Glocalist: Sie sind gerade dabei mit Pionieren der Nachhaltigkeitsszene die erste Immobilien-AG der Nachhaltigkeit aufzubauen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Tacke: Wir werden klimaneutrale Wohnimmobilien entwickeln. Diese werden wir dann in Form von Immobilienfonds Anlegern anbieten, die ihr Geld nicht nur gewinnbringend sondern auch ökologisch, sozial, transparent und sicher, insgesamt also nachhaltig anlegen wollen.
Die Klimaneutralität der Wohngebäude ist für uns der zentrale Aspekt. Diese erreichen wir durch eine geschickte Kombination aus Wärmedämmung und dem hocheffektiven Einsatz von Bioenergie wie zum Beispiel von Biogas in Blockheizkraftwerken.
Wir konzentrieren uns auf die Gebäudesanierung in Städten, zunächst in Berlin. Bestehende Wohngebäude sind einfach einer der wichtigsten Teile unserer gebauten Umwelt. Daneben ist für uns natürlich ein behutsamer und fairer Umgang mit den Mietern der Häuser, den beteiligten Baufirmen und anderen Partnern wichtig.
Noch ein Wort zu den Pionieren: Ich freue mich sehr, dass zu unseren Gründungsaktionären Leute gehören, die im Bereich der Nachhaltigkeit schon wirtschaftlich erfolgreiche Projekte realisiert haben, und das nicht erst seit Nachhaltigkeit ein Modethema ist. Das ist für uns eine gute Basis, auf der wir aufbauen können.
Glocalist: Wer sind diese Pioniere?
Tacke: Na das sind zum Beispiel Max Deml, der schon seit 20 Jahren einer der bekanntesten Experten für Grünes Geld ist. Das ist Paul Grunow, der die SOLON AG und die Q-Cells AG mit gegründet und aufgebaut hat. Das ist Ulfert Höhne, der die oekostrom AG gegründet und aufgebaut hat. Ich kann jetzt hier nicht alle 18 Gründerinnen und Gründer aufzählen. Jedenfalls sind die meisten Experten zu den Themen Immobilien, Nachhaltigkeit oder Finanzen.
Glocalist: Sie reden von Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. Welche Maßstäbe und Zertifizierungen sind da maßgeblich?
Tacke: Leider gibt es für diese Form der Immobilienentwicklung und der Geldanlage noch keine einheitlichen Standards. Das umfassendste Nachhaltigkeits-Label für Immobilien wird zur Zeit von der DGNB entwickelt. Die Aspekte Wohnen und Klimaneutralität sind hier jedoch noch in der Entwicklung. Auch in der Finanzwirtschaft fangen die ersten Diskussionen über Maßstäbe der Nachhaltigkeit erst an.
Glocalist: Ein paar Kennzahlen. Wieviel Kapital wollen Sie jetzt einsammeln, wie kann man überhaupt einsteigen und ab welcher Summe, was ist die zu erwartende Rendite und welches Volumen streben Sie an in den nächsten drei Jahren?
Tacke: Wir haben das Unternehmen zunächst mit einem Grundstock von 208 Tausend Euro gegründet. In einem ersten Wachstumsschritt wollen wir nun das notwendige Kapital aufstellen, um ein erstes klimaneutrales Gebäude und einen ersten Fonds zu realisieren. Dazu benötigen wir etwa eine Million Euro. Unsere erste Kapitalerhöhung soll deshalb 832 Tausend Euro umfassen. Das sind 416 Tausend Aktien die wir zu einem Preis von 2 Euro als Private Placement anbieten.
Im nächsten Jahr wird dann eine weitere Kapitalerhöhung folgen, um das Geschäft weiter auszubauen. Wie hoch das Volumen dann ausfallen wird, hängt vor allem vom wirtschaftlichen Umfeld und der Nachfrage nach unseren Fonds ab. Vieles ist möglich. Im Moment planen wir, aufgrund des durch die Finanzkrise gedrosselten Appetits der Anleger, erstmal etwas kleinere Brötchen zu backen, aber wir sind auch auf mehr vorbereitet.
