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ÖKOLOGIE

ENTEGA&UTOPIA: Ich mach mal eine Klimademo


Berlin (23.1.10): In Berlin ist die "Klimademo" vom Stromvertriebsunternehmen ENTEGA und UTOPIA gestartet, die das ganze Wochenende dauern soll. Es dürfte besser sein, sie heute abzubrechen. Eine kommentarhafte Betrachtung.
Der in Darmstadt beheimatete Stromanbieter ENTEGA will auf den Ökostrommarkt einsteigen, was grundsätzlich zu begrüssen ist und verwendet dazu eine aus dem NGO Bereich kommende Maßnahme: Die Demonstration. Diese findet zur Stunde in Berlin Mitte am Schloßplatz statt. Das Motto der ENTEGA, an der die E.ON indirekt beteiligt ist, lautet, Schneemänner zu bauen gegen die Klimaerwärmung. Mobilisierender Medienpartner ist UTOPIA von Claudia Langer mit Sitz in München.

Die Eigentümerstruktur der ENTEGA wirkt komplex und ist eine Tochter-in-der-Tochter Konstruktion. Die E.ON ist über die 100prozentige Tochter Thüga AG zu 40% an der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) beteiligt, welcher wiederum, zusammen mit der Stadtwerke Mainz AG, eben die ENTEGA Vertrieb GmbH & Co. KG gehört.

Ziel der heutigen "Schneemänner-Demo" der ENTEGA und der UTOPIA ist es, Berliner zu motivieren, den Stromanbieter, eben zu ENTEGA, zu wechseln. Problematisch erscheint, dass man in den Vordergrund den Democharakter rückt. Mancher vor Ort fühlt sich da getäuscht.

Hellsichtig hat Ulli Kulke, Kommentator bei DIE WELT, über UTOPIA und dem ChangeMaker Day im November in Berlin geschrieben: "Wenn es ihn nicht gäbe, den Klimawandel, man müsste ihn erfinden, so schien allenthalben die Devise zu lauten." ENTEGA schickt sich gerade an, dies auf der Ebene der Kommunikation gemeinsam mit UTOPIA realisieren zu wollen: Klimawandel als Verkaufsargument.

ENTEGA hat sich vorgenommen, künftig nicht mehr Teil des Problems zu sein, sondern Teil der Lösung zu werden. Zwar stammen nach Eigendeklaration der ENTEGA noch immer rund 30% des gesamten Stroms aus nicht erneuerbare Energie, aber die Marschrichtung in Richtung 100% erneuerbare Energie ist grundsätzlich ja mal positiv. Nur, zahlreiche Öko-Stromanbieter sind bereits aktuell bei 100% wie beispielsweise Greenpeace-Energy.

Die Frage, die einst in einem Kommentar auf Glocalist aufgeworfen worden ist, welche Rolle diese PR-Maßnahmen aus dem NGO Bereich für Unternehmen spielen werden, scheint beantwortet, wenn man sich die konkrete Durchführung vor Ort und die ersten medialen Reaktionen (s.h. taz > bit.ly/8TXJw2 ) ansieht.

Mit lärmenden Kompressoren sollen mehrere Tonnen Kunstschnee erzeugt werden nach Angaben der taz, um die Schneemänner überhaupt bauen zu können. Auch wenn diese Produktion des Kunstschnees dann durch den modernen Ablaßhandel namens "Klimaneutralität" kompensiert wird, so wird die Aktion von Beobachtern als ein voller Schuss nach hinten (s.h. Video auf YouTube > bit.ly/8X2cP1 ) erachtet. Und es ist allemal noch immer besser im Sinne des Klimaschutzes, Co2-Ausstoß grundsätzlich zu vermeiden. Die Teilnahme nimmt sich noch schütter aus, doch die Aktion will das ganze Wochenende noch laufen. Es wäre wohl besser, diese Aktion mit dem heutigen Tage abzubrechen und weitere Kunstschneeproduktion einfach zu stoppen.

Dass diese Aktion heftig beworben wird von UTOPIA, der zahlreiche Kritiker Zensur und Green-Washing vorwerfen, passt da perfekt in das Bild. Die Mobilisierungsstärke der - nach Angaben von UTOPIA - größten Plattform für strategischen Konsum, sprich Öko-Konsum, mit rund 40.000 Mitgliedern (Eigenangabe) und als "DAS Schaufenster für nachhaltige Produkte im deutschsprachigen Raum" (Eigenangabe) dürfte mehr als überschaubar sein.

Die Kunstschneeaktion mit Klimafreikauf dürfte wohl auch dem Motto von UTOPIA entgegenstehen, dass da lautet: "Heute nicht auf Kosten von morgen. Hier nicht auf Kosten von anderswo." Beim klimaneutralen Freikauf werden eben die Kosten in das anderswo exportiert.

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