Um es für jene gleich vorweg zu sagen, die rasch Information haben wollen: Man trägt in der Regel Viskose und es lohnt sich genau nachzufragen. Viskose wird aus Zellulose - und hier ist es egal, welche Zellulose von welchen Baum - hergestellt unter Einsatz von Natronlauge und Schwefelkohlenstoff.
Bambus - als das größte Süsswassergras und die schnellst wachsende Pflanze der Welt mit bis zu einem Meter pro Tag - enthält nur 2-3 mm kurze Zellulosefasern, die auf Grund ihrer Kürze bis heute industriell nicht spinnbar sind, weshalb man sie zu Viskose "umarbeitet".
Aus offensichtlichen Marketinggründen heraus wird dies dann als „Bambus-Textilien“ an die Frau und an den Mann gebracht, die als natürlich, bio, knitterfrei, atmungsaktiv, antibakteriell, samtweich und mit mannigfaltig positiven Eigenschaften mehr ausgelobt wird.
Die Wahrheit liegt in der berühmten Mitte: Viskose ist eine Kunstfaser, wird aber auf Grund ihres Ausgangsproduktes (Zellulose) als natürliche Kunstfaser bezeichnet. Aber "bio" und "natürlich", wie diese Begriffe landläufig und vom Laien verstanden werden, sind diese Textilien nicht. Auf der Website der European Bamboo Society e.V. kann man sogar erbost von "Betrug" lesen:
"Bei diesen Aussagen über Textilien aus Bambusfasern handelt es sich in der Regel um einen Betrug am Verbraucher. So ergab eine Nachfrage bei der Industrievereinigung Chemiefaser e. V. (IVC), dass die derzeit auf dem Markt angebotenen „Bambus“-Textilien (Wäsche, Socken, Sportswear etc.) aus regenerierten Cellulosefasern - wie z.B. aus Viskose - bestehen." und führt weiter aus: "Der Betrug besteht also in folgendem: In der ganzen Welt steht Bambus im Ruf ein ökologisch wertvolles Naturprodukt zu sein – und ich möchte betonen, dass Bambus diesen Ruf zu recht hat. Skrupellose Geschäftsleute kamen also auf die unsinnige Idee, Textilien aus Viskose unter der Bezeichnung „Textilien aus Bambusfasern“ zu vertreiben. Verschwiegen wird dabei, dass die Bambusfasern nach der Umwandlung in Viskose nicht das Geringste mehr mit Bambus zu tun haben. Denn wenn man ein Gewebe aus Viskose kauft, ist es unmöglich zu erkennen, aus welchen Zellulosefasern die Viskose gewonnen wurde. Und selbst wenn wir den Ursprung der Zellulosefasern in der Viskose bestimmen könnten, würde das nichts an den Eigenschaften der Viskose ändern, welche künstlich und nicht natürlich ist." (Quelle: European Bamboo Society e.V; 2007).
Und die Industrievereinigung Chemiefaser schreibt im April 2009 auf Grund des boomenden Bambus-Textil Marktes: "Durchgeführte Analysen zeigten nämlich, dass bislang in keinem der als „Bambus-Textilien“ angebotenen Erzeugnisse Bambusfasern, sondern Viskosefasern verarbeitet wurden. Somit stellte die vielfach verwendete Kennzeichnung „XX % Bambus“ eindeutig einen Gesetzesverstoß dar, weil das Textilkennzeichnungsgesetz hierfür die Bezeichnung „XX % Viskose“ vorschreibt. Weil Bambus als Rohstoff für den Zellstoff dient, der im Xanthogenatverfahren zur Viskosefaser verarbeitet wird, ist es aus Marketinggründen vielfach opportun, auf diese nachwachsende Rohstoffquelle hinzuweisen.", aber eben nicht korrekt nach dem TKG (Textilkennzeichnungsgesetz).
Die Viskose-Produktion hat aus verständlichen Gründen sich in den letzten Jahrzehnten nach China verschoben: Dort wächst der billige Rohstoff und die Frage Umweltauflagen sind eher bescheiden bzw. kaum vorhanden. So kommt ein Großteil der Viskoseproduktion aus China und den asiatischen Staaten.
Nach wie vor kann man auf Anbieter Websites lesen, es handle sich hier um ein Bio-Produkt. Einer der ersten Bambo-Textillabels "BAM" deklariert, dass "Our products are 70% natural bamboo viscose...." und zahlreiche Anbieter schreiben von "Bambo-Textilien".
Der Vorteil von der Verwendung von Bambus liegt tatsächlich woanders: Er wächst schnell, es braucht kaum Einsatz von Pestiziden und Bambus braucht weniger Wasser zum Gedeihen als Baumwolle. Diese Vorteile sollten an sich ausreichen, sich für Textilien aus dem Rohstoff Bambus zu entscheiden, auch wenn man dann in der Regel Viskose trägt. Und Viskose ist noch immer besser als Kunstfasern, die ausschließlich Erdöl als Rohstoff verwenden. Und wenn dann der Bambus ohne Einsatz von Kinderarbeit und für faire Löhne in der Landwirtschaft geerntet und die Viskoseproduktion sozial und ökologisch verträglich läuft, dann ist schon sehr viel erreicht und ist ein Schritt in die richtige Richtung.







