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ÖKOLOGIE

Gebäudesanierung: Aufstocken statt kürzen


Berlin (16.6.10): Die Bundesregierung will die Mittel für das Gebäudesanierungsprogramm um 50 Prozent kürzen. Die Deutsche Energie-Agentur hält dagegen: Es brauche eine Aufstockung statt Kürzung. Der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen kritisiert die Kürzungen scharf.
Gebäude sind der Schlüssel für den Klimaschutz. 40 Prozent der gesamten Endenergie in Deutschland werden für Heizen und Warmwasser verbraucht. In den nächsten 20 Jahren müssen 50 Prozent des Gebäudebestands ohnehin saniert werden.

"Statt zu kürzen sollte die Bundesregierung die Förderung für Gebäudesanierungen aufstocken. Die Internationale Energieagentur hat gerade erst vor einem sprunghaften Anstieg des Ölpreises gewarnt, falls die Offshoreförderung eingestellt werden sollte. Die Menschen müssen vor hohen Energiepreisen geschützt werden. Der beste Schutz sind Investitionen in Energieeffizienz."

Und Kohler führt weiter aus zum volkswirtschaftlichen Effekt der Gebäudesanierung: "Jeder Euro, der in bessere Heizungen, Dämmung und Fenster fließt, zahlt sich volkswirtschaftlich mehrfach aus - nicht nur durch weniger Energiekosten, sondern auch durch mehr Steuereinnahmen und Sozialbeiträge. Für die zum Erreichen der Klimaschutzziele nötige Sanierungsrate braucht es rund fünf Milliarden Euro pro Jahr, nicht bloß 400 Millionen wie jetzt geplant."

Die von der Bundesregierung angekündigte Halbierung der Fördermittel für die KfW-Programme "Energieeffizient Bauen" und "Energieeffizient Sanieren" bedeutet für die dringend notwendige Energieeffizienzwende in Deutschland einen herben Rückschlag, so der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD).

Es werden die Städte und Gemeinden immer größere Schwierigkeiten bekommen, "die Ära der Energieverschwendung zu beenden und die Ära der Energieeffizienz einzuläuten", kritisierte eaD-Vorstandsvorsitzender Michael Geißler die Pläne von Bundesbauminister Peter Ramsauer. Wörtlich sagte Geißler: "Es ist töricht, einen Baum zu fällen, wenn man später einmal Äpfel ernten möchte."

Kommunalverwaltungen und regionale Wirtschaft sind die entscheidenden Triebkräfte beim sparsameren und klimafreundlicheren Umgang mit Energieressourcen. Mit Hilfe der KfW-Programme sind seit 2006 rund 1,5 Millionen Wohnungen und fast 700 kommunale Einrichtungen saniert worden. 30 Milliarden Euro an Investitionen lösten diese Programme aus. Allein 2009 wurden auf diese Weise 292.000 Arbeitsplatze in vorwiegend mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben vor Ort gesichert oder geschaffen.

Dadurch verringerte sich der CO2-Ausstoß um vier Millionen Tonnen pro Jahr, was mit einer entsprechenden Verringerung des Primärenergiebedarfs einherging und somit private und öffentliche Haushalte spürbar entlastete. Die für 2010 noch vorgesehenen 435 Millionen Euro Fördermittel aus dem Etat des Bundesbauministeriums reichen nach Auffassung des eaD bei weitem nicht aus, um den Investitionsstau abzubauen, die jährliche Sanierungsrate zu steigern und somit im Hinblick auf die für 2020 beschlossenen Klimaschutzziele wirklich voranzukommen.

"Besonders ärgerlich" ist nach Ansicht von Michael Geißler, dass die Bundesregierung nicht nur ihre Investitionsprogramme zurückfährt, sondern auch sonst keinerlei Initiative zeigt, das Thema Energieeffizienz voranzubringen. "Wir hoffen weiterhin, dass die Bundesregierung in dem von ihr angekündigten Energiekonzept Ideen entwickelt, wie in Zeiten knapper Kassen erfolgreiche Public-Private-Partnership-Modelle weiterentwickelt und alle relevanten Akteure verpflichtend eingebunden werden können", so der eaD-Vorsitzende. Leider sei das Beispiel Energieeffizienzgesetz "nicht besonders ermutigend". Hier habe die Bundesregierung durch die wenig ambitionierte und defensive Übertragung einer EU-Verordnung in Bundesrecht "viele Chancen vertan".

Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung Deutschlands Treibhausgasemissionen bis im Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Bis 2050 sollen die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent senken, um die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen.

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