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher", 2003). Insbesondere verweist Ziegler vehement darauf, dass Hunger kein Schicksal ist, sondern gemacht wird ("Wie kommt der Hunger in die Welt? Ein Gespräch mit meinem Sohn", 2002). In seinem kürzlich erschienenen Buch "Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung" (2007) macht er die internationalen Konzerne sowie den Würgegriff der Verschuldungsdynamik für Missstände wie Hunger und Armut verantwortlich. Ziegler fordert unter anderem ein fünfjähriges Moratorium auf landwirtschaftlich erzeugte Biotreibstoffe, ein provisorisches Bleiberecht für Hungerflüchtlinge, Verfahren zur Prüfung über die Rechtmäßigkeit von Schulden sowie einen Verhaltenskodex für nichtstaatliche Akteure – wie Unternehmen – bezüglich des Rechts auf Nahrung. "Indem ich schreibe", so Jean Ziegler in "Die neuen Herrscher der Welt", "kann ich dazu beitragen, die Dogmen der neuen Herrscher der Welt zu entkräften." In seinen Büchern, aber auch in den zahlreichen Medienauftritten erinnert der Wissenschafter an das Unrecht in der Welt und appelliert an das Mitdenken und Mitfühlen aller jenseits der sich ausbreitenden Unterhaltungswelt. Er gilt als "Stimme der Armen und Schreck der Mächtigen", wie ihn das Magazin "stern" einmal treffend bezeichnet hat.

Der Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung wird seit 1993 alle drei Jahre vom Land Salzburg auf Vorschlag der Robert-Jungk-Stiftung an eine Persönlichkeit, die sich in herausragender Weise durch zukunftsweisende Ideen und Initiativen verdient gemacht hat, vergeben. Der in Salzburg verliehene Preis ist mit 7.500 Euro dotiert. Bisherige Preisträger waren Robert Jungk (1993), Dorothee Sölle (1996), Jakob von Uexküll (1999), Luise Gubitzer (2002) und Franz-Josef Radermacher (2005).
(Quellen Stadt Wien, Land Salzburg)


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