Anzeige
Donnerstag, 9. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!
KOMMENTARE

Was in Kopenhagen nicht auf der Agenda stand


Kopenhagen (18.12.09): Großereignisse wie die Klimakonferenz in Kopenhagen haben die Eigenschaft, alle Beteiligten derart in ihren Bann zu ziehen, dass sie leicht betriebsblind werden. Sprich, alles, was nicht im Konferenzzentrum verhandelt wird, existiert für den Moment nicht. Das ist verständlich. Von Markus Steigenberger, Leiter EU-Koordination und Internationales, Deutscher Naturschutzring.
Aber es ist hilfreich, sich ab und zu vor Augen zu führen, was in Kopenhagen eigentlich alles nicht auf der Agenda steht beziehungsweise stand. Und das ist eine ganze Menge.

Landwirtschaft und Verkehr

So fehlt zum Beispiel das Thema Landwirtschaft. Dabei zeigt sich immer klarer, dass dem Agrarsektor ein gewichtiger Teil der Treibhausgasemissionen zugerechnet werden muss. Das World Watch Institute hat vor kurzem sogar ausgerechnet, dass allein die Tierhaltung für 51 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Dazu kommen weitere Landwirtschafts-Emissionen wie etwa diejenigen, die bei der Nutzung aus den Böden entweichen. Der Vorsitzende des UN-Klimarates IPCC Rajendra Pachauri schlug daher vor, doch täglich einen Tag fleischlos zu essen. Für den Inder Pachauri ist das nichts Besonderes. Und der Vegarierbund hatte noch ganz andere Vorschläge parat...

Ein weiterer Sektor, über den man reden könnte, ist der Verkehr. Auch dieser hat einen großen Anteil an den Gesamtemissionen und spielt in den Verhandlungen keine Rolle, vom Luft- und Schiffsverkehr einmal abgesehen.

CO2-Steuer

Wie schwierig es ist, einmal eingeschlagene Wege zu verlassen, zeigt sich bei der Wahl der Instrumente. Nachdem die Staaten sich spätestens mit dem Kyoto-Protokoll 1997 darauf geeinigt hatten, den Emissionshandel mit einem "Cap-and-trade"-Ansatz als Grundpfeiler für die Reduktion der Treibhausgase zu verankern, war für alternative Mechanismen kein Platz mehr. Dabei waren in den Jahren vor 1997 durchaus auch andere Instrumente in der Diskussion - etwa eine einheitliche globale Abgabe auf CO2-Emissionen. Solche Abgaben kennen wir mittlerweile aus vielen Industriestaaten. Im Unterschied zum Emissionshandel ist das ein sehr einfaches Instrument, das deutlich weniger Schlupflöcher zulässt.

Geburtenkontrolle?

Es gibt allerdings auch Themen, die man lieber nicht auf der Agenda sehen möchte. Eine britische Organisation hat jüngst vorgeschlagen, die Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern in die Klimaverhandlungen einzubeziehen. Jedes Kind, das eine Frau in Afrika, Asien oder Lateinamerika nicht bekommt, sei ja schließlich ein Beitrag zum Klimaschutz. Zudem könnten sich Industriestaaten, so der Vorschlag, die Lieferung von Abtreibungsmitteln als CDM-Projekt anrechnen lassen und sich damit von eigenen Emissionsreduktionen befreien.

Klimagerechtigkeit

Von der Absurdität dieses Vorschlags einmal abgesehen, wirft er eine wichtige Frage auf, nämlich wie viel an Emissionen jedem Menschen auf der Erde eigentlich zusteht, wenn wir global in einem klimaverträglichen Rahmen bleiben wollen. Dabei müsste man allerdings zunächst über die derzeitigen Pro-Kopf-Emissionen reden. Und dann steht nicht mehr die Frage der wachsenden Bevölkerung in Entwicklungsländern im Mittelpunkt, sondern der Konsum in den Industriestaaten. Denn die jährlichen Pro-Kopf-Emissionen sehen ungefähr so aus:

- USA: 19 Tonnen CO2
- Deutschland: ca. 10 Tonnen
- China: 4 Tonnen
- Indien: 1 Tonne

Der globale Durchschnitt liegt irgendwo bei vier Tonnen. Und damit wären wir beim Thema Klimagerechtigkeit. Das Wort steht sogar ganz oben auf der Agenda in Kopenhagen. Doch die Konzepte, die diskutiert werden, lassen an dem Gerechtigkeitsverständnis mancher Unterhändler zweifeln. Dabei wäre es eigentlich ganz einfach: Jeder Mensch hat das Recht, dieselbe Menge CO2 auszustoßen. So simpel, so revolutionär.

<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>Vom Greenwashing zur Green-PR zur CSR
>Vereinigte Diktatoren der Welt
>Die Rede - Niemals vergessen
>Österreich zeigt heute seine zwei Gesichter
>Ungarn verabschiedet sich von Europa
>Europas Politiker alleine zu Hause
>Propädeutisches zum Begriff Nachhaltigkeit
>Grünes Fliegen und so
>Verfassungsschutz finanziert rechten Terror
>Jahresrückblick: Lückenbüßer von Staats wegen
>Jetzt muss Schluss sein bei der S-Bahn
>"Neue Rechte" und Utopia
>Ende vom Euro: Und was heißt das?
>Es war nicht „das Trio“ allein
>Wir brauchen ein nachhaltiges Europa
>Stuttgart 21
>Berliner Republik: Alte Hetzer werden neue Retter
>Die Krise ist eine Krise mangelnder Nachhaltigkeit
>Pannen-, Pech- und Pleitendienst
>Ergebnisse des Krisengipfels unbefriedigend!
>Schwarz-Gelb bremst Ausbau der Erneuerbaren Energien
>EU-Kommission will Rating verbieten
>Und wieder ein Upps: Ratingagentur S&P
>„Schreckgespenst“ Energiewende?
>Nur mehr Betrug? Wo sind die Staatsanwälte?!
>Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Marktradikalismus mit Plüsch
>Banken auf Schadenersatz klagen
>Finanzkrise: EU will Pressefreiheit und mehr abschaffen
>Die nächste Luftnummer
>Poltik und Banken: Gröbster Populismus
>Warum 15M!
>Wird Europa China? Bürgerrechte&Marktwirtschaft abgeschafft
>Unglaublich, sie tun es schon wieder!
>Griechenland und die Systemfrage
>Weltwirtschaftskrise: Muss nicht sein
>Antisemitismus in Österreich - Horst-Wessel-Lied im ORF
>Antisemitismus in Österreich: Die Geschichte geht weiter
>Volker Weber zu Sozial- und Umweltrenditen
>700 Milliarden für Bankster&Politik, 600 Euro für Rentner
>Stoppt die Entmündigung der Demokratie!
>Finanzbranche regulieren? Nein: Bürger, ermächtige Dich!
>Sozialminister Hundstorfer unterstützt Ethnic Profiling
>E-Interview: Kretschmer zu Kommunikation&Nachhaltigkeit
>Geschäftsmodell Schnorren
>Rechtspopulismus: Ziehväter des Rechtsextremismus
>E-Interview: Sylke Schröder (EthikBank)
>Ökodiktatur?
>Medien, Mittelstand und nachhaltiges Wirtschaften
>Nachhaltige Unternehmen müssen nachhaltig werden
>Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesundheitskultur
Anzeige


Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"