Gerade die Aktionärinnen und Aktionäre, die sich früh an einem jungen Unternehmen beteiligen, haben die größten Chancen an der Wertentwicklung des Unternehmens und damit der Aktien zu partizipieren. Natürlich ist das auch mit einem Risiko verbunden, also mit einer Anlage in klassische Immobilienfonds nicht zu vergleichen.
Wir investieren das Geld allerdings vor allem in vermietete Wohngebäude, die durch die Sanierung einen Wertzuwachs erzielen. Darin haben mein Team und ich gute Erfahrungen. Da entstehen Werte zum Anfassen. Es muss also jeder für sich abwägen, ob er dieses Risiko eingehen kann und will um damit die Chancen nutzen zu können.
Neben der Aktienentwicklung sollen die Aktionärinnen und Aktionäre natürlich auch von den Gewinnen der AG profitieren. Wir planen, ab dem 5. Geschäftsjahr einen Teil der Gewinne als Dividende auch aus zuschütten. Bei dem aktuellen Aktienpreis sollte sich die Dividende dann bei etwa 5-6% einpendeln. Wer bei uns mitmachen will, findet auf unserer Internetseite erste Informationen. Ich freue mich auch über jeden Anrufer. Wir schicken dann Informationsmaterial zu.
Glocalist: Wie schätzen Sie den Markt für nachhaltige Immobilien in Deutschland ein? Hat dieser Markt überhaupt Phantasie, wie man im Investorjargon so schön sagt?
Tacke: Ich bin überzeugt, dass sich der Markt der Gebäudesanierung rasant entwickeln wird. Er muss allein schon deshalb boomen, weil die Energieversorgung bestehender Gebäuden derzeit so katastrophale Auswirkungen auf Klimawandel und Energieabhängigkeit hat. Zudem zeigen Studien und Umfragen, dass private Haushalte wie institutionelle Investoren verstärkt in nachhaltige, energieeffiziente Immobilien investieren wollen. Die „Deutsche Bank Research“ zum Beispiel schätzt den Markt für Green Buildings in Deutschland bis 2030 auf bis zu 340 Milliarden Euro. Das größte Potential sehen die Marktforscher dabei im Altbau. Auch der Glocalist hat ja schon mehrfach darüber berichtet. Einige der Studien sind auch auf unserer Internetseite zu finden.
Der grüne Geldmarkt hat in den letzten zwei bis drei Jahren Zuwächse von 30 bis 50% zu verzeichnen. Immer mehr Anleger wollen ihr Geld unter Aspekten der Nachhaltigkeit investieren.
Bislang gibt es jedoch kaum Angebote, sich an nachhaltigen, grünen Immobilien zu beteiligen, weil es bislang schlicht zu wenig grüne Immobilien gibt. Die meisten Anbieter von Finanzprodukten kaufen fertige Immobilien. Wir entwickeln die Immobilien selbst. So können wir unsere Fonds mit Gebäuden ausstatten, die unseren Anforderungen an Nachhaltigkeit entsprechen. Außerdem können wir unsere KlimaGut-Immobilien natürlich auch anderen Fondsinitiatioren und Investoren anbieten. Der Phantasie sind also erst mal keine Grenzen gesetzt. Wir wollen jedoch nicht in möglichst kurzer Zeit möglichst groß oder gar Marktführer werden. Wir setzen eher auf ein solides, aber durchaus dynamisches Wachstum. Nachhaltigkeit geht auch hier vor.
Glocalist: Wen wollen Sie denn als Investoren ansprechen?
Tacke: Ich bin überzeugt, dass die Triebfeder der nachhaltigen Entwicklung die Privaten sind. Die institutionellen Investoren werden durch diese Triebfeder erst langsam aufgezogen. Pioniergeist findet man auch eher bei einzelnen Personen. Wir sprechen also in erster Linie vermögendere Privatpersonen an, freuen uns natürlich aber auch, wenn sich andere Unternehmen bei uns beteiligen.
Glocalist: Aktuell ist ja gerade eine neue Bauverordnung der EU erlassen worden. Wie schätzen Sie diese aus der Perspektive Nachhaltigkeit als Immobilienexperte ein?
