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FairWorldFonds: Verantwortung übernehmen


Bochum (29.3.10): Eine nachhaltige Geldanlage und verantwortungsvolles Investieren gewinnt für viele Anleger an Bedeutung. Von Thomas Jorberg, Vorstandssprecher GLS Bank
Sie möchten mit entscheiden, in welche Länder, Unternehmen oder Projekte ihr Geld investiert wird, und möchten sicherstellen, dass ihre Geldanlage nachhaltig wirkt.

Denn Geld ist ein Gestaltungsmittel der Gesellschaft. Geld anlegen bedeutet immer, Gesellschaft zu gestalten, national wie international. Jede Geldanlage – ob auf einem Festgeldkonto oder beim Kauf von Aktien und Fondsanteilen – hat realwirtschaftliche Auswirkungen.

Das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten und das Verhalten ihrer Akteure beeinflussen in erheblichem Maße das Leben der Menschen und unsere Umwelt. Unverantwortliches Handeln bringt Nachteile für Millionen von Menschen. Die Finanzmarktkrise hat offen gelegt, dass die Verfolgung eines einzigen Ziels – einer höchst möglichen Rendite, unabhängig davon, wie und von wem diese erwirtschaftet wurde – zur Überschreitung von moralischen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Grenzen geführt hat. Erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft waren die Folge, die gerade auch Schwellen- und Entwicklungsländer und damit die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen weltweit stark getroffen haben.

Es gilt, auf den Finanzmärkten Verantwortung für die sozialen, ökologischen und ökonomischen Konsequenzen von Investitionen auf Industrie- ebenso wie auf Schwellen- und Entwicklungsländer zu übernehmen. Bedacht und sinnvoll eingesetztes Geld vermag eine große Hebelwirkung für eine positive Gestaltung der Gesellschaft zu entfalten. Vor diesem Hintergrund hat die GLS Bank gemeinsam mit „Brot für die Welt“ sowie ihren Partnern aus dem genossenschaftlichen Verbund – Union Investment und KD-Bank – einen Fonds aufgelegt, der neben sozialen und ökologischen erstmals auch entwicklungspolitische Kriterien berücksichtigt. „Brot für die Welt“ entwickelte zusammen mit dem SÜDWIND-Institut für Ökonomie und Ökumene den Kriterienkatalog.

Der Leitgedanke bei dessen Entwicklung war, vorhandene Kriterien des ethischen Investments aufzunehmen und um bisher nicht oder wenig beachtete Kriterien mit entwicklungspolitischer Bedeutung zu ergänzen. Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bezeichnen die zentralen Leitwerte als Grundlage der Investitionsentscheidungen und bilden die Basis für das Anlageuniversum des FairWorldFonds. Zusammen mit unseren Partnern haben wir diese erstmals operationalisiert.

Auf Grundlage der verabschiedeten Kriterien trifft eine unabhängige und auf Nachhaltigkeit spezialisierte Gesellschaft die Vorauswahl des Anlageuniversums. Durch einen von „Brot für die Welt“ eingesetzten Ausschuss mit Entwicklungsexperten aus der ganzen Welt werden die Kriterien kontinuierlich weiterentwickelt und deren Einhaltung begleitet. Ihm sitzt die langjährige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, vor.

Positivkriterien sorgen dafür, dass solche Unternehmen oder Staaten in den FairWorldFonds aufgenommen werden, die sich beispielsweise erfolgreich für eine nachhaltige Entwicklung, für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen.
Strenge Negativkriterien stellen sicher, dass beispielsweise Staaten, die systematische Menschenrechtsverletzungen zu verantworten haben, oder Unternehmen, die Rüstungsgüter herstellen oder gegen die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO verstoßen, grundsätzlich ausgeschlossen sind. Zu den Ausschlusskriterien zählen außerdem Pornografie, Kinderarbeit, systematische Korruption sowie die Erzeugung und der Vertrieb von gentechnisch verändertem Saatgut. Hinzu kommen Verhaltensregeln für den Kapitalmarkt: Ausgeschlossen sind Devisenspekulationen, der Einsatz von Derivaten zu Spekulationszwecken sowie Investitionen in Unternehmen mit Ursprung in Steueroasen.

Der FairWorldFonds nutzt den großen Einfluss der internationalen Finanzmärkte im positiven Sinne. Er gibt Impulse für eine entwicklungspolitisch fundierte Weiterentwicklung von nachhaltig orientierten Investmentfonds und schafft darüber hinaus ein Bewusstsein für die realwirtschaftlichen Auswirkungen von Investitionen, die sich in der Finanzmarktkrise gerade auch auf die Wirtschaft von Entwicklungsländern massiv ausgewirkt hat und noch immer auswirkt.


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