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Wir freuen uns


Berlin (17.2.11): "Wir freuen uns", der meist geschriebene Satz in Pressemitteilungen. Von Christian Neugebauer
Ein Satz, der mehr als nur zu einer ärgerlichen Floskel geworden ist. Der Satz "Wir freuen uns" offenbart eine Geringschätzung von Medien, denn sie werden einfach nur für blöde gehalten.

Ein Seminar für einen vierstelligen Betrag wird ausgelobt, man freut sich, wenn man darüber, aber bitte mit Link zum Anmeldungsformular, berichtet, redaktionell versteht sich, und gerne unter Verwendung der beigefügten Pressemitteilung: Man freut sich, erfährt man.

Ein kostenloses Inserat für eine Konferenz, gleich beigefügt, man freut sich, wenn kostenfrei geschalten. Eine Veranstaltung durchfinanziert von der Öffentlichen Hand, nebbich. Ein neues Produkt, meist Mode oder Geldanlage, ja, man freut sich. Ganz dreiste Agenturen schreiben schließlich, dass sie sich freuen, "gemeinsam" den Beitrag zu realisieren. Von redaktioneller Unabhängigkeit wohl noch nix vernommen, kann man da nur sagen. Schon das Ansinnen ist jenseitig.

Ganz zu schweigen von den zahlreichen "Angeboten" für unbare Medienkooperationen. Das Logo des Mediums irgendwo hinverramscht auf einer Website, Flyer darf man auf den Katzentisch auflegen und großzügig, großzügig, man erhaltet eine Freikarte. Aber dafür bitte mindestens zwei redaktionelle Beiträge, Interview und komplette Bildstrecke, Banner, dass die Schwarte kracht und Inserate, klar, mindestens 3x. Dafür ein "Wir freuen uns".

Ich habe die Probe auf das Exempel gemacht und nachgefragt, wie sich die Freude denn so ausdrückt und welches Medienverständnis man annehmen darf, wenn Medien vorrangig zur Schaffung von Freude von PR-Agenturen und PR-Verantwortlichen dienen dürfen?

Die Reaktionen waren erwartungsgemäß ernüchternd: Gleich Null. Nicht mal eine Antwort. Wie schon vermutet, war das Angebot der Freude, ein leeres und unernst gemeintes Angebot und soll nur der Camouflage dienen, an-sich gewerbliche Inhalte kostenfrei unterzubringen.

Macht man doch die "Freude", dann könnte man zumindest ein pro-aktives Danke erwarten. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass dem nicht so ist. In neun von zehn Fällen kommt keine Reaktion.

Macht man dem unbekannten "Wir" nicht die Freude, dann hat man mutmaßlich das Gegenteil von Freude geschaffen. Im Fachjargon nennt man dies den Versuch einer emotionalen Erpressung.

Wie auch immer man es je nach Tageslaune nehmen mag, ob als Ärgernis oder Realsatire, es verbleibt ein leerer Nachgeschmack. Und das ist gewiss keine Freude.


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