Greenpeace Energy - für die Energiewende geben wir alles - außer klein bei



Anzeige
Dienstag, 22. Mai 2012 - Eine andere Information ist möglich!
ÖKOLOGIE

Bau des Kohlekraftwerks Datteln, Bild: DUH

 

Bebauungsplan des E.ON Kohlekraftwerk Datteln rechtswidrig


Datteln (17.9.09): Die Deutsche Umwelthilfe fordert von E.ON und Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) den sofortigen Baustopp am Kohlekraftwerk Datteln – Oberverwaltungsgericht erteilt Stadt Datteln und Land NRW mit wegweisendem Urteil bittere Lektion im Planungsrecht – Bebauungsplan für Kohlekraftwerk eindeutig rechtswidrig – weitere Klagen erzwingen Teil-Baustopp – E.ON soll sofort alle Bauarbeiten einstellen.
Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) hat Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) aufgefordert, unverzüglich die Konsequenzen aus dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW zu dem in Bau befindlichen Kohlekraftwerk des Energieriesen E.ON in Datteln zu ziehen. Spätestens seit der Veröffentlichung der Urteilsgründe zur Unwirksamkeit des Bebauungsplans der Stadt Datteln für das größte Monoblock-Kohlekraftwerk Europas am gestrigen Mittwoch (16.09.2009) sei an einen Weiterbau nicht mehr zu denken.

Die Richter hatten den Bebauungsplan aus nicht weniger als neun schwerwiegenden Gründen für rechtswidrig erklärt.


„Jeder einzelne, der vom Gericht gerügten Punkte, hätte ausgereicht, den Bebauungsplan für unwirksam zu erklären. Eine derartige Anhäufung von gravierenden Fehlern in einem Milliardenprojekt ist einzigartig. Planungsrechtlich ist das Urteil für die Stadt Datteln und E.ON absolut vernichtend“, sagte der Vertreter der Privatkläger, Rechtsanwalt Philipp Heinz vor Journalisten in Düsseldorf.

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), die die Klagen gegen das Kohlekraftwerk vor allem wegen der Klimaschädlichkeit des Vorhabens unterstützt, forderte die sofortige Einstellung aller Bauarbeiten am Standort Datteln. „Mit dem Urteil des OVG ist eine der entscheidenden Genehmigungsvoraussetzungen für das Kohlekraftwerk entfallen. Die Arbeiten an dem Schwarzbau müssen sofort gestoppt werden“, verlangte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake.

Als Folge der neuen, am vergangenen Freitag (11.09.2009) erhobenen Klagen gegen die letzten Teilgenehmigungen haben die Kraftwerks-Gegner bereits einen teilweisen Baustopp erreicht. Rechtsanwalt Heinz: „Da die Genehmigungsbehörde für diese neuen Teilgenehmigungen bislang keinen Sofortvollzug angeordnet hat, dürfen die darin aufgeführten Arbeiten so lange nicht fortgeführt werden, wie es nicht gelungen ist, deren Rechtswidrigkeit zu beheben. Dass dies jemals geschehen kann, halten wir für nahezu ausgeschlossen.“

Baake forderte Umweltminister Uhlenberg auf, öffentlich zu erklären, „dass die ihm unterstellte Genehmigungsbehörde für die 3., 4. und 5. Teilgenehmigung keinen Sofortvollzug verhängen wird. An einer ´sofortigen Vollziehung´ offenkundig rechtswidriger Genehmigungen kann es kein öffentliches Interesse geben.“ Aus denselben Gründen müsse die Genehmigungsbehörde nach Überzeugung der DUH auch unverzüglich den Sofortvollzug für den immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid vom 31. Januar bzw. 13. März 2007 aufheben. Mit dem Vorbescheid hatte die Behörde abschließend über den Standort entschieden und ein so genanntes „vorläufig positives Gesamturteil“ über die Zulässigkeit des Kohlekraftwerks abgegeben. Dabei war die Behörde insbesondere von der planungsrechtlichen Zulässigkeit des Kohlemeilers ausgegangen, die mit dem Urteil des OVG Münster nun jedoch entfallen ist. „Der Vorbescheid ist Grundlage aller nachfolgenden Teilgenehmigungen. Wir verlangen, dass er aufgehoben wird. Mindestens ist der Sofortvollzug des Vorbescheids unverzüglich für null und nichtig zu erklären“, so Baake.

Zur Errichtung des umstrittenen Großkraftwerks hatte die Stadt Datteln einen Bebauungsplan aufgestellt. Unmittelbar nach seiner Bekanntmachung erteilte die Bezirksregierung Münster als zuständige Genehmigungsbehörde Anfang 2007 den erwähnten immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid und in der Folge insgesamt fünf Teilgenehmigungen. Für den Vorbescheid und einen Teil der Teilgenehmigungen wurde die so genannte „sofortige Vollziehung“ angeordnet.

