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Christian Neugebauer, Glocalist Medien

 

Wahlen und NGOs in der Krise?


Berlin (6.10.09): Die Wahlen haben nicht nur die Parteien auf Grund der niedrigen Wahlbeteiligung und die SPD auf Grund ihres historischen Wahldebakels angeknackst, sondern auch Strukturschwächen der NGOs neuerlich offen gelegt. Von Christian Neugebauer.
In einem bemerkenswerten Interview im kommenden E-Journal Glocalist Review konstatiert Thilo Bode die Verkrustung und die Beamtenmentalität in größeren NGOs. Viele der angeblichen NGOs sind kaum mehr als solche zu bezeichnen auf Grund ihres Nahverhältnisses zu Parteien und Staat. Kirchliche und gewerkschaftliche Organisationen seien hier mal außen vor, denn sie sind keine NGOs.

Auch am letzten Socialcamp in Berlin, dem wohl wichtigsten Vernetzungstreffen von Web 2.0. und NGOs in Deutschland, war auf den Gängen viel an Unmut und Kritik an den bürokratischen Strukturen von NGOs zu hören. Da geht es nun weniger um eine Generationenfrage, Ablöse von Alt durch Jung, denn genug Junge sind mehr als stromlinienförmig genug, dass die Strukturen bleiben wie sind, sondern um neues Denken, neues Handeln und Besinnung auf „Walk the Talk“.

Einer der Teilnehmer des Socialcamp hat dies auch sehr pointiert zum Ausdruck gebracht, indem er nach die Nachhaltigkeitsberichte von NGOs beispielsweise gefragt hat. Und Transparency International arbeitet gerade an Kriterien für Transparenz und mehr Demokratie innerhalb von NGOs.

In einem Editorial thematisierte die Informations- und Kampagnenplattform „Wir Klimaretter“ den Ausgang der Wahlen in Deutschland als Ausdruck der Mobilisierungsschwäche der Umweltschutzorganisationen. Denn es kam ein Kabinett an die macht, dass von Atomausstieg nichts wissen will. Also, das genaue Gegenteil von dem, was die großen Umweltschutzorganisationen in den letzten Wochen vor der Wahl propagiert hatten.

Wie die SPD werden NGOs ihre Ziele, Strategien, Strukturen und Annahmen überprüfen müssen, denn die Probleme beider sind näher zueinander und ähnlicher als sich mancher Protagonist in der NGO-Szene es sich wünschen oder träumen mag. Dabei geht es weniger um einen aufgesetzten Jugendkult und dem Irrglauben, ein paar Junge an der Spitze würde es schon richten. Nein, es geht um transparente Strukturen, Selbstverständnisse und Inhalte. Diese Diskussion steht auch den NGOs bevor. Angestrengtes Wegschauen wird da nix nützen.


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