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Helmut Röscheisen, Deutscher Naturschutzring (DNR)

 

Greenwashing – Stark im Kommen


Bonn (8.1.10): Für den dramatischen Klimawandel sind viele Unternehmen verantwortlich, die sich jetzt als grüne Vorreiter hinstellen. Von Helmut Röscheisen, Generalsekretär Deutscher Naturschutzring (DNR) - Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände
Banken, die mit grünen Fonds werben, haben sich in den letzten Jahren als die Herren der Welt aufgespielt und mit ihrem Diktat zur möglichst kurzfristigen Steigerung der Gewinne die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht.

Wenn jetzt Energiekonzerne wie RWE oder E.on so tun, als wollten sie die Welt vor einem Klimakollaps bewahren, gehen viele Umweltschützer an die Decke Bei den meisten können die Umwelt- und Naturschutzverbände nur sagen: Ausgerechnet die! Die Brandstifter haben Feuerwehruniformen angezogen, aber auch die Streichhölzer noch in den Taschen. Greenwashing ist noch lange kein Klimaschutz.“

Statt Klimaschutz gehe es vielen Unternehmen häufig nur um neue lukrative Geschäftsfelder. Sie wollten an den ökologischen Märkten teilhaben, aber die alten Felder nicht räumen. Die großen Energiekonzerne würden gerne von den erneuerbaren Energien profitieren, machen aber gleichzeitig dicke Gewinne mit der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Damit wird aber die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien verhindert, weil sich Investitionen in erneuerbare Energien nicht mehr in vollem Umfange rechnen.

Ähnliches gilt für die Autohersteller. Da steigt BMW aus dem Formel 1 Autorennen aus mit dem Hinweis, sich zukünftig stärker auf Nachhaltigkeit und neue Antriebe zu konzentrieren. Wenn der Konzern sein Engagement tatsächlich ernst meint, darf er aber in absehbarer Zeit keine Spritschlucker mehr herstellen. Mit einem BMW-Geländewagen zum Bio-Supermarkt zu fahren, ist ein Widerspruch in sich.

Viel zu oft wird die angebliche grüne Strategie von Unternehmen an die Verantwortlichen für Corporate Social Responsibility (CSR) übertragen. Mit dem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht ist dann meistens der Sache Genüge getan. So klingen Formulierungen im Beschluss des Nationalen CSR-Forums vom April 2009, die als Empfehlung an die Bundesregierung gegangen sind, ganz nett, dürften aber in ihren Auswirkungen bescheiden bleiben:

„Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen über gesetzliche Anforderungen hinaus. CSR steht für eine nachhaltige Unternehmensführung im Kerngeschäft, die in der Geschäftsstrategie des Unternehmens verankert ist.CSR ist freiwillig, aber nicht beliebig.
Unternehmen nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr, indem sie insbesondere:

- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fair behandeln, fördern und beteiligen
- Mit natürlichen Ressourcen schonend und effizient umgehen,
- Darauf achten, in der Wertschöpfungskette – in ihrem Einflussbereich – sozial und ökologisch verantwortungsvoll zu produzieren,
- Menschrechte und die ILO-Kernarbeitsnormen wahren und einen Beitrag leisten, sie international durchzusetzen,
- einen positiven Beitrag für das Gemeinwesen leisten,
- verstärkt in Bildung investieren,
- kulturelle Vielfalt und Toleranz innerhalb des Betriebes fördern,
- für eine fairen Wettbewerb eintreten,
- Maßnahmen zur Korruptionsprävention fördern,
- Transparenz hinsichtlich ihrer Unternehmensführung herstellen,
- Verbraucherrechte und Verbraucherinteressen achten.

Eine nachhaltige Entwicklung ist gerade angesichts von Wirtschafts- und Finanzkrisen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und stellt Anforderungen an das Verhalten aller gesellschaftlicher Gruppen. Vor diesem Hintergrund ist CSR als ein wesentlicher Beitrag der Unternehmen zu einer nachhaltigen Entwicklung in den Handlungsfeldern Markt, Umwelt, Arbeitsplatz und Gemeinwesen zu verstehen. Die Unternehmen beziehen interne und externe Stakeholder in die strategische Ausrichtung ihrer vielfältigen CSR-Aktivitäten mit ein. Dies sind z.B. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Interessenvertretung, Nichtregierungsorganisationen, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie staatliche Institutionen.“

Es ist bezeichnend, dass gesetzliche Regelungen zur CSR von der Wirtschaft massiv abgelehnt werden.

Vielmehr muss sich eine ökologische und soziale Verantwortung muss sich aber auf allen Ebenen von Wirtschaftsunternehmen ausdrücken. Dazu zählt zuallererst die Schaffung von Transparenz. Die Zuliefererkette muss offengelegt und die Steuerehrlichkeit nach den tatsächlichen Steuerzahlungen in verschiedenen Ländern aufgeschlüsselt werden, ebenso, wie die Einhaltung der ILO-Konvention, der Internationalen Arbeitsorganisation und zwar auch über die Kernkonventionen hinaus. Zu klären ist, welchen realen Betrag das Unternehmen zur Armutsbekämpfung leistet und wie es mit Mindestlöhnen umgeht.

Das zentrale Grundproblem bleibt aber nach wie vor außen vor und wird meistens als Tabubereich angesehen. Wirtschaftswachstum und Gewinnstreben verschlingen Ressourcen, belasten die Umwelt und führen regelmäßig zu weiterem Konsum. Es ist offensichtlich, dass hier ein immer weiter so nicht zukunftsfähig ist.

Dies zeigt schon ein Blick auf das Wachstum der Weltbevölkerung und den Anspruch vieler Entwicklungsländer auf eine nachholende wirtschaftliche Entwicklung. Der Deutsche Naturschutzring (DNR) wird sich in diesem Jahr intensiv mit der Frage Wirtschaftswachstum auseinandersetzen und Alternativen zum bisherigen alleinigen Maßstab Steigerung des Bruttosozialproduktes entwickeln.


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