Der Verlust an Arten wird auf das Hundert- bis Tausendfache der natürlichen Aussterberate geschätzt, und der Klimawandel dürfte den Artenschwund gar noch beschleunigen.
Dies ist deprimierend für jeden echten Naturfreund. Aber müssen sich denn ob des fortschreitenden Biodiversitätsverlust auch die Investoren Gedanken machen?. Offenbar kaum, wenn es nach den 1’200 CEOs geht, die PwC für ihren jährlichen Global CEO Survey interviewt hat. Nur 27% sahen den Verlust der Artenvielfalt als Bedrohung. Dabei gab es immerhin erhebliche regionale Unterschiede. In Lateinamerika und Afrika, wo der Biodiversitätsverlust infolge der Abholzung von Millionen von Hektar Wald unmittelbar greifbar ist, waren immerhin 53% bzw. 45% der CEOs in Sorge, während in Westeuropa nur 18%, in Nordamerika nur 14% und in Zentral- und Osteuropa nur gerade einmal 11% über den Verlust der Artenvielfalt besorgt waren.
Das fehlende Problembewusstsein der Firmenlenker sollte Investoren beunruhigen. Die von der EU-Kommission und der UNEP eingesetzte Arbeitsgruppe „Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität (TEEB)“ schätzt den Wohlfahrtsverlust im Jahr 2050 infolge des zwischen heute und dann kumulierten Schadens an verminderten Ökosystem-Dienstleistungen auf 14 Billionen (1012) Euro, was rund 7% der für das Jahr 2050 prognostizierten globalen Wirtschaftsleistung entspricht.
Auch die Vermögensverwaltung kann viel aus dem Studium der Ökosysteme lernen. Je grösser die biologische Vielfalt in einem Ökosystem, desto robuster ist es gegenüber externen Schocks. Die Weisheit, wonach das Ganze mehr Wert ist als die Summe aller Teile, ist nirgends wahrer als hier. In gewisser Weise ist die biologische Vielfalt die natürliche Version von Markowitz' moderner Portfoliotheorie, wobei Mutter Natur mit etwas mehr als drei Milliarden Jahren organischer Entwicklung Markowitz ein gutes Stück voraus war.
Langfristig orientierte Investoren sollten sich bei ihren Anlageentscheidungen ebenfalls an natürlichen Ökosystemen ausrichten. Sie sollten die Vielfalt der Geschäftsmodelle begünstigen und vermehrt in solche Wirtschaftsakteure investieren, die am ehesten die Stabilität und Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftssystems gewährleisten. Ein allzu starker Fokus auf kurzfristige Gewinne kann die Geschäftsethik untergraben und gerade die Unternehmen vom Markt drängen, die dem nächsten grossen Schock vielleicht am besten gewachsen wären.
Autorennotiz: Christoph Butz ist Nachhaltigkeitsexperte bei Pictet Asset Management in Genf
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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