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Donnerstag, 2. September 2010 - Eine andere Information ist möglich!
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Klaus Kofler über die Nachhaltigkeitsszene

 

Kaiser, König, Bettelmann


Lindau (18.9.09): Über die Frage, wer denn in Sachen Nachhaltigkeit etwas sagen sollte? Sind Sie Kaiser? Oder sind Sie Bettelmann? Was wären Sie gerne und wie hängt das damit zusammen, was Sie sein wollen? Sein wollen oder haben wollen? Von Klaus Kofler, Trend- und Zukunftsforscher.
Ich beobachte seit langem intensive Bemühungen des Habenwollens: Große Mengen selbsternannter Spezialisten oder gar Protagonisten proklamieren das Thema Nachhaltigkeit für sich. Nur … wer macht sie dazu? Welche Maßstäbe gelten, wer ein Nachhaltigkeitsspezialist werden will? Dieser Frage möchte ich im Folgenden ein wenig nachgehen.

Welche Veranstaltung hätten Sie gerne?

Mir fällt unsere momentane Dichte an nachhaltigen Veranstaltungen auf. Die gibt es buchstäblich wie Sand am Meer. Alles dreht sich um das Thema Nachhaltigkeit, jeder bietet das Thema an und ebenso viele kennen sich scheinbar aus. Ich erlebe diese Entwicklung als eine Art déjà-vu mit starken Parallelen zu den Entwicklungen rund um den Begriff „Innovation“. Das liegt zwar schon gut 10 bis 15 Jahre zurück, aber man weiß ja, dass sich Dinge von Zeit zu Zeit wiederholen.

Solchen Parallelen gibt es beispielsweise in punkto Inhalte und anfassbaren Ergebnissen: Es wird heute und wurde damals zwar viel gesprochen und diskutiert, letztlich aber wenig Handfestes und wirklich Revolutionäres vorgestellt. So wurden und werden heute wie damals viele Veranstaltungen eigenartiger Weise von (selbsternannten) Experten angeboten, die scheinbar die Themen besetzen, ohne dass sie auch wirklich etwas Neues und Gewinnbringendes in der Sache von sich geben konnten und können. Von dem dringend erforderlichen neuen Denken … keine Spur! Und das war damals in Sachen Innovation genauso wie heute im Bereich Nachhaltigkeit.

Eine Stufe über den Experten stehen die Protagonisten – und auch davon gibt es reichlich. Solche, die meist sehr subjektiv ohne nachhaltiges Verständnis und Weitblick jeden, der sie und ihre Thesen sachdienlich hinterfragt, ja teils nur versucht zu verstehen, fast schon bekämpfen. Nur, gerade neue und wichtige Entwicklungen dürfen nichts mit persönlichem Egoismus zu tun haben.

Hier sind Offenheit und Verständnis gefragt, wenn es denn mit der Nachhaltigkeit gelingen soll. Und vielen ist auch nicht aufgefallen, dass das das Thema und das Wort an sich verpflichtet: Verpflichtet zu einem nachhaltigen und fairen Miteinander, das von Respekt und Interesse geprägt sein sollte. So frage ich persönlich – wenn auch kritisch – nach, suche den Dialog und versuche zu verstehen. Wandel und Veränderung kann man eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger verordnen. Das Zauberwort lautet hier wohl eher Bewusstseinsveränderung!

Fazit

Jeder möge sich selbst und seine Organisation kritisch in seinem und deren nachhaltigen Ansinnen und Tun hinterfragen. Wenn die Bereiche der inneren Philosophie und Überzeugung, alle Geschäftsprozesse sowie die Kultur im nachhaltigen Gleichklang stehen und alle Beteiligten ein und denselben Weg erkannt haben und gehen, dann können wir über eine nachhaltige Organisation sprechen.

Solche nachhaltigen Organisationen und auch Individuen gehen offen und respektvoll mit anderen um. Um anderen eine Chance zu geben, sich in Richtung der Nachhaltigkeit auszurichten, braucht es vor allem einen konstruktiven und fairen Dialog – und Vorbilder. Was uns in dieser Entwicklung bevorsteht, ist eine kollektive Veränderung unseres Wirtschaftssystems, die nicht von einzelnen individuellen Gruppierungen oder aufgrund unterschiedlicher Denkweisen vorab als gut oder schlecht beurteilt werden darf. Denn genau genommen geht es nämlich in dieser Thematik um unsere Zukunftsfähigkeit.

Nachhaltigkeit wird nicht dadurch definiert, was einzelne Experten oder Protagonisten meinen oder äußern. Nachhaltigkeit ist eine Frage von Kultur, und inwieweit WIR bereit sind, uns auf einen offenen Dialog einzulassen. Für diese Kultur braucht es nicht noch mehr Individualität, sondern wieder etwas mehr Kollektivität – mehr WIR. Und dieses WIR kann nicht verordnet oder befohlen werden, sondern ist nur gemeinsam zu definieren – ohne Kaiser, Könige oder Bettelmänner.


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