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Die Studierenden haben auf jeden Fall gewonnen


Salzburg (10.11.09): Letzte Woche proklamierte Peter A. Bruck in der Furche, dass die Studierendenproteste mehr sind als die Forderung nach besserer Finanzierung der Universitäten. Sie seien zugleich Darstellung und Erwerb von Identität und Selbstbewusstsein einer ganzen Generation. Von Mag. Alexander Rehbogen, Aktivist der Plattform Unibrennt-Salzburg

Ich möchte diese Aussage als aktiv Partizipierender bestätigend reflektieren.

Völlig unabhängig von jedem Verhandlungsergebnis mit den öffentlichen Institutionen markiert der Protest einen Erfolg – und einen Bruch. Die Geschehnisse der vergangenen Tage und Wochen sind nicht eine einmalige Besetzung. Der Protest ist – obschon das eine oder andere der weniger seriösen Medien es in einem anderen Licht darzustellen versuchte – auf Party und Chaos zu reduzieren.

 

Ganz im Gegenteil müssen der hohe Organisationsgrad, der Einsatz jedes/r Einzelne/n bis zur Erschöpfung sowie die Konsequenz bei der Arbeit und die fast schon befremdliche Disziplin in den Plena sogar die kritischsten BeobachterInnen beeindrucken. Innerhalb weniger Tage hat sich auf einem basisdemokratischen Fundament – wie es sonst nur in der Theorie existiert – eine Bewegung herausgebildet, die es nicht nur infrastrukturell schafft die Besetzung über lange Zeit aufrecht zu erhalten, sondern auch zielorientiert, seriös und medienwirksam die Probleme in Bildung zu bearbeiten und auf den Punkt zu bringen.

 

Die Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext ist dabei ebenso Selbstverständlichkeit wie Toleranz gegenüber abweichenden Positionen und Gespür für den Ausgleich von Interessen.

Die Besetzungen haben sich zu einer Bewegung ausgewachsen, die über nationale Grenzen hinausgeht und eine völlig neue Dimension europäischer Solidarität schafft. Auch wenn jede einzelne Studierenden-Bewegung grassroot, dh aus der Basis, entstanden ist, teilt das mittlerweile dank neuer Medien gut verbundene europaweite Netzwerk die grundsätzliche Problemdefinition; „Education is not for SALE“.

 

Die für politische die Glaubwürdigkeit notwendigen konkreten Forderungen nach adäquater Finanzierung der Hochschulen sind nur die Spitze des Eisberges. Hinter dieser dünnen medial kommunizierbaren Fassade verbirgt sich das Aufbrechen fundamentaler Gesellschaftskritik. Die Ökonomisierung, dh die Unterwerfung unter die Prinzipien der Wirtschaft, bedroht fortschreitend eine immer größere Zahl von Lebensbereichen. Mit dem neuen Verständnis von Bildung, wie es sich nach der hier gültigen Interpretation des Bologna-Prozesses darstellt, greifen die ökonomischen Prinzipien immer stärker auf die Bildung über – und stoßen anscheinend erstmals auf eine Barriere.

 

Spätestens seit Beginn der Wirtschaftskrise setzt sich auch in der öffentlichen Meinung das Bewusstsein durch, dass Wirtschaft nicht ohne Makel und keineswegs die einzige Dimension gesellschaftlichen Wohlergehens (oft mit Wohlstand verwechselt) sein darf und belehrt Fukuyama („The End of History“) eines besseren. Mit den Studierenden und Ihrer Bewegung hat sich dieses schon vergessen geglaubt kritische Potenzial einer Gesellschaft formiert. Die Studierendenproteste sind Symbol dafür, dass die Vision einer besseren Gesellschaft auch in der Postmoderne noch existiert – nicht nur in Österreich, sondern in einem geeinten Europa.

 




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