Anzeige
Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!
KOMMENTARE

Biodiversität – Was wir von der Natur lernen können


Genf (31.5.10): Laut der UN-Studie Millennium Ecosystem Assessment hat die biologische Vielfalt in den letzten 50 Jahren wesentlich stärker abgenommen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Von Christoph Butz.
Der Verlust an Arten wird auf das Hundert- bis Tausendfache der natürlichen Aussterberate geschätzt, und der Klimawandel dürfte den Artenschwund gar noch beschleunigen.

Dies ist deprimierend für jeden echten Naturfreund. Aber müssen sich denn ob des fortschreitenden Biodiversitätsverlust auch die Investoren Gedanken machen?. Offenbar kaum, wenn es nach den 1’200 CEOs geht, die PwC für ihren jährlichen Global CEO Survey interviewt hat. Nur 27% sahen den Verlust der Artenvielfalt als Bedrohung. Dabei gab es immerhin erhebliche regionale Unterschiede. In Lateinamerika und Afrika, wo der Biodiversitätsverlust infolge der Abholzung von Millionen von Hektar Wald unmittelbar greifbar ist, waren immerhin 53% bzw. 45% der CEOs in Sorge, während in Westeuropa nur 18%, in Nordamerika nur 14% und in Zentral- und Osteuropa nur gerade einmal 11% über den Verlust der Artenvielfalt besorgt waren.

Das fehlende Problembewusstsein der Firmenlenker sollte Investoren beunruhigen. Die von der EU-Kommission und der UNEP eingesetzte Arbeitsgruppe „Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität (TEEB)“ schätzt den Wohlfahrtsverlust im Jahr 2050 infolge des zwischen heute und dann kumulierten Schadens an verminderten Ökosystem-Dienstleistungen auf 14 Billionen (1012) Euro, was rund 7% der für das Jahr 2050 prognostizierten globalen Wirtschaftsleistung entspricht.

Auch die Vermögensverwaltung kann viel aus dem Studium der Ökosysteme lernen. Je grösser die biologische Vielfalt in einem Ökosystem, desto robuster ist es gegenüber externen Schocks. Die Weisheit, wonach das Ganze mehr Wert ist als die Summe aller Teile, ist nirgends wahrer als hier. In gewisser Weise ist die biologische Vielfalt die natürliche Version von Markowitz' moderner Portfoliotheorie, wobei Mutter Natur mit etwas mehr als drei Milliarden Jahren organischer Entwicklung Markowitz ein gutes Stück voraus war.

Langfristig orientierte Investoren sollten sich bei ihren Anlageentscheidungen ebenfalls an natürlichen Ökosystemen ausrichten. Sie sollten die Vielfalt der Geschäftsmodelle begünstigen und vermehrt in solche Wirtschaftsakteure investieren, die am ehesten die Stabilität und Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftssystems gewährleisten. Ein allzu starker Fokus auf kurzfristige Gewinne kann die Geschäftsethik untergraben und gerade die Unternehmen vom Markt drängen, die dem nächsten grossen Schock vielleicht am besten gewachsen wären.

Autorennotiz: Christoph Butz ist Nachhaltigkeitsexperte bei Pictet Asset Management in Genf


<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>Vom Greenwashing zur Green-PR zur CSR
>Vereinigte Diktatoren der Welt
>Die Rede - Niemals vergessen
>Österreich zeigt heute seine zwei Gesichter
>Ungarn verabschiedet sich von Europa
>Europas Politiker alleine zu Hause
>Propädeutisches zum Begriff Nachhaltigkeit
>Grünes Fliegen und so
>Verfassungsschutz finanziert rechten Terror
>Jahresrückblick: Lückenbüßer von Staats wegen
>Jetzt muss Schluss sein bei der S-Bahn
>"Neue Rechte" und Utopia
>Ende vom Euro: Und was heißt das?
>Es war nicht „das Trio“ allein
>Wir brauchen ein nachhaltiges Europa
>Stuttgart 21
>Berliner Republik: Alte Hetzer werden neue Retter
>Die Krise ist eine Krise mangelnder Nachhaltigkeit
>Pannen-, Pech- und Pleitendienst
>Ergebnisse des Krisengipfels unbefriedigend!
>Schwarz-Gelb bremst Ausbau der Erneuerbaren Energien
>EU-Kommission will Rating verbieten
>Und wieder ein Upps: Ratingagentur S&P
>„Schreckgespenst“ Energiewende?
>Nur mehr Betrug? Wo sind die Staatsanwälte?!
>Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Marktradikalismus mit Plüsch
>Banken auf Schadenersatz klagen
>Finanzkrise: EU will Pressefreiheit und mehr abschaffen
>Die nächste Luftnummer
>Poltik und Banken: Gröbster Populismus
>Warum 15M!
>Wird Europa China? Bürgerrechte&Marktwirtschaft abgeschafft
>Unglaublich, sie tun es schon wieder!
>Griechenland und die Systemfrage
>Weltwirtschaftskrise: Muss nicht sein
>Antisemitismus in Österreich - Horst-Wessel-Lied im ORF
>Antisemitismus in Österreich: Die Geschichte geht weiter
>Volker Weber zu Sozial- und Umweltrenditen
>700 Milliarden für Bankster&Politik, 600 Euro für Rentner
>Stoppt die Entmündigung der Demokratie!
>Finanzbranche regulieren? Nein: Bürger, ermächtige Dich!
>Sozialminister Hundstorfer unterstützt Ethnic Profiling
>E-Interview: Kretschmer zu Kommunikation&Nachhaltigkeit
>Geschäftsmodell Schnorren
>Rechtspopulismus: Ziehväter des Rechtsextremismus
>E-Interview: Sylke Schröder (EthikBank)
>Ökodiktatur?
>Medien, Mittelstand und nachhaltiges Wirtschaften
>Nachhaltige Unternehmen müssen nachhaltig werden
>Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesundheitskultur
Anzeige


Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"