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Investoren und Nachhaltigkeit


Berlin (12.4.10): Mehr und mehr Investoren – sei es als Privatpersonen, Business Angels, Venture Capitalists oder staatlich geförderte Investmentbanken – wenden sich nachhaltigen Unternehmen bzw. Start-ups der Nachhaltigkeit zu, ja entdecken diese richtig. Von Christian Neugebauer
Dies stellt ohne Zweifel eine positive Entwicklung und ein Signal in die richtige Richtung dar.

Doch es ist gerade mal nur die halbe Miete. Denn einige der Investoren sind selber noch in alten Geschäftsmodellen und Usancen verhaftet. Fragt man diese Investoren nach ihrer eigenen Nachhaltigkeit, sieht man bestenfalls perplexe Überraschung, meist jedoch völliges Unverständnis in den Augen.

Forsch verlangt man umfängliche Businesspläne und weitreichende schriftliche Verbindlichkeiten, umgekehrt ist der Investor kaum bereit, auch nur einen einigermaßen vernünftigen und verbindlichen NDA oder LOI abzugeben. Nicht selten steht man unklaren Fondskonstruktionen, meist mit „Sitz“ in Luxemburg, oder undurchsichtigen AG-Konstruktionen, die Internationalität simulieren, gegenüber. Einher geht damit eine seltsame Wortakrobatik, die oft jegliche Grammatik vermissen lässt, aber große Wendungen führt. Schließlich führt man „Netzwerke“ von Banken, Politik und Investorengruppen auslobend an, ohne jemals zu erfahren, um welche Banken, welche Politiker oder Investorengruppen es sich handelt. Es beschleicht einem da oft das Gefühl, sich in einem Wunderland der Nebelkerzen zu befinden. Denn wenn die Netzwerke seriös und belastungsfähig sind, dann sollten eigentlich entsprechende Vereinbarungen bestehen, so dass man die Player dieser Netzwerke auch benennen kann mit Name und Adresse. So beschleicht einen doch die Vermutung, dass diese „Netzwerke“ erst ins Leben kommen, wenn ein aussichtsreicher Businesscase vorliegt, der eine zweistellige Rendite verspricht.

Fragt man nach den eigenen Kriterien der Nachhaltigkeit und ihrer Anwendung auf das eigene Geschäftsmodell, Transparenz der eigenen Gebarung, den bisherigen gesellschaftlichen und ökologischen Engagement oder nach der Vorlage des eigenen Nachhaltigkeitsberichts, ist man endgültig an die Grenze des Verständnisses gestoßen. Die Hinterfragung schließlich von zweistelligen Renditenforderungen gleicht dann einem Sakrileg. Zweistellige Renditen und Nachhaltigkeit schließen sich aber aus, um dies sehr klar zu verorten.

Kurz, ein Investor ist nicht nachhaltig, wenn er nur in nachhaltige Unternehmen investiert, aber nach den alten Regeln spielt, sondern er muss auch selber nachhaltig sein; seine Nachhaltigkeit unter Beweis stellen. Und hier liegt dann auch die Chance, wenn Investoren beginnen zu lernen, von den Unternehmen der Nachhaltigkeit zu lernen. Diese Investoren werden perspektivisch gewinnen und tatsächlich erfolgreich sein.


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