Die dramatischen Ereignisse in Japan werfen Schlaglichter auf Fragen, die uns spätestens seit Tschernobyl bedrängen: Was tun? Welcher Widerstand kann wo was bewirken? Der NFFA ehrt und stellt Menschen vor, die uns Wege aus der atomaren Sackgasse weisen.
Der Nuclear-Free Future Award geht 2011 an folgende Personen:
In der Kategorie WIDERSTAND ehren wir die russischen Aktivistinnen Nadezhda Lvovna Kutepova und Natalia Manzurova. Beide gehören zur Organisation „Planeta Nadezhd“ (Planet der Hoffnung), die in einer verstrahlten, vergessenen Region, anderthalb tausend Kilometer südlich von Moskau, arbeitet. Hier erkranken seit einem atomaren Unfall in einer Atomwaffenfabrik (1957) die Menschen an Leukämie-, Lymphdrüsen- und anderen Krebsarten. Majak heißt nach ihrer Zentralstadt jene Region – die von russischer Regierungsseite im Wortsinne totgeschwiegen wird.
In der Kategorie AUFKLÄRUNG teilen sich den Preis die beiden ZDF-Journalistinnen Barbara Dickmann und Angelica Fell. Beide haben sich dadurch auszeichnet, dass sie am Thema Atomenergie seit Jahrzehnten hartnäckig „dran bleiben“ (wie es im Journalismus heißt, aber nur selten befolgt wird), auch wenn die Medienaufmerksamkeit gerade anderen Themen gilt. Vorbildlich war ihre Berichterstattung über die Leukämiehäufung am KKW Krümel.
In der Kategorie LÖSUNGEN wird der Physiker Hans Grassmann geehrt, der die hohen Sphären der Physik (er war Mitarbeiter des Nobelpreisträgers Carlo Rubbia in CERN; am Fermilab in Chicago entdeckte er das Top-Quark) verlassen hat, um einfache Lösungen für unseren Energiebedarf zu suchen. Sein Modell der Linearspiegel findet derzeit großes Interesse in China. Hans Grassmann lehrt an der Universität von Udine in Italien.
Den Ehrenpreis für LEBENSWERK teilen sich der österreichische Aktivist Heinz Stockinger und die australische Ärztin Helen Caldicott.
Heinz Stockinger zählt zum Kern der österreichischen Anti-Atom-Bewegung und war in den siebziger-achtziger Jahren eine der Frontfiguren im erfolgreichen Widerstand gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf und – grenzüberschreitend – gegen die WAA Wackersdorf.
Helen Caldicott hat als Ärztin während des Kalten Kriegs ihren Platz in der internationalen Anti-Atom-Bewegung eingenommen. Sie war 1971 Mitinitiatorin der australischen Proteste gegen französische Kernwaffentests im Pazifik. Sie war Mitbegründerin von Physicians for Social Responsibility, einer Vereinigung von über 20.000 Ärzten und Lehrstuhlinhabern mit dem Ziel, an ihren Universitäten über die Risiken der Nutzung von Kernenergie und Kernwaffen aufzuklären.




