Der 24. Juli wird man in der Geschichte Europas wohl markieren müssen, um nachkommende Prozesse zu verstehen: Der Zustrom an Menschen am 24. Juli in Berlin, der schon mit 15.00 Uhr einsetzte, war mit hohen, sehr hohen Erwartungen verknüpft, die teilweise erfüllt wurden wie auch die nachfolgende und bis jetzt anhaltende Begeisterung beweist.
Man spürte den Wunsch nach einem Wink, einen Hinweis, um die eigene, die drängende Frage zu beantworten: Wo ist Hoffnung und Wandel in Europa, wer vermag sie auszudrücken? Denn die europäische Politik kann dies schon lange nicht mehr. Die erstarrte politische Funktionärskaste stand nackt da und sie weiß es. Es dürfte auch Obama bewusst geworden sein, denn gegenüber seinen üblichen Usancen ließ er die gewohnten Sprechchöre „Yes, you can“ erst gar nicht wirklich aufkommen. Diese hätten zu viel aufgewühlt, da wären Emotionen hochgefahren, die kaum mehr zum Stoppen gewesen wären. Da hätte sich etwas in Bewegung setzen können, was nicht in diesem Moment abgeholt hätte werden können; unkalkulierbar, elementar.
Es ging daher nur oberflächlich betrachtet, um eine Wahlkampfrede – auch wenn Obama sich bemühte zu betonen, dass er als Bürger dieser Welt sprach – und es ging auch nur oberflächlich betrachtet um die Verortung des transatlantischen Verhältnisses; all dies kann und hat auch die Menschen nicht bewegt. Ebenso wenig hat die inhaltlichen Positionierungen bewegt oder außergewöhnlich neues gebracht.
Kein Zweifel bestand auch weder bevor noch danach über das Kalkül von Obama: Tolle Bilder aus Europa, die außenpolitische Kompetenz signalisieren aber auch die rund 60 Millionen deutschstämmigen US-BürgerInnen ansprechen soll. Kurz, sein Auftritt entzog sich der üblichen politikwissenschaftlichen Analyse und Kalkül, da es sich eigentlich um ein soziales, tief politisches Phänomen handelte, welches sehr viel mehr mit uns als mit Obama zu tun hat: Das Objekt will wieder Subjekt werden.
Zwischen den Fugen und sehr unterschwellig ist etwas geschehen, hat etwas Resonanz gefunden, für das Obama eigentlich nur Katalysator darstellt, aber durch seinen Auftritt ein Beben in Europa angestoßen hat, dessen Resultate man erst in naher Zukunft wird ausmachen können. Und Berlin wird hier zentraler Dreh- und Angelpunkt darstellen. Nach dieser Rede Obamas ist die Politik in Europa mit den Füssen abgestimmt worden, durchgefallen und wird so nicht mehr weiter machen können.
Politiker Europas jeglichen Colours müssen sich fragen, was eigentlich geschehen ist, dass ein Politiker aus einem fernen Land in einer fremden Sprache derart bewegt. Man muss sich die Frage stellen, wann Politik in Europa mit demokratiepolitisch einwandfreien Inhalten (Abrüstung, Frieden, Nachhaltigkeit, Freiheit) derart bewegt und die Herzen berührt hat? Die Antwort darauf ist der Grund: Es geht um eine demokratische Erneuerung Europas. Dies und nichts weniger brachte Obama zum Schwingen:„ This city, of all cities, knows the dream of freedom.” Und an diesem Traum hat Obama uns alle wieder erinnert; da war doch was!
Link zur Berlin Rede (Video) >> my.barackobama.com/page/community/post/obamaroadblog/gGxyd4
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Freitag, 10. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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