Obwohl sich die Staatengemeinschaft darauf geeinigt hat, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 entscheidend zu vermindern, schrumpfen die natürlichen Lebensräume weiter rasant: Mangroven und Seegraswiesen beispielsweise haben in den vergangen 40 Jahren um 20 Prozent abgenommen und die Fläche der Korallenriffe um 40 Prozent. Der WWF warnt eindringlich davor, die Problematik zu unterschätzen.
Die von Menschen verursachte Aussterberate von Tieren und Pflanzen liege mindestens um das Hundertfache höher, als der natürliche Artenschwund sei. Verursacht werde der Artentod, so der WWF, von der ungebremsten Lebensraumzerstörung, dem Klimawandel und dem Raubbau an Wäldern und Ozeanen. "Die Politik hat versagt und ihre Ziele weder in Deutschland noch international erreicht", bemängelt Günter Mitlacher.
An Land zeugen abgeholzte Wälder, verdichtete Besiedlung, begradigte Flüsse und versiegelte Böden vom schädlichen Einfluss des Menschen. In den Ozeanen, dem grössten Ökosystem der Erde, sind die Eingriffe nicht minder dramatisch – nur weniger sichtbar. Die Ressourcen der Meere werden skrupellos geplündert, die Leben spendenden Wasserspeicher der Erde als Mülldeponien missbraucht.
Ein Lebensraum wird zerstört
Öl – wie aktuell im Golf von Mexiko –, Giftstoffe, Atommüll und riesige Plastikstrudel verseuchen das Meerwasser. Die Substanzen belasten die Organismen der Meerestiere, schwächen deren Immunsystem und vermindern die Fortpflanzungsfähigkeit.
Gefährlich ist auch der Lärm, der sich seit 60 Jahren in gewissen Gebieten alle zehn Jahre verdoppelt hat. Militärische Sonartests mit bis zu 240 Dezibel sind unter Wasser in einem Umkreis von 3000 Kilometern hör- und spürbar. Nach extremer Beschallung durch seismische Tests zur Ortung von Öl- und Gasvorkommen können Fischfänge um bis zu 80 Prozent einbrechen. Die Fische werden durch den Schall getötet oder aus angestammten Lebensräumen vertrieben. Wale und Delphine wiederum verlieren die Orientierung, stranden und verenden.
Grosse Raubfische sind so selten wie der Panda
Auch die Fischerei beschleunigt das Artensterben. Systematisch durchkämmt eine riesige Flotte industrieller Fangschiffe die Ozeane. Fischschwärme werden mit Radar geortet und mit allem, was um sie herum schwimmt, rücksichtslos abgeschöpft. Mehr als achtzig Prozent aller kommerziell genutzten Fischarten sind heute bis ans Limit befischt, überfischt oder erschöpft. Grosse Raubfische wie Kabeljau und Thunfisch drohen auszusterben und auch die Bestände kleinerer Räuber wie Makrele oder Hering sind stark reduziert. Grund genug, die Fangmengen zu begrenzen, sollte man meinen. Doch das Plündern entlang der Nahrungskette geht weiter. Immer kleinere und unbekanntere Fische gelangen auf unsere Teller.
1 Kilo Speisefisch – das wahre Gewicht?
Pro Jahr werden rund 140 Mio. Tonnen Meerestiere aus den Ozeanen geholt. Mehr als ein Viertel davon ist Beifang. Hunderttausende Wale, Delphine, Haie, Vögel, Schildkröten und andere Meerestiere werden tot oder verletzt wieder über Bord geworfen. Je nach Art und Fangtechnik wiegt ein Kilo Speisefisch aus dem Meer in Realität also sehr viel mehr: Auf 1 Kilo Seezunge kommen beispielsweise bis zu 13 Kilo Beifang, bei Crevetten sind es bis zu 20 Kilo. Besonders negativ ist die Bilanz bei Fischen wie Rotbarsch und Goldbutt, die am Meeresgrund leben und mit Schleppnetzen gefangen werden.
Um die steigende Nachfrage nach Speisefischen aus dem Meer abzudecken, werden Fische auch in Aquakulturen gezüchtet. Abgesehen davon, dass die Haltung vieler Zuchtfische weder tier- noch artgerecht ist, kurbeln Zuchtfarmen die Überfischung zusätzlich an: Gezüchtet werden vorwiegend Raubfische, welche wiederum mit Fischen aus dem Ozean gefüttert werden müssen.
Raubbau gefährdet Nahrungssicherheit
Wir wollen glauben, die Meere seien unerschöpflich. Doch sie sind es nicht. Zahlreichen Meerestieren, allen voran Walen und Delphinen, geht heute bereits die Nahrung aus. Doch auch für die Hälfte der Menschheit ist Fisch kein Menu nach Wahl. Die Ausbeutung der Meere gefährdet die internationale Nahrungssicherheit – Konflikte sind vorprogrammiert.
Auf diese Zusammenhänge macht OceanCare seit mehr als 20 Jahren in allen relevanten internationalen Gremien aufmerksam. Für Sigrid Lüber, Präsidentin der Schweizer Organisation, ist klar: “Wenn den vielen Worten und Vereinbarungen seit Inkrafttreten der Biodiversitäts-Konvention im Jahr 1992 nicht bald wirkungsvolle Taten folgen, verkommen die Weltmeere in den nächsten Jahrzehnten zur Einöde – womit wir letztlich auch unsere eigene Existenz aufs Spiel setzen.”
So schützen man die Artenvielfalt der Ozeane:
- Beschränken Sie Ihren Konsum auf Süsswasserfische aus einheimischen Gewässern oder biozertifizierten Zuchten. Fragen Sie im Laden oder Restaurant danach.
- Soll es trotzdem einmal ein importierter Meerfisch sein, dann bitte nur aus nachhaltigem Fang.
- Eine vorwiegend vegetarische Ernährung auf der Basis frischer, lokaler Produkte tut gut und vermeidet lange Transportwege.
- Achtsam mit den Energieressourcen umgehen.
Webtip > www.oceancare.org
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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