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ÖKOLOGIE

Korallenriffe als Evolutionszentren


Berlin (8.1.10/iwd): Der Lichtenberg-Professor Dr. Wolfgang Kießling und zwei Kollegen entdeckten, dass auf Korallenriffen fast um die Hälfte mehr Tiergattungen als in anderen Ökosystemen entstehen.
Das Team um Lichtenberg-Professor Wolfgang Kießling belegt die wichtige Rolle tropischer Riffe bei der Entstehung neuer Gattungen.

Seit Anfang 2006 forscht und lehrt Professor Dr. Wolfgang Kießling als Lichtenberg-Professor am Museum für Naturkunde in Berlin (Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin). Mit seiner Arbeitsgruppe untersucht er die Entwicklung und Biodiversität von Riffen, die Stabilität mariner Ökosysteme auf langen Zeitskalen, Phänomene des Massenaussterbens sowie ökologische Abhängigkeiten der Evolutionsdynamik.

Neue Tierarten entstehen überall und ständig, es gibt aber räumliche Muster der Biodiversität: Die Artenvielfalt ist am höchsten in den Tropen und am niedrigsten an den Polen, höher im Flachwasser als in der Tiefsee, größer im Flachland als auf den Bergen und höher in Korallenriffen als außerhalb. Schon länger wurde vermutet, dass hinter diesen Mustern nicht nur ökologische Faktoren stecken. Die höhere Artenvielfalt der Tropen wird größtenteils darauf zurückgeführt, dass dort neue Arten leichter entstehen als in höheren Breiten.

Wolfgang Kießling, der eine von der VolkswagenStiftung finanzierte Lichtenberg-Professur innehat, und seine Kollegen untersuchten nun auf Basis einer Zusammenstellung aller bekannten Fossilfunde, in welchen Lebensräumen sich das älteste Auftreten von Tiergattungen konzentrierte. Ihr Fazit: Die Neuentstehungsraten von Gattungen sind in Riffen 45 Prozent höher als in anderen tropischen Lebensräumen. Die Autoren machen dafür die hohe topographische Komplexität von Riffen verantwortlich.

Die in Riffen neu entstandene Vielfalt ist auch eine Diversitätsquelle für andere Lebensräume. Über 65 Prozent der Gattungen werden exportiert, deutlich mehr als importiert werden. Verantwortlich für diesen Export-Überschuss ist vermutlich die Diversität selbst. Sie wirkt als Barriere gegen von außen eindringende, gebietsfremde Arten.

Die Studie zeigt abermals - gerade auch im Kontext der Klimadebatte -, wie wichtig Korallenriffe für die Erhaltung der Artenvielfalt in den Meeren sind.

Download "Reefs as Cradles of Evolution and Sources of Biodiversity in the Phanerozoic" > www.sciencemag.org/content/current/


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