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Der nächste Mauerfall: Wende zur Nachhaltigkeit


Berlin (7.11.09): Eine Unruhe geht im Lande um. Bürger, die gestern die Mauer zu Fall gebracht haben, fragen sich wo Wandel und Hoffnung heute in Europa liegen? Unternehmen, die sich im Sinne der Nachhaltigkeit neu aufstellen wollen, suchen die Wertschöpfungsketten und Kapital. Von Christian Neugebauer

Es ist viel Kraft in den Lungen da, aber viel zu wenige Trompeten sind zur Hand, um die Mauer zu Fall zu bringen. Die gute Nachricht ist, die Trompeten werden gerade geschmiedet. Die Kraft in den Lungen sagt: Nachhaltigkeit will der jeweils nachfolgenden Generation eine bessere Welt übergeben, und die heutige nicht einfach verfrühstücken.

 

So verstanden ist Nachhaltigkeit ein Innovations- und Modernisierungsparadigma mit den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung auf Grundlage der Menschenrechte. Viele Wege, Methoden und Ansätze stehen zur Auswahl, die wie Finger einer Hand werden zusammenwirken müssen: CSR, cradle-to-cradle, Sustainable Business, Social Business oder öko-soziale Wirtschaft; sie alle weisen in dieselbe Richtung: Nachhaltigkeit als Machen von Wandel und Hoffnung.

 

Pow-wow Nachhaltigkeit

 

Die Führungsetagen aufgeklärter Konzerne haben die Notwendigkeit der Wende zur Nachhaltigkeit als die entscheidende Herausforderung begriffen. Es fehlen zwar hier und dort noch die richtigen Partner, Strategien und Projekte, aber hier wird sich der Nebel bald lichten.

 

Die Wende zur Nachhaltigkeit ist perspektivisch im Mainstream angekommen. Aber eben nur perspektivisch. So sicher wie ein Kind gehen lernt, so sicher wird die Nachhaltigkeit kommen. Aber Gehen ist nur durch mehrmaliges Fallen zu lernen. Die Frage ist, was braucht es jetzt, um die Wende zur Nachhaltigkeit zu realisieren, vom Fallen zügig in das Gehen und schließlich Sprinten zu kommen? Wo liegen die entscheidenden strategischen Felder?

 

Ohne Klein- und Mittelbetriebe wird man die Wende zur Nachhaltigkeit nicht realisieren können. Zahlreiche Betriebe des Mittelstandes sind zumindest nachhaltig orientiert, wenn auch das Machen noch etwas schwächelt. Sie werden aber meist alleine gelassen und wissen oft voneinander nicht. Ebenso der Bürger, denn ohne garantierte, einklagbare Menschrechte, ermöglichter Eigenverantwortung wie Souveränität wird man keinen mündigen Konsumenten erhoffen dürfen. Zahlreiche Bürger sind nachhaltig orientiert, sie werden aber alleine gelassen und wissen voneinander nicht. Beide wollen und werden dies ändern, denn die Unruhe ist da. Was es braucht sind viele Friedenspfeifen und Pow-wows auf Augenhöhe.

 

Vier Trompeten

 

1. Schaffung von mittelständischen Unternehmerverbänden der Innovation, der Nachhaltigkeit und des Social Business, die nicht ausschließlich Verbandsziele vor sich her tragen und Beratungsaufträge lukrieren wollen, sondern Wertschöpfungsketten der Nachhaltigkeit schließen und bei der Kapitalbeschaffung unterstützen.

2. Es braucht Think-Tanks der Nachhaltigkeit mit einer kritischen Größe. Diese Größe wird am ehesten über Netzwerkstrukturen geschaffen werden und ist gerade aktuell unterwegs. Auch hier wird es Vielfalt geben müssen.

3. Schaffung von Medien 3.0. der Nachhaltigkeit. Diese Medien werden die Geschichte der Nachhaltigkeit erzählen. Diese werden auf neuen Erlösmodellen basieren, anderen Journalismus betreiben und sich ihrer eigentlichen Geschäftsgrundlage besinnen: Aufklärung, Bildung und Wahrung der Menschenrechte. Geist ist geil, statt Quotenjagd, Gier und Geiz.

4. Schaffung eines Finanzplatzes der Nachhaltigkeit für Europa in Berlin, um die Vorhaben und den Umbau zur Nachhaltigkeit mit entsprechenden Mitteln, Finanzinstrumente, gesetzlichen Rahmenbedingungen und Know-how auszustatten. Es braucht ein Desertec für die Finanzbranche.

 

Die Kraft in den Lungen ist da, die Trompeten werden gerade geliefert, die nächste Mauer kann fallen.

 




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