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ÖKOLOGIE

Getränkekartons und Pfand: Kritische Überprüfung gefordert


Berlin (25.1.10): Mehr und mehr Getränkekartons bestehen aus Kunststoff und Aluminium und immer weniger aus Zellstoff. Die reale Recyclingquoten sinkt nach Angaben der DUH auf rund 35%. Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält daher Befreiung von der Pfandpflicht nicht mehr für gerechtfertigt und fordert von Umweltminister Röttgen Überprüfung der Einstufung des Getränkekartons als „ökologisch vorteilhaft“
Heute verkaufte Getränkekartons erfüllen nach Überzeugung der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) nicht mehr die Kriterien, die ihr vor annähernd zehn Jahren das Prädikat „ökologisch vorteilhaft“ eingebracht haben.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch fordert deshalb von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine Aktualisierung der veralteten Ökoanalysen, die der Einstufung von Getränkekartons als ökologisch vorteilhafte Einweggetränkeverpackungen zu Grunde liegen. "Untersuchungen der DUH zeigen, dass heute Kunststoffverpackungen mit Papierüberzug als Getränkekartons vertrieben werden. Sie werden größtenteils nicht mehr oder nicht mehr hochwertig recycelt. Damit steht praktisch fest, dass die Befreiung dieser Einweggetränkekartons von der Pfandpflicht nicht mehr gerechtfertigt ist", sagte Resch.

Die heute in den Verkaufsregalen angebotenen Getränkekartons hätten mit den um die Jahrtausendwende im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) aufwändig begutachteten Pappkartons nicht mehr viel gemein. Sie seien im Durchschnitt deutlich schwerer, enthielten zunehmend Kunststoffe und Aluminium und immer weniger Zellstoff. Vor allem aber würden heute weder die damals für die Öko-Einstufung geforderten hohen Recyclingquoten erreicht, noch die Kriterien für ein hochwertiges Recycling. Die Ökoanalysen die seinerzeit zur Befreiung von der Pfandpflicht führten, gingen von einer Verwertungsquote von 64 Prozent aus. Nach Berechnungen der DUH werden mittlerweile jedoch nur noch rund 35 Prozent des Verpackungsmaterials von in Deutschland geleerten Getränkekartons recycelt.

Die vom FKN veröffentlichte Recyclingquote bezieht sich zunächst nur auf den Teil der Getränkekartons, der tatsächlich in gelben Tonnen und Säcken gesammelt und anschließend in Sortieranlagen aussortiert wird. In Deutschland wurden nach den Erhebungen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Jahr 2007 etwa 219.500 Tonnen Getränkekartons in Verkehr gebracht, aber nur drei Viertel gesammelt und davon wiederum nur etwa 146.500 Tonnen aussortiert und an Verwertungsanlagen weitergegeben. Die Tonnage der angelieferten "Getränkekartons zur Verwertung“ geht zudem voll in die Statistik der Kartonbranche ein. Abzüge für Restinhalte, Feuchtigkeit, Anhaftungen und Fehlwürfe sind nicht vorgesehen. „Bei den vom FKN ermittelten Verwertungsquoten werden Milchreste und Anhaftungen als Teil des Kartongewichts mitgerechnet, was zu einer scheinbaren Erhöhung der Recyclingquote führt", sagte Resch. Eigene Untersuchungen der DUH belegen Gewichtsunterschiede von 15 bis 60 Prozent zwischen den normal restentleerten Getränkekartons und solchen, die nachträglich ausgewaschen und getrocknet werden. Aus einem vorsichtig-konservativ bemessenen Abzug von 20 Gewichtsprozent für Restinhalte, Anhaftungen und Fehlwürfe ergibt sich ein Wert von nur noch 117.200 Tonnen Verpackungsmaterial, das tatsächlich bei den Verwertungsanlagen ankommt.

Die DUH halte vor diesem Hintergrund eine kritische und unabhängige Überprüfung der angeblichen ökologischen Vorteile von Getränkekartons für überfällig.

(Quelle: DUH)


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