Die Aufkleber wollen warnen: "Umweltgefahr - Für dieses Produkt bekommen Milchkühe Gentechnik-Futter." Greenpeace fordert Nestlé und Milupa auf, aus der Gen-Milch-Produktion auszusteigen.
"Der Anbau von genmanipulierten Futterpflanzen gefährdet die Artenvielfalt und erhöht den Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft", sagt Alexander Hissting, Gentechnikexperte von Greenpeace. Der Großteil der weltweit angebauten Gen-Pflanzen wie Gen-Mais und Gen-Soja landet in den Futtertrögen von Schweinen, Kühen und Hühnern. Und damit indirekt in deren "Produkten", wie eben Milch und Eier.
Mit dem Kauf von Gen-Milch unterstützen Verbraucher die Verbreitung der riskanten Gentechnologie, nach Ansicht von Greenpeace. Gentechnikfreie Milch kann hingegen dazu beitragen, Kindern eine intakte Umwelt zu hinterlassen. Mit 65 Prozent Marktanteil haben Nestlé und Milupa den höchsten Absatz von Babymilchpulver in Deutschland.
"Durch die fehlende Kennzeichnungs-Pflicht für Milch, Eier und Fleisch, die mit Gen-Pflanzen erzeugt wurden, ist vielen Verbrauchern nicht bewusst, dass sie mit Nestlé,- und Danone-Produkten Gen-Milch kaufen", sagt Hissting.
Reaktionen von Milupa und Nestlé
Sowohl Nestlé als auch Milupa wurden heute von den Glocalist Medien um eine Stellungnahme angefragt.
Die Milupa Presseabteilung führt dazu schriftlich aus, dass Milupa keine gentechnisch veränderten Zutaten verwende: "Milupa hat sich bereits seit Jahren freiwillig dazu verpflichtet, keine gentechnisch veränderten Zutaten in seinen Säuglings- und Kleinkindernahrungen zu verwenden. (...) Wir verpflichten dazu auch unsere Lieferanten."
Milupa räumt aber ein, dass "In Bezug auf das Futter der Kühe können wir eine durchgängig gentechnikfreie Fütterung über das ganze Jahr nicht garantieren." und verweist auf einen ausgetrockneten Markt: "Gentechnikfreie Futtermittel sind bei den aktuell vorherrschenden Marktbedingungen in der für uns notwendigen Menge schwer zu beschaffen."
Milupa will weiters garantieren: "Milupa kann aber in jedem Fall garantieren, dass ihre Säuglingsmilchen und Instantbreie keine gentechnisch veränderten Zutaten enthalten."
Nestlé führt gegenüber den Glocalist Medien schriftlich aus, dass auch Nestlé keine Zutaten aus gentechnisch veränderte Pflanzen verwende: "Der Greenpeace Ratgeber "Milch für Kinder" bewertet verschiedene milchbasierende Produkte nach der Frage, ob für die Fütterung der Kühe gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet wurden. Es gibt keinen analytisch nachweisbaren Unterschied in Inhaltsstoffen und Zusammensetzung zwischen der Milch von Kühen aus verschiedenen Haltungs- und Fütterungsformen. Die Milch, die für unsere Produkte verwendet wird, stammt aus konventioneller Milchkuhhaltung und unterliegt strengen Qualitätskontrollen.
Wie Greenpeace selber feststellt, geht von der Milch von Kühen aus konventioneller Milchkuhhaltung, die möglicherweise auch so genannte "GMO Futtermittel" erhalten, keinerlei gesundheitliches Risiko aus. Milch ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung, und nicht gestillte Kinder sind auf geeignete Anfangs- und Folgenahrungen angewiesen. Für diese Produkte gelten sehr hohe Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Alle entsprechenden Produkte von Nestlé erfüllen diese Anforderung uneingeschränkt. Die Qualität von Säuglingsmilchnahrung umfasst zahlreiche Aspekte wie Nährstoffzusammensetzung sowie mikrobiologische und hygienische Anforderungen. Die Art der Fütterung der Milchkühe ist aus Sicht von Nestlé kein geeignetes Bewertungskriterium für die Qualität von Säuglingsmilchnahrungen, da sie keinerlei Auswirkungen auf die Produkte selber hat. Nestlé verwendet für Produkte in Deutschland keine Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen."
Reaktion von Greenpeace
Aktuell hat auf diesen Bericht Greenpeace reagiert. Der Gentechnik-Experte von Greenpeace Alexander Hissting hält die Stellungnahmen von Nestlé und Milupa für Ausreden, denn nach Meinung von Greenpeace gäbe es genug nicht-gentechnisch verändertes Futtermittel.
"Die Rückmeldungen von Nestlé und Milupa sind Ausreden. Die Behauptung, es gäbe nicht genügend gentechnikfreie Futtermittel, ist falsch. Meist bezieht sich diese Angabe auf importiertes Sojaschrot. Alle Milchbauern in der gesamten EU könnten aber problemlos mit gentechnikfreien Sojabohnen versorgt werden."
Und in Bezug auf Nestle führt Hissting aus: "Nestlé versucht, das Problem herunter zu spielen. Die Verantwortung eines Lebensmittelherstellers bezieht sich nicht nur auf das Endprodukt. Er muss auch die Folgen des Produktionsprozesses verantworten. Gen-Pflanzen schädigen nachgewiesener Weise die Umwelt, fördern die zunehmende Abhängigkeit zwischen Bauern und Chemiekonzernen und gefährden die Ernährungsicherheit. Wenn Nestlé und Milupa nicht auf den Verzicht von Gen-Pflanzen im Milchkuhfutter für ihre Produkte drängen, machen sie sich an diesen Folgen mit schuldig."
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Samstag, 4. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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