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Das große Schweigen


Berlin (14.6.10): Die Welt steht in ihrer schwersten Krise seit dem 2. Weltkrieg und die so genannte Nachhaltigkeitsszene schweigt. Von Christian Neugebauer
Wir sehen aktuell die schwerste Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg, ganze Staaten stehen vor der Pleite, Klimaschutzabkommen scheitern in Serie, die Spaltung sowohl national wie global in Reich und Arm wird tiefer, Banken werden für ihre Spekulationen gerettet und der Bürger darf dafür bezahlen mit Sparpakten und höheren Steuern, die Politik befindet sich in einer tiefgreifenden Legitimationskrise und der Euro taumelt. Die USA steht am Golf von Mexico vor der wohl größten Umweltkatastrophe ihrer Geschichte, die Ausdruck und Resultat einer ölabhängigen Wirtschaft ist. Obama hat hier die Zeichen der Zeit klar erkannt und nutzt nun die Chance, eine Wende in der Energiepolitik Richtung Nachhaltigkeit herbeizuführen.

Der Bürger zeigt sich extrem unzufrieden und politisches Leadership schaut anders aus. Es fehlt an Mut und Innovationen in den Entscheideretagen der Politik. Auf der anderen Seite ist Nachhaltigkeit als Thema in der Mitte angekommen und niemand bestreitet ernsthaft die Notwendigkeit zur Wende zur Nachhaltigkeit: Erneuerbare Energie, Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Demokratie und Menschenrechte.

Verwunderlich und erstaunlich ist aber das Schweigen der so genannten „etablierten“ Nachhaltigkeitsszene. Die meist selbsterklärten führenden Köpfe, Verbände, Plattformen, Räte wie Medien schweigen. Vor der Krise wurden Sollensdekrete, Manifeste und Erklärungen am laufenden Band, meist ungefragt und andere vereinnahmend hinausposaunt, aber immerhin, große Fragen wurden versucht zu beantworten. Zu alles und jedem wurde eine Einlassung abgegeben und gerne „Interventionen“ gesetzt. Jetzt macht man nur ein großes Schweigen aus. Fragt man offensiv nach, ducken sich die Großsprecher weg und murmeln was von zeitlicher Überforderung.

Mit den brennenden Themen der Zeit scheint man sich nicht mehr auseinandersetzen und auch keine Position mehr beziehen zu wollen. Man hat den Eindruck von einem Gang in den Elfenbeinturm der selbstgestrickten institutionellen Zusammenhänge. Die vormaligen Vordenker der Nachhaltigkeitsszene scheinen mehr mit sich selber und mit Intrigen gegeneinander beschäftigt zu sein, glaubt man den verschiedenen informellen Gerüchten und Berichten, die da so durch die Gegend wabbern.

Vielleicht ist aber auch die Zeit vorbei, wo ein paar ältere Herren und Damen an reich gedeckten Mittagstischen in Bedeutung und Macht heischenden Rahmen posieren und in sterilen Konferenzen sich gepflegt in Verbalradikalismus üben und über Nachhaltigkeit plaudern und dabei einzig und alleine das nächste Sponsoring, die nächste Subvention fest im Blick haben. Das Gewand scheint durchsichtig geworden zu sein und die nie gekrönten Kaiser stehen nackt da. Insofern ist ihr Schweigen gut, denn es ist mehr als laut und beredsam. Unternehmen und Ministerien müssen dies halt noch verstehen und erkennen.


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