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Was in Kopenhagen nicht auf der Agenda stand


Kopenhagen (18.12.09): Großereignisse wie die Klimakonferenz in Kopenhagen haben die Eigenschaft, alle Beteiligten derart in ihren Bann zu ziehen, dass sie leicht betriebsblind werden. Sprich, alles, was nicht im Konferenzzentrum verhandelt wird, existiert für den Moment nicht. Das ist verständlich. Von Markus Steigenberger, Leiter EU-Koordination und Internationales, Deutscher Naturschutzring.

Aber es ist hilfreich, sich ab und zu vor Augen zu führen, was in Kopenhagen eigentlich alles nicht auf der Agenda steht beziehungsweise stand. Und das ist eine ganze Menge.

 

Landwirtschaft und Verkehr

 

So fehlt zum Beispiel das Thema Landwirtschaft. Dabei zeigt sich immer klarer, dass dem Agrarsektor ein gewichtiger Teil der Treibhausgasemissionen zugerechnet werden muss. Das World Watch Institute hat vor kurzem sogar ausgerechnet, dass allein die Tierhaltung für 51 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Dazu kommen weitere Landwirtschafts-Emissionen wie etwa diejenigen, die bei der Nutzung aus den Böden entweichen. Der Vorsitzende des UN-Klimarates IPCC Rajendra Pachauri schlug daher vor, doch täglich einen Tag fleischlos zu essen. Für den Inder Pachauri ist das nichts Besonderes. Und der Vegarierbund hatte noch ganz andere Vorschläge parat...

 

Ein weiterer Sektor, über den man reden könnte, ist der Verkehr. Auch dieser hat einen großen Anteil an den Gesamtemissionen und spielt in den Verhandlungen keine Rolle, vom Luft- und Schiffsverkehr einmal abgesehen.

 

CO2-Steuer

 

Wie schwierig es ist, einmal eingeschlagene Wege zu verlassen, zeigt sich bei der Wahl der Instrumente. Nachdem die Staaten sich spätestens mit dem Kyoto-Protokoll 1997 darauf geeinigt hatten, den Emissionshandel mit einem "Cap-and-trade"-Ansatz als Grundpfeiler für die Reduktion der Treibhausgase zu verankern, war für alternative Mechanismen kein Platz mehr. Dabei waren in den Jahren vor 1997 durchaus auch andere Instrumente in der Diskussion - etwa eine einheitliche globale Abgabe auf CO2-Emissionen. Solche Abgaben kennen wir mittlerweile aus vielen Industriestaaten. Im Unterschied zum Emissionshandel ist das ein sehr einfaches Instrument, das deutlich weniger Schlupflöcher zulässt.

 

Geburtenkontrolle?

 

Es gibt allerdings auch Themen, die man lieber nicht auf der Agenda sehen möchte. Eine britische Organisation hat jüngst vorgeschlagen, die Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern in die Klimaverhandlungen einzubeziehen. Jedes Kind, das eine Frau in Afrika, Asien oder Lateinamerika nicht bekommt, sei ja schließlich ein Beitrag zum Klimaschutz. Zudem könnten sich Industriestaaten, so der Vorschlag, die Lieferung von Abtreibungsmitteln als CDM-Projekt anrechnen lassen und sich damit von eigenen Emissionsreduktionen befreien.

 

Klimagerechtigkeit

 

Von der Absurdität dieses Vorschlags einmal abgesehen, wirft er eine wichtige Frage auf, nämlich wie viel an Emissionen jedem Menschen auf der Erde eigentlich zusteht, wenn wir global in einem klimaverträglichen Rahmen bleiben wollen. Dabei müsste man allerdings zunächst über die derzeitigen Pro-Kopf-Emissionen reden. Und dann steht nicht mehr die Frage der wachsenden Bevölkerung in Entwicklungsländern im Mittelpunkt, sondern der Konsum in den Industriestaaten. Denn die jährlichen Pro-Kopf-Emissionen sehen ungefähr so aus:

 

- USA: 19 Tonnen CO2

- Deutschland: ca. 10 Tonnen

- China: 4 Tonnen

- Indien: 1 Tonne

 

Der globale Durchschnitt liegt irgendwo bei vier Tonnen. Und damit wären wir beim Thema Klimagerechtigkeit. Das Wort steht sogar ganz oben auf der Agenda in Kopenhagen. Doch die Konzepte, die diskutiert werden, lassen an dem Gerechtigkeitsverständnis mancher Unterhändler zweifeln. Dabei wäre es eigentlich ganz einfach: Jeder Mensch hat das Recht, dieselbe Menge CO2 auszustoßen. So simpel, so revolutionär.




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