Tacke: Die neue Richtlinie zur Energieeffizienz von Häusern ist ein ziemlicher Reinfall. Sie ist ein blendendes Beispiel dafür, wie weit Sonntagsreden und konkretes Handeln auseinander gehen können.
Man muss sich die Dimensionen vorstellen: In der EU werden 42% der Energie in Gebäuden verbraucht, die für 35% der Emissionen klimaschädlicher Gase verantwortlich sind. Das ist der Elefant im Porzellanladen! Gebäude verursachen mehr Klimazerstörung als Verkehr oder Industrie. Die EU – und im übrigen auch Deutschland – unternimmt in diesem Bereich, gemessen an der Dimension, jedoch viel zu wenig.
Diese neue Richtlinie sieht nun vor, dass ab dem Jahr 2020 neue Gebäude nur noch als Niedrigenergiehäuser gebaut werden dürfen. Das ist Stand von Heute vertagt auf Übermorgen.
Beim Gebäudebestand – und das ist ja das eigentliche Problem – ist die EU-Richtlinie sehr diffus und sieht lediglich die Möglichkeit vor, dass die Mitgliedsstaaten Mindestanforderungen festlegen können: jedoch ohne jede konkrete Vorgabe der EU. Zukunft gestalten sieht für mich anders aus.
Trotzdem, die Richtlinie zeigt, wohin der Zug fährt: Klimaschutz und Energiesicherheit erzwingen neue Standards für Bauen und Wohnen. Energieausweise werden verbindlicher und Heizungs- und Klimaanlagen werden regelmäßig überwacht. Da entsteht die Grundlage einer ganz anderen Bauwirtschaft, in der Klimaschutz zum Kerngeschäft gehört.
Glocalist: Wir wollen noch mal auf die Nachhaltigkeit zurück kommen. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie und warum nachhaltige Immobilien? Was bringt dies für Klimawandel und soziale Gerechtigkeit?
Tacke: Immobilien und gerade Wohnimmobilien sind eines der wichtigsten Teile, die wir unserer Umwelt hinzufügen. Für jeden von uns hat die eigene Wohnung, das eigene Haus existentielle Bedeutung. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in Städten. Der Trend zur Urbanisierung wird zunehmen.
Nachhaltigkeit bedeutet für mich, nicht mehr zu nehmen als man gibt. Dieses Prinzip sollte sich in allen Bereichen des persönlichen und unternehmerischen Lebens durchsetzen.
Die Bedeutung der Gebäudesanierung für den Klimaschutz habe ich ja eben schon erläutert. Wir werden unsere Immobilien so modernisieren, dass sie anschließend klimaneutral betrieben werden, der Atmosphäre also keine neuen schädlichen Gase hinzufügen. Klimawandel fängt also nicht vor sondern mit der eigenen Haustür an.
Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch verschiedene wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte der Nachhaltigkeit. Selbstverständlich müssen die Häuser für ihre Eigentümer dauerhaft einen Ertrag erwirtschaften und eine positive Wertentwicklung aufweisen. Daneben spielen für uns die Verwendung ökologisch unbedenklicher Baustoffe, der faire und professionelle Umgang mit Mietern, Auftragnehmern und Mitarbeitern und das Engagement im Stadtteil eine ebenso wichtige Rolle.
Glocalist: Abschließend. Was ist Ihre Mission und Vision?
Tacke: Ich persönlich komme aus dem Bereich, den man in Berlin „Behutsame Stadterneuerung“ nennt. Mir geht es darum, die Stadt dauerhaft als einen lebenswerten Ort zu erhalten beziehungsweise zu gestalten. Soziale und kulturelle Vielfalt, Ästhetik und Stadt funktionieren natürlich nur in Korrespondenz mit der natürlichen und gebauten Umwelt. Ich arbeite daran, ein profitables Unternehmen aufzubauen, dass einen kraftvollen Beitrag dazu leistet.
Webtip > www.klimagut.ag
Anzeige
Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



ÖKOLOGIE
| << Zurück |
Kommentar
NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.








