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"Blonde Frauen" als Dummchen in der CSR-Kommunikation?!


Berlin (5.2.10): Mehr und mehr Kommunikationsagenturen machen sich über Nachhaltigkeit und CSR her. Man findet nicht selten marktschreierische Oberflächlichkeiten, die konterproduktiv sind. Das Fass den Boden ausgeschlagen hat jüngst die Agentur Bonne Nouvelle aus Bonn.
In jüngster Zeit wird die Ratlosigkeit in Sachen Strategie für Nachhaltigkeit durch laute, bunte Auftritte und mannigfaltigen Green-Washing Aktionen ersetzt. Substanzlosigkeit scheint sich hier die Bahn brechen und das Oberkommando übernehmen zu wollen.

So hat die Aktion von ENTEGA in Medienkooperation mit UTOPIA massive Kritik auf den Plan gerufen, die sich nicht nur in den Foren von UTOPIA abbildet, sondern auch von sehr unterschiedlich ausgerichteten Informationsplattformen und Medien - von "Wir Klimaretter" über "taz" bis hin zum "Heldenmarkt" - sehr kritisch aufgegriffen worden ist (s.h. Bericht auf Glocalist > bit.ly/6sb6qs ).

Kann man im Fall ENTEGA aber zumindest den Versuch ausmachen, hier einen neuen Kommunikationsansatz zu versuchen, also Innovatives zu setzen, so ist die aktuelle Pressemitteilung der nach Eigenangaben "Full Service Agentur" Bonne Nouvelle aus Bonn, ein nicht geahnter freier Fall nach unten. Es geht hier um Sprachkritik und um die unachtsame Verwendung von Klischees aus der ganz untersten Schublade.

Anlass für die Pressemitteilung von Bonne Nouvelle war die Auslobung eines "CSR-Frühstücks" in Zusammenarbeit mit der IHK Bonn, wo, wie man aus der sehr knappen Pressemitteilung erfahren darf, sich CSR-Experten in die "Karten schauen lassen."

Man ahnt schon, hier wird CSR mehr mit der Idee "Kartenspiel" konnotiert und zum Thema "Frühstück" hat schon Klaus Wowereit in einem Interview mit den Glocalist Medien zum Thema Nachhaltigkeit gemeint: "Nachhaltigkeit ist, wenn man nicht die Chancen künftiger Generationen verfrühstückt." Also, die verwendeten Bilder der Agentur Bonne Nouvelle passen nicht so recht, aber kann man bisher noch durchgehen lassen.

Inakzeptabel wird es, wenn auf Grund einer sexistisch anmutenden Argumentation und unter Verwendung eines kruden Biologismus, "Blonde Frauen" als Dispositiv für Dummheit wieder mal herhalten müssen.

Hier kann man nichts von den Grundwerten, die die Nachhaltigkeit ausmachen, erkennen und ist sprachlich fest im gestrigen Denken verankert. Man fühlt sich auf Orte verwiesen, wo man sich schenkelklopfend Witze über "Blondinen" und Frauen gerne erzählt.

So kann man in der Pressemitteilung lesen: "Die Geschäftsführerin der auf CSR-spezialisierten Agentur (Simone Stein-Lücke, Anm.) führt weiter aus: `Mehr als 80 CSR-Begeisterte können nicht irren. Es ist wichtig alle zu überzeugen, dass Verantwortung in die Strategie und Wertschöpfungskette gehört und keine ‚Blonde-Frauen-Disziplin‘ ist.`"

Verantwortung hat eben und vor allem damit zu tun, keine diskriminierenden Sprachbilder zu verwenden und die Sachverhalte klar zu benennen. Diskriminierung und Verantwortung stehen diametral gegenüber. Wer Klischees weiter bedient, erhält eben diese mit am Leben. "Frau+Blond= Dumm" ist ein solches diskriminierendes inakzeptables Klischee bzw. Gleichung und hat im Diskurs über Nachhaltigkeit keinen Platz. Sprachdiskriminierung ist ein NO GO.

Zunehmend beschleicht einem auch die ungute Ahnung, wann die nächste Agentur mit antisemitischen Tönen daher kommt, wenn über die "Gier" geschrieben wird. Hier schimmern zunehmend Anleihen aus der NS-Propaganda durch.

Auftraggeber in Sachen Nachhaltigkeit und CSR sollten daher auch größere Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Kommunikationsagenturen an den Tag legen oder zumindest ernsthafte Beraterinnen und Berater hinzuziehen. In Sachen Nachhaltigkeit gilt es, rasch wieder Niveau herzustellen. Hier scheinen mehr und mehr Agenturen überfordert zu sein und die alleinige Ansiedlung des Themas Nachhaltigkeit in den Werbe- und PR-Abteilungen von Unternehmen, muss einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.






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