Wegweisend ist das Urteil des OVG Münster nach Überzeugung der DUH auch, weil es das Kraftwerksprojekt ausdrücklich auch unter Hinweis auf die im Landesentwicklungsplan NRW (LEP) niedergelegten Ziele zum Einsatz „einheimischer und regenerativer Energieträger“ und die dort ebenfalls angestrebte „Reduktion von Treibhausgasen“ zurückweist. Weil jedoch E.ON die Annahme, über das am Standort Datteln derzeit betriebene Kohlekraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 300 Megawatt hinaus werde es mit der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks mit einer Leistung von ca. 1055 Megawatt zu weiteren Kraftwerksabschaltungen kommen, zu einem “Missverständnis“ erklärt habe, sei „nicht ansatzweise sichergestellt, dass das Kraftwerk … insgesamt zu einer Reduzierung (von Treibhausgasen, DUH) beiträgt.“ Diese Begründung werde auf andere Kohlekraftwerks-Projekte in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus „erheblich ausstrahlen“, sagte Baake voraus.

Die Deutsche Umwelthilfe vertritt seit langem die Position, dass der Bau neuer Kohlekraftwerke und die Klimaschutzziele in einem unauflösbaren Widerspruch zueinander stehen. „Wer in Deutschland heute noch Kohlekraftwerke baut, stellt die Gesellschaft in wenigen Jahren vor die Alternative, die international verabredeten Klimaziele aufzugeben oder investiertes Kapital zu vernichten“, so Baake. Die größten Industrienationen (G 8) hätten gerade erst anlässlich ihres Gipfeltreffens im italienischen l`Aquila verabredet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80% zu reduzieren. Baake wies darauf hin, dass noch kein Stromversorger habe erklären können, wie Ziele dieser Größenordnung allein mit Wirkungsgradverbesserungen neuer Kohlekraftwerke gegenüber alten erreicht werden könnten.

<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>DBU für nachhaltige Geldanlage
>Sachsen: Skandalöse Mülldeponie.
>Maisbeizmittel im Wintervorrat bedroht Biene
>Frankreich: Erneuerbare Energien im Vormarsch
>Kein großflächiger Gifteinsatz in deutschen Wäldern
>Ohne Quote geht es nicht: Quote für Wertstoffe
>Schmutzige Kreuzfahrten mit AIDA
>Japan fährt 54 AKWs in Rekordtempo runter
>Gemeinsame Aktion von WWF und Greenpeace
>Gute Autos können einen Monatslohn sparen
>Siemens: Wirkungsgrad PV-Module erhöht
>Regenwald in Brasilien: Kettensäge marsch!
>Offshore-Windparks und Natur: Geht das?
>"Bio"-Plastiktüten: Nun lenkt auch REWE ein
>NABU: Nachbesserungen bei Gebäudesanierung
>Hoffnung für Himalaya-Gletscher?
>Fangmüll wird entsorgt
>Anteil erneuerbare Energie steigt im Ländle
>Mit Bio- und Grünmüll richtig umgehen
>Ab morgen kein Fisch mehr
>Nachhaltige Fischerei - Alles Schmu?
>Moore können das Klima retten. Niedersachsen dagegen
>Österreich wird völlig frei von Atomstrom
>Kein EU-Geld für Atomkraftwerke
>Plastiktüte: Nix mit Bio
>2011 gehen Treibhausgase zurück
>Palmölboom tut Afrika nicht gut
>+1,6 Grad = kein Grönlandeis mehr
>Co2-Emmission sinkt
>Entwässerung Moore heizt Klima an
>Gas strömt in der Nordsee aus
>22. März: Weltwasstertag
>Weichmacher machen dick und Diabetes
>Marodes Hafendock könnte Ostsee bedrohen
>WWF-Studie: Wasserraub in Spanien
>Bienensterben in Österreich
>Behördenversagen in Thüringen
>Debatte Bioenergie
>Deutscher Katastrophenschutz für Atomunfall inexistent?
>Nachhaltiges Palmölsiegel gescheitert?
>Waldgesetz in Brasilien
>Umweltverbände sehen Laubwälder in Gefahr
>EU fischt Westafrika leer
>Mit Solarzellen 2ter Wahl Solarkraftwerk in Spanien
>Effiziente Computer: Sparen Strom und Rohstoffe
>BM Inneres: Nachhaltiges Beschaffungswesen
>Stadtwerke setzen auf Erneuerbare Energien
>Umfrage: 91% wollen Ausbau Erneuerbare Energie
>Ampel: Wald und Regierung
>Bioenergie versus Biolandbau
Anzeige
comdirect

Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"