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ÖKOLOGIE

NGOs von Bonner Klimaverhandlung enttäuscht


Bonn (14.6.10): NGOs zeigen sich weitgehend enttäuscht von den Bonner Klimaverhandlungen. Notwendigkeiten wurden nicht erkannt, Blockaden an der Tagesordnung.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht im nahezu ergebnislosen Ausgang der zweiwöchigen Bonner Klimaverhandlungen nicht nur eine Missachtung heutiger Notwendigkeiten zum Schutz des Klimas, sondern auch eine Missachtung der berechtigten Erwartungen künftiger Generationen. Mit Verweis auf die USA, die nicht zu den Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Klimaschutzabkommens gehören, hätten sich die Industriestaaten erneut vor verbindlichen und ausreichenden Zusagen zur Minderung der CO2-Emissionen gedrückt. Wenn die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls 2012 auslaufe, werde es nach bisherigem Verhandlungsstand für die Zeit danach keine neuen globalen CO2-Minderungsziele geben.

"Wieder einmal wurde der Klimaschutz vertagt", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Das auch in Bonn beschworene Schreckgespenst von Wettbewerbnachteilen für jene, die beim Klimaschutz vorangehen, hat erneut Fortschritte blockiert. Dabei ist längst klar, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz Wirtschaft und Gesellschaft auch finanziell nützen. Wenn sich die Erdatmosphäre bis zum Ende dieses Jahrhunderts wie befürchtet um bis zu vier Grad Celsius erwärmt, wird es weit mehr kosten, sich den dramatischen Klimafolgen anzupassen", sagte Weiger.

Die Industriestaaten hätten zwar die Minderung ihrer gemeinsamen CO2-Emissionen um bis zu 18 Prozent angekündigt. Dies seien jedoch lediglich Absichtserklärungen, die ein verbindliches internationales Klimaschutzabkommen nicht ersetzen könnten.

Hinzu komme, dass auch diese angekündigten Ziele die globalen Emissionen kaum senken würden. Sollten Schlupflöcher wie das Anrechnen von Wäldern als CO2-Senken oder der Verkauf ungenutzter Emissionsrechte aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls nicht geschlossen werden, könnte am Ende der zweiten Geltungsperiode sogar ein Anwachsen der Klimagas-Emissionen stehen.

WWF

Die Verhandlungsatmosphäre war gut, große Fortschritte fürs Klima gab es jedoch nicht, erklärt der WWF zum Abschluss der zweiwöchigen UN-Klimagespräche in Bonn. In wichtigen Themenbereichen, wie der Finanzierung und der Abwendung von fossilen Brennstoffen, seien die Delegierten nicht wirklich weitergekommen. Insbesondere ölexportierende Länder wie Saudi-Arabien hätten durch wiederholte Blockierungstaktikten echte Fortschritte verhindert.

„In Bonn konnte verloren gegangenes Vertrauen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern zurückgewonnen werden. Mit dieser Vertrauensbasis könnten in Mexiko einige wichtige Teilaspekte verabschiedet werden und den Weg bereiten für die Klimaverhandlungen in Südafrika“, sagt Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik des WWF.

Greenpeace

„In Bonn wurde nichts vorangebracht. Die USA tragen massiv zur Blockade der Verhandlungen bei”, sagt Martin Kaiser, Leiter der internationalen Klimapolitik von Greenpeace. “Präsident Obama muss in der Klimapolitik entschieden handeln und die Kohle- und Ölindustrie streng kontrollieren. Ein globaler Vertrag ist mehr denn je von Obamas Willen abhängig.”

Für die beiden folgenden Vorbereitungsrunden in Bonn und China sind zentrale Fragen ungeklärt. Angesichts der angespannten Haushaltslagen der Industrieländer bleibt es offen, woher das notwendige Geld zur Senkung der CO2-Emissionen, für Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen und für Waldschutz in Entwicklungsländern kommen soll. Zum anderen weigern sich die großen Emittenten von Treibhausgasen weiter, sich zu einer drastischen, wissenschaftlich empfohlenen Verringerung des CO2-Ausstoßes verpflichten zu lassen.

NABU

NABU-Präsident Olaf Tschimpke erklärt zum Ende des Arbeitstreffens der Vertragstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in Bonn:

„Die Schockstarre nach der gescheiterten Klimakonferenz von Kopenhagen scheint endlich überwunden zu sein. Nun ist es wichtig, die positive Entwicklung in Teilbereichen der Verhandlungen über einen neuen Weltklimavertrag zu stärken. Bis zum nächsten UN-Klimagipfel Ende dieses Jahres in Mexiko sollten konkrete Entscheidungen über Strukturen für Technologiekooperationen und Finanzierung sowie für eine bessere Zusammenarbeit zum Beispiel beim Erhalt von Wäldern in Entwicklungsländern vorbereitet werden.

Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass in der Zwischenzeit weder die USA noch die EU oder andere Ländern etwas unternommen haben, um die riesige Lücke zwischen der in Kopenhagen anvisierten Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad und den bisher angekündigten Zielen für die Senkung der Treibhausgas-Emissionen zu schließen. Deshalb ist es ein Skandal, