Europa hat in der jüngeren Vergangenheit schon einmal eine Implosion von scheinbar unverrückbaren und als ewig geltenden Strukturen mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa erlebt. Eine Implosion des Euros ist von daher nicht denkunmöglich und auch nicht unwahrscheinlich. Schon rüsten Hedgefonds für eine Spekulationsoffensive gegen den Euro und zwar indirekt mit jenem Geld, welches europäische Staaten in die Rettung des Bankensektors gepumpt haben. Denn hätten die europäischen Regierungen nicht den Finanzsektor gerettet, dann würde es heute auch keine Hedgefonds mehr geben. So hat man die Waffen gereicht, mit welchen man nun geschlagen wird.
Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Finanzsektor nichts aus der Krise gelernt hat. Warum aber auch? Die Politik hat ihn aus der Patsche gehauen, ohne strukturelle Änderungen vorzunehmen bzw. einzufordern. Dass man nun ein business as usual sieht, darf daher nicht weiter verwundern, denn es wurde nichts an der Struktur verändert noch Auflagen gesetzt.
Man hätte eben beispielsweise die Rettung an die Bedingung knüpfen können, dass der Finanzsektor das geschenkte Geld massiv in den Ausbau von Nachhaltigkeit und Unternehmen der Nachhaltigkeit investiert. Hat man aber nicht. Man hätte eine neue Finanzordnung etablieren bzw. auf den Weg bringen können, wo Nachhaltigkeit als oberstes Prinzip verankert wird. Hat man aber nicht.
Die griechische Krise und die noch ausstehenden in Spanien, Portugal, Italien und Großbritannien weisen daher dasselbe Strickmuster der Panik auf. Man sitzt in der Falle, die man sich selber gebaut hat.
Die Reaktionen sowohl in Brüssel, Berlin und Athen sind die grundsätzlich falschen und erzeugen daher auch die entsprechenden Verwerfungen und Unlösbarkeiten, denn die Struktur ist an ihr Ende gelangt. Das Problem ist nicht mehr innerhalb der gesetzten Strukturen lösbar: Entweder geht Griechenland pleite und in den Staatsbankrott oder die Eurozone bricht ihre eigenen Grundsätze, was gleichfalls zur Implosion der Struktur führen wird. Auch die Vorschläge nun endlich eine Bankensteuer und die Transaktionssteuer einzuführen, sind als kosmetische Maßnahmen, die nur innerhalb der bestehenden Struktur einen Sinn machen, aber damit eben keinen, weil diese Struktur an ihr Ende gelangt ist, zu begreifen.
Die Schuldenprobleme sind nur ganzheitlich zu lösen und nicht alleine durch einseitig gesetzte finanzpolitische Maßnahmen zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger Europas. Diese wehren sich zu Recht. Doch Bekundungen des Zorns und populistische Forderungen werden hier nicht helfen und nehmen aktuell auch bedenkliche Ausformungen an: Aufruf zu Boykotten bis hin zu dummen und unrichtigen Vorwürfen eines „Finanznazitums“ Deutschlands. Solche schrille nationalistische Töne und Emotionalisierungen verstellen den Blick, sind grundlegend falsch und hetzen die falschen „Gegner“ aufeinander. Die Konsequenz aus dieser falschen Aufstellung ist eben Zorn und Wut.
Europa hat aber in dieser Krise die einmalige Chance, eine tiefgreifende Transformation hin zu Modernisierung und Innovation zu realisieren. Einmal schon hat Europa diese Chance genutzt und eine friedliche Transformation aus dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa geschafft. Dieser Zusammenbruch hätte auch ganz anders ausgehen können, dessen sollte man sich heute bewusst sein.
Auf der Agenda der anstehenden Modernisierung Europas steht die Wende zur Nachhaltigkeit. Sie ist die positive und mögliche Vision, hat aber noch kein konkretes Land, keine konkrete Struktur und Existenz. Dies ist auch der markante Unterschied zur Wende vor mehr als 20 Jahren. Aber man hat die Erfahrung und das positive Beispiel einer grundlegenden Transformation, aus welchen man lernen kann.
Diese neue Wende lässt sich eben nur auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit realisieren und in diesem Ansatz liegt auch die Lösungsstrategie für die aktuelle Finanzkrise, wo „man“ wieder mal so tut, als gäbe es keinen anderen, dritten Weg.
Dieses „man“ ist eine zunehmend kleiner werdende Gruppe innerhalb des Establishments, welche kräftig den Taktstock ihres Panikorchesters schwingt. Aber man kann in der europäischen Elite zunehmend ein positives Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit verorten.
Es braucht daher eine neue europäische Strategie der Nachhaltigkeit. Europäische Unternehmen sollten jetzt derartige Transformationsprozesse, die bürgerschaftlich oder gar nicht sein werden, massiver unterstützen, Förderung eines neuen, nachhaltigen Unternehmertums, mehr Transparenz bei NGOs und NPOs bis hin zur Schaffung eines Finanzplatzes der Nachhaltigkeit in Europa.
Man stelle sich vor, man hätte die rund 1,5 Billionen Euro zur Rettung des Finanzsektors aufgewendet für die Förderung und Schaffung von nachhaltigen Unternehmen bzw. für den Umbau bestehender Unternehmer in Richtung Nachhaltigkeit.
Nach dem Strickmuster des European Recovery Fonds (Marshall-Plan) hätte man einen European Sustainability Fonds einrichten können als ein mögliches Instrument zur Etablierung eines Finanzplatzes der Nachhaltigkeit in Europa. Jener Ansatz hat schon einmal in Europa funktioniert, ist bekannt und machbar. Man hätte durch einen European Sustainabilty Fonds ein neues Wirtschaftswunder schaffen können. Hat man nicht, aber noch ist Zeit dafür.
Unternehmen und Zivilgesellschaft könnten so etwas schaffen, denn die Krise bietet eben auch Chance, Wirtschaft und Zivilgesellschaft unter der gemeinsamen Anstrengung für eine Transformation hin zu Nachhaltigkeit zu versöhnen. Kurz: Europa kann mit einem Blick in die jüngere Vergangenheit – Marshall-Plan und die Wende - die heutige Herausforderung meistern. Eine Ausgangslage, die zuversichtlich stimmt.
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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