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Hurrah, ich bin Anti-Globalisierungs-Star


Berlin (9.3.09): Über die drohende grüne Spekulationsblase, Trittbrettfahrer und die Notwendigkeit der Kooperation. Von Christian Neugebauer
Die Krise der Wirtschaft und des Staates sind evident und zahlreiche Kongresse und mehr finden statt. Sie bieten leider und noch wenig Antworten zu konkreten Alternativen, sehr viele Befunde – was gut ist – aber und noch mehr Starallüren, was schlecht ist.

Ein jeder – und es sind vornehmlich Männer, darum erspare ich mir hier das Gendern - rauft sich darum, wer denn nun der größte Anti-Globalisierungs-Star ist und recht böse Intrigen laufen da im Hintergrund ab. Verbunden ist dies mit einer Anbiedern an die so genannten Mainstream-Medien, die man bisher durchaus treffend und richtig kritisiert hat. All diese Medienkritik ist auf einmal vergessen und man muss ein recht ungustiöses Anbiedern ausmachen. Da sind keine Häuptlinge unterwegs, sondern Radfahrer: Nach oben buckeln, nach unten treten.


Die Mainstream-Medien machen da gerne mit und man kann ihnen auch keinen Vorwurf machen, denn es ist ihr Geschäft. Bei vielen der neuen Stars ist das Interesse klar, denn sie leben vorrangig von Schreibarbeit oder Beratung, weisen aber sonst wenig demokratische Legitimation und nur ein schwaches inhaltliches Fundament auf.

Diese substanzlosen Stars sind nur möglich, weil die Gründer- und Stiftungsfiguren unorganisiert in ihrem Leuchtturm-Dasein verharren. Es besteht auch nicht die unerhebliche Gefahr einer grünen Spekulationsblase, die der Gesamtvision Nachhaltigkeit großen Schaden zufügen kann, denn die Trittbrettfahrer - wie große Unternehmensberatungen - pumpen sich gerade mit smarten Powerpoint-Präsentationen auf.

Dringend notwendig ist es daher, dass sich die Gründer- und Stiftungsfiguren nachhaltiger Unternehmen und NGOs zusammenfinden und ihre wechselseitigen Kränkungen überwinden und sich an einen Tisch setzen. Denn noch nie war die Chance so groß, dass man eine Wende hin zu Nachhaltigkeit und Menschenrechte schaffen könnte, Mittel und Ressourcen scheinen vorhanden, nur werden diese der besser organisierten Lobby der Bedenkenträger und Status-quo Bewahrer kampflos überlassen. Ihr Vorteil: Trotz aller innerer Zwistigkeiten und Rivalitäten sind diese Kräfte sehr gut organisiert und flüstern gerade erfolgreich den Regierungen sehr viel Angst ein, präsentieren sich erfolgreich als die einzige Lösungsinstanz – nachdem sie eigentlich das Schlamassel verursacht haben - und sind gerade dabei, einen Großteil der Mittel zu ihrem Vorteil zu lukrieren.

Die Welt verändert sich und die Kräfte der Nachhaltigkeit sehen sich bestätigt in ihrer jahrzehntelangen Arbeit und Kritik. Doch auch die Kräfte der Nachhaltigkeit müssen sich jetzt verändern, denn die Bestätigung ihres Befundes und ihrer bisher einzelkämpferischen Arbeit sind heute zuwenig. Das Mantra der Nachhaltigkeit von Vernetzung und Herstellung von win-win Situationen muss jetzt realisiert werden. Wenn nicht, werden die Trittbrettfahrer und Anti-Globalisierungs-Stars reüssieren.


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