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ÖKOLOGIE

 

2050: Wirtschaftsfaktor Biodiversität – 2-6 Billionen $


Brüssel (14.7.10): Ein neuer EU-Bericht belegt den Wirtschaftsfaktor Biodiversität. Er beleuchtet Win-Win-Maßnahmen, gibt Maßnahmenempfehlungen und schätzt das Marktpotential für 2050 auf eine Größenordnung von 2 bis 6 Billionen US-Dollar.
Fast ein Viertel der Pflanzenarten ist Schätzungen zufolge vom Aussterben bedroht. Die Populationsgröße von Wirbeltieren hat zwischen 1970 und 2006 durchschnittlich um fast ein Drittel abgenommen. Das sind Fakten des UN-Berichtes vom Mai dieses Jahres ( bit.ly/cFDB7o bit.ly/dydA5N ). Dass der Mensch sich durch diesen Verlust langfristig das eigene Wasser abgräbt ist bekannt. In einem neuen von der Europäischen Kommission finanzierten Bericht wird hervorgehoben, wie wichtig es ist, die biologische Vielfalt weltweit in die Unternehmenspläne und Kerntätigkeiten der Privatwirtschaft einzubeziehen und verweist das in letzter Zeit verzeichnete beträchtliche Wachstum bei ökozertifizierten Produkten und Dienstleistungen und schätzt den Markt 2050 auf 2 bis 6 Billionen US-Dollar ein.

Wesentliche Vorschläge für Unternehmen

Es werden sieben wesentliche Empfehlungen an die Unternehmen formuliert, und Wirtschaftsprüfer und Einrichtungen für Finanzberichterstattung werden aufgefordert, gemeinsame Normen für die Bewertung von Auswirkungen auf die Biodiversität und neue diesbezügliche Tools zu entwickeln.
„TEEB for business“ empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, die es den Unternehmen ermöglichen sollen, die von ihnen ausgehenden Biodiversitätsrisiken zu minimieren und die von Ökosystemdienstleistungen gebotenen Unternehmens­chancen zu nutzen:

1. Ermittlung der Auswirkungen und Abhängigkeiten des Unternehmens auf/von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen;

2. Bewertung der mit diesen Auswirkungen und Abhängigkeiten verbundenen Unternehmensrisiken und –chancen;

3. Entwicklung von Informationssystemen über Biodiversität und Ökosystem­dienstleistungen, Aufstellung von SMART-Zielen, Messung und Bewertung der Leistung, Berichterstattung über die Resultate;

4. Maßnahmen zur Vermeidung, Minimierung und Abmilderung von Risiken für Biodiversität und Ökosysteme, einschließlich (ggf.) Sachleistungen;

5. Nutzung der von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen gebotenen neuen Unternehmenschancen, z. B. Kosteneffizienz, neue Produkte, neue Märkte;

6. Einbeziehung der Unternehmensstrategie und –maßnahmen im Bereich Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in umfassendere Unternehmens­initiativen im Rahmen der sozialen Verantwortung;

7. Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und Interessenvertretern von Staat, Nichtregierungsorganisationen und Zivilgesellschaft zwecks Verbesserung von Orientierung und Strategien im Bereich Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen.

Biodiversität ist gut fürs Geschäft

Im Bericht wird festgestellt, dass sich immer mehr Unternehmen, obwohl die Mehrzahl von ihnen das Thema Biodiversität in ihren Berichten weiterhin nur am Rande behandelt, der potenziellen Vorteile bewusst sind. Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen bieten allen Wirtschaftssektoren Chancen, und ihre Einbeziehung kann einen signifikanten Mehrwert schaffen, indem die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungsketten gewährleistet, neue Produkte entwickelt, neue Märkte geschaffen und erschlossen und neue Kunden angezogen werden.

Strategien zur Bewältigung der Risiken für Biodiversität und Ökosystemdienst leistungen können bei der Ermittlung neuer Unternehmenschancen helfen: z. B. Senkung der Input-Kosten durch verbesserte Ressourceneffizienz, Entwicklung und Vermarktung von umweltverträglichen Technologien, Konzipierung und Verwaltung von Projekten zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks und Bereitstellung von professionellen Dienstleistungen in den Bereichen Risikobewertung und -management/anpassung.

Nach Schätzungen von PricewaterhouseCoopers für „nachhaltigkeitsbezogene globale Unternehmenschancen im Bereich der natürlichen Ressourcen (einschließ lich Energie, Forstwirtschaft, Nahrungsmittel und Landwirtschaft, Wasser und Metalle)“ könnte bis 2050 mit einem potenziellen Markt in der Größenordnung von 2 bis 6 Billionen US-Dollar (zu konstanten Preisen von 2008) gerechnet werden. Etwa die Hälfte davon entfällt auf „zusätzliche Investitionen im Energiesektor zur Verringerung der CO2-Emissionen“. Die Märkte für Biodiversität und Ökosystem dienstleistungen sind, wie die von Forest Trends und Ecosystem Marketplace erhobenen Daten erkennen lassen, im Wachstum begriffen:

• Der Markt für zertifizierte Agrarerzeugnisse wurde im Jahr 2008 auf über 40 Milliarden US-Dollar geschätzt, dürfte bis 2020 auf bis zu 210 Milliarden anwachsen und könnte bis 2050 ein Volumen von 900 Milliarden erreichen.

• Die Zahlungen für wasserbezogene Ökosystemdienstleistungen und die Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten beliefen sich im Jahr 2008 auf lediglich 5 Milliarden US-Dollar, werden aber bis 2050 voraussichtlich auf über 30 Milliarden ansteigen.


Hintergrund

TEEB (Economics of Ecosystems and Biodiversity ‑ Ökonomie von Ökosystemen und biologischer Vielfalt) ist ein von der Europäischen Kommission und Ländern wie Deutschland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich finanziertes Projekt, das untersucht, welche wirtschaftlichen Gründe dafür sprechen, dass die Volkswirt schaften im Interesse der Konfliktbewältigung und einer intelligenteren Bewirtschaftung der Naturgüter bei politischen Umstellungsentscheidungen und Änderungen unterstützt werden sollten. TEEB wird vor der Tagung im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, die später im Jahr in Nagoya, Japan, stattfinden wird, einen zusammenfassenden Schlussbericht veröffentlichen.

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