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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!
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Dagmar Bischof, Präsidentin BPW Germany

 

23% weniger Einkommen: Frauen sind nicht selbst Schuld


Niemetal (13.7.10): Für Aufsehen haben Studien des DIW Berlin und der Universitäten Bielefeld und Konstanz gesorgt. Aus der Zusammenführung der Ergebnisse wurde die Schlussfolgerung gezogen, Frauen meinten, „dass ihnen gerechterweise ein geringeres Bruttoeinkommen zusteht als Männern“. Diese Schlussfolgerung ist falsch. Von Dagmar Bischof, Präsidentin der Business and Professional Women (BPW) Germany.
In der Debatte um Entgeltgerechtigkeit ist es fahrlässig, leichtfertig die Vermutung aufkommen zu lassen, Frauen seien selbst Schuld an ihrem geringeren Verdienst, weil sie sich angeblich bewusst mit weniger zufrieden geben.

Tatsächlich weisen die Ergebnisse der angeführten Studien auf die fatalen Folgen von Geschlechterstereotypen und von mangelnder Transparenz bei der Entlohnung hin. Die Ansprüche von Frauen an ihr Einkommen sind laut Studie unter anderem aufgrund von fest verankerten Rollenbildern geringer, wonach die vornehmliche Rolle des Mannes die Versorgung der Familie ist und der Platz der Frauen zunächst im Haushalt. Dies beeinflusst – natürlich unbewusst – das Gerechtigkeitsempfinden.

Als weiterer Grund wird der Mangel an Transparenz bei den Verdiensten angeführt. Frauen vergleichen sich zuallererst mit anderen Frauen. Diese verdienen aber ebenfalls weniger als Männer. So entsteht ein falscher Eindruck. Das zeigt sich daran, dass Frauen, die in Haushalten leben, in denen sie ihr Gehalt mit dem ihres Partners vergleichen können, ein deutlich höheres Ungerechtigkeitsempfinden in Bezug auf ihr Einkommen haben als Frauen, die alleine leben. Mit einem Gerechtigkeitsempfinden von Frauen im Hinblick auf den Gender Pay Gap hat dies nichts zu tun.

Die Studien zeigen vielmehr das, was wir als Berufs-Frauennetzwerk seit unserer Gründung in den 30er Jahren betonen: Um unser Ziel ‚gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit’ zu erreichen, müssen wir nicht nur an strukturellen Barrieren wie dem Mangel an guten Kinderbetreuungsplätzen arbeiten, sondern vor allem auch die veralteten Rollenbilder in den Köpfen von Männern und Frauen aufbrechen.

Wir fordern außerdem eine größere Transparenz bei den Gehältern, damit Frauen von Anfang an das Entgelt fordern können, das ihnen zusteht. Dafür setzt sich unser Netzwerk in ganz Deutschland und weltweit ein.


Relevante Links:

Link zum Beitrag der Süddeutschen Zeitung „Froh zu sein bedarf es wenig“ vom 6. Juli >
www.sueddeutsche.de/karriere/ungleiche-bezahlung-frauen-wollen-es-nicht-anders-1.970388

Link zur Pressemitteilung der Autoren „Mit zweierlei Maß gemessen – Geringere Bezahlung von Frauen wird nicht als ungerecht wahrgenommen“ > ekvv.uni-bielefeld.de/blog/uniaktuell/entry/mit_zweierlei_maß_gemessen_geringere




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