Das Geschäftsfeld von Rating Agenturen ist ein bequemes: Sie geben bezahlter Weise eine Meinung ab, die als objektiv vom Auftraggeber ausgelobt wird, damit dieser selbst aus der Verantwortung genommen wird. Die Zeche, wenn es schief geht, zahlen dann die Bürger. So gesehen und erlebt während der Bankenkrise und so gesehen und erlebt jetzt während der Griechenlandkrise.
Und das Beste: Es handelt sich eigentlich um ein Oligopol - Standard & Poor's, Moody's und Fitch - und wie man als Demokrat weiss, ist ein Meinungsmonopol nie gut. Eine vierte europäische Agentur hinzuzufügen ändert daran nichts. Es würde weder das Geschäftsmodell verändern noch das Oligopol aufbrechen; bestenfalls wird es um einen Player erweitert. Das kann man sich gleich sparen.
Die Rating Agenturen haben schon während der Bankenkrise fulminant daneben gehaut, indem sie vergifteten Papieren Topbonität bestätigt haben. Es steht zu mutmaßen, dass dies sich nun ebenso bei Griechenland & Co ähnlich verhalten könnte. Nur, den Schaden, den tragen andere und nicht die Rating Agenturen. Man muss ich auch fragen, wozu brauchen wir hochbezahlte Manager, die alleine auf Grund von Meinungsäußerungen von Rating Agenturen entscheiden? Dafür braucht man kein Management.
Und dies muss auch jene Rating Agenturen betreffen, die sich da gerade im Umfeld der nachhaltigen und grünen Geldanlage tummeln. Auch hier sieht es bei manchen Agenturen mit der Transparenz nicht so gut aus und manch gefühlte Unvereinbarkeit läßt sich wohl verorten.
Bundeskanzlerin Merkel hat gemeint, die Spekulanten gehören gestoppt und sie führen einen Kampf gegen die Politik. Und sie seien obendrein perfid: Denn zuerst machen sie Schulden, die Staaten hauen sie raus, indem sie Schulden machen, um sie zu retten, und dann wird eben gegen diese Schulden spekuliert. Gut, kann man so sehen und muss man wohl, früher wäre man bei so einer Meinungsäußerung zwar gleich als mindestens linker Verschwörungs-Etatist durch die Meinungsgasse konservativer Medien geprügelt worden, aber Zeiten und Einsichten ändern sich manchmal. Ein erster guter Schritt dazu: Rating Agenturen verbieten.
Dies meint, jeder kann eine Rating Agenturen betreiben, wenn es ihm freut und Glück verspricht, aber niemand darf seine Entscheidungen darauf künftig bauen und Geld dafür nehmen dürfen. Eine private Meinungsäußerung halt eben. Nicht mehr und nicht weniger. Die Ansicht von UNCTAD-Chefvolkswirt Heiner Flassbeck, wonach Rating Agenturen, und zwar alle, abgeschafft gehören, stellt sich so als sinnvoll und wünschenswert dar.
Wenn man aber meint, man brauche ganz dringend ein Rating und es mit einer derartig hohen Relevanz ausgestattet sehen will, sprich das Rating entscheidet über Millionen von Leben, Unternehmen, Volkswirtschaften und mehr, dann gehört dies in die Hand demokratisch kontrollierter und legitimierter Instanzen, die ohne Gewinnabsicht nach transparenten Kriterien raten. Als Konstruktion bietet sich eine gemeinnützige Stiftung an, die sowohl staats- wie marktfern sich positioniert. Gemeinnützige Rating Agenturen; warum nicht? Die Gemeinnützigkeit müßte halt härter und genauer bestimmt werden, denn was aktuell alles als gemeinnützig durchgeht, ist oft nicht mehr als gut verschleierte Gewinnmaximierung.
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Freitag, 10. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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