Anzeige
Samstag, 20. März 2010 - Eine andere Information ist möglich!
KULTUR

Arbeiten für die Ehre: Ehrenamt erodiert die Arbeitswelt


Wien (30.10.09): Die neue Ausgabe der Zeitschrift "Kulturrisse" (Nr. 3/09) der IG Kultur (Österreich) packt ein heißes Eisen an: Die ehrenamtliche Arbeit für NGOs als Teil des Ausbeutungssystems und Zementierung von Prekariaten, d.h. schlecht bezahlten Jobs.

Die EU-Kommission hat das Jahr 2011 zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ erklärt. Um das freiwillige Engagement der BürgerInnen zu befördern, sollen 2011 ganze sechs Mio. Euro u. a. in eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für jene Tätigkeiten investiert werden, die im deutschsprachigen Raum lange Zeit unter dem Namen „ehrenamtliche Arbeit“ geführt wurden. Der Kommission zufolge ist das in diesem Bereich schlummernde Potenzial nämlich „noch lange nicht ausgeschöpft“.

 

Allerdings ist der Bereich ehrenamtlicher Arbeit jenseits aller Glücksversprechen von asymmetrischen Machtverhältnissen durchzogen, wie auch aus dem vor kurzem publizierten 1. Bericht zum Freiwilligen Engagement in Österreich hervor geht.

 

Dass freiwilliges Engagement v. a. in Krisenzeiten häufig in Dienst genommen wird, um Einsparungen in Bereichen wie Kultur, Bildung und Soziales zu kompensieren, macht Gisela Notz in ihrem einleitenden Beitrag zum Schwerpunkt der vorliegenden Kulturrisse-Ausgabe deutlich.

 

Magdalena Freudenschuß geht in ihrem auf das Feld gesellschaftspolitisch orientierter NGOs fokussierenden Artikel der Frage nach, inwiefern das Ehrenamt im Kontext einer durch Prekarisierung gekennzeichneten, neoliberalen Arbeitswelt überhaupt noch dazu in der Lage ist, eine (herrschafts-)kritische Funktion zu erfüllen.

 

Anders der Ausgangspunkt des Beitrags von Gabriele Michalitsch, die gerade angesichts der aktuellen Krise für die Entwicklung einer auf die Professionalisierung ehrenamtlicher Arbeit abzielenden Strategie plädiert, die durch eine Aufstockung öffentlicher Mittel für zivilgesellschaftliche Initiativen zu realisieren wäre.

 

Einzubetten ist eine solche Strategie, wie Michalitsch betont, in eine allgemeine Umverteilung gesellschaftlich nützlicher Arbeit. Das unterstreicht auch Werner Titelbach in seinem Beitrag, der in einer solchen Umverteilung einen integralen Bestandteil einer umfassenden Demokratisierung von Arbeit in Hinblick auf das Ziel eines selbstbestimmten Tätigseins sieht. Einen anders gelagerten Perspektivenwechsel auf die Frage ehrenamtlicher im Sinne politischer Arbeit im Kontext der autonomen Frauenbewegung schlägt Birge Krondorfer in ihrem Artikel vor. U. a. auf Grund gegenwärtiger Ökonomisierungstendenzen gilt es ihr zufolge nämlich, gerade auf die Unbezahltheit und Unbezahlbarkeit dieses – im ökonomischen Sinn – zweckfreien und unproduktiven Tätigseins zu beharren.

 

Anhand einer aktuellen Neuerscheinung zum Thema des freiwilligen Engagements von MigrantInnen nimmt schließlich Fanny Müller-Uri in ihrem Beitrag die Frage unter die Lupe, was es mit den damit verbundenen „Integrations“-Versprechungen auf sich hat.

 

In folgenden Buchhandlungen erhältlich:

 

Wien: a.punkt, Anna Jeller, Leporello, Lhotzky, Phil, Prachner (MQ), Winter

Linz: Lentos Shop

Berlin: b_books, pro qm




<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>VIENNAFAIR 2010 mit Schwerpunkt Kunst und Film
>OSCAR an Dokufilm "Die Bucht"
>Film: Unsere Ozeane
>Rapper unterstützen ROBIN WOOD
>amnesty-Filmpreis vergeben
>Film: Plastic Planet
>Tagung: Biopolitik, Bioökonomie und Biopoetik
>Design aus Sperrmüll für schönes Wohnen
>Filmstart: Jagdzeit - Film zum Walschutz
>Kurzfilme zum Klimawandel
>UNESCO: Weißbuch "Kulturelle Vielfalt"
>UNICEF-Foto des Jahres
>GLS Bank Vorstand Jorberg erhält future-Award 2009
>Charity: BAP versteigert Gitarre für guten Zweck
>Life-Performance für den Klimaschutz
>NRW zeichnet Schulprojekte der Nachhaltigkeit aus
>econsense Journalistenpreis für Nachhaltigkeit
>Bildungsprojekte für Nachhaltigkeit ausgezeichnet
>Über-Leben im Kongo
>Balzan Preis für Kultur und Wissenschaft 2009
>Erstes ökologisch produziertes Musikvideo der Welt
>2. Filmfestival der Menschenrechte
>Climate for Culture
>Interview Michael Moore zu seinem neuen Film
>Kurzfilm zu Klimawandel: Die Rechnung
>Menschliches Domino zum Mauerfall
>Arbeiten für die Ehre: Ehrenamt erodiert die Arbeitswelt
>Poesie des Widerstandes und Tanz des Windes
>Installation: Klimaflüchtlinge
>Tanzprojekt gegen Barrieren: „Grenz_los“ – Mauern überwinden
>Buchtipp: Geschichte des Konsums
>Kunsterziehung in Europa sehr unterschiedlich
>Ausstellung Miniaturbücher
>Eine Welt mit Bundespräsident Köhler
>CNN / YouTube laden zum Klimawandel-Filmwettbewerb
>Fotowettbewerb zum Thema Heimat
>Ökodesign Messe in Köln
>Was Deutsche für Buch&Zeitschriften ausgeben
>Postkartenwettbewerb zu Grüner IT
>Film: Die Reise der Schildkröte Tortuga
>Die Nacht im Museum - sie wird wieder lang. 3.10. in Wien
>World Press Photo 09 ab 30.10 wieder in Wien
>Prekäre Wissenschaft - Startveranstaltung zur Vernetzung
>Fatal Promises
>EU fördert 40 Projekte der int. Filmzusammenarbeit mit 5 Mio
>Relaunch Onlinemagazin changeX
>Film: Dumm gelaufen - Age of Stupid
>Popkomm abgesagt - die Basis organisiert sich selbst
>Film "Sturm" von Amnesty ausgezeichnet
>Filmtage zum Recht auf Nahrung:
Anzeige