Die EU-Kommission hat das Jahr 2011 zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ erklärt. Um das freiwillige Engagement der BürgerInnen zu befördern, sollen 2011 ganze sechs Mio. Euro u. a. in eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für jene Tätigkeiten investiert werden, die im deutschsprachigen Raum lange Zeit unter dem Namen „ehrenamtliche Arbeit“ geführt wurden. Der Kommission zufolge ist das in diesem Bereich schlummernde Potenzial nämlich „noch lange nicht ausgeschöpft“.
Allerdings ist der Bereich ehrenamtlicher Arbeit jenseits aller Glücksversprechen von asymmetrischen Machtverhältnissen durchzogen, wie auch aus dem vor kurzem publizierten 1. Bericht zum Freiwilligen Engagement in Österreich hervor geht.
Dass freiwilliges Engagement v. a. in Krisenzeiten häufig in Dienst genommen wird, um Einsparungen in Bereichen wie Kultur, Bildung und Soziales zu kompensieren, macht Gisela Notz in ihrem einleitenden Beitrag zum Schwerpunkt der vorliegenden Kulturrisse-Ausgabe deutlich.
Magdalena Freudenschuß geht in ihrem auf das Feld gesellschaftspolitisch orientierter NGOs fokussierenden Artikel der Frage nach, inwiefern das Ehrenamt im Kontext einer durch Prekarisierung gekennzeichneten, neoliberalen Arbeitswelt überhaupt noch dazu in der Lage ist, eine (herrschafts-)kritische Funktion zu erfüllen.
Anders der Ausgangspunkt des Beitrags von Gabriele Michalitsch, die gerade angesichts der aktuellen Krise für die Entwicklung einer auf die Professionalisierung ehrenamtlicher Arbeit abzielenden Strategie plädiert, die durch eine Aufstockung öffentlicher Mittel für zivilgesellschaftliche Initiativen zu realisieren wäre.
Einzubetten ist eine solche Strategie, wie Michalitsch betont, in eine allgemeine Umverteilung gesellschaftlich nützlicher Arbeit. Das unterstreicht auch Werner Titelbach in seinem Beitrag, der in einer solchen Umverteilung einen integralen Bestandteil einer umfassenden Demokratisierung von Arbeit in Hinblick auf das Ziel eines selbstbestimmten Tätigseins sieht. Einen anders gelagerten Perspektivenwechsel auf die Frage ehrenamtlicher im Sinne politischer Arbeit im Kontext der autonomen Frauenbewegung schlägt Birge Krondorfer in ihrem Artikel vor. U. a. auf Grund gegenwärtiger Ökonomisierungstendenzen gilt es ihr zufolge nämlich, gerade auf die Unbezahltheit und Unbezahlbarkeit dieses – im ökonomischen Sinn – zweckfreien und unproduktiven Tätigseins zu beharren.
Anhand einer aktuellen Neuerscheinung zum Thema des freiwilligen Engagements von MigrantInnen nimmt schließlich Fanny Müller-Uri in ihrem Beitrag die Frage unter die Lupe, was es mit den damit verbundenen „Integrations“-Versprechungen auf sich hat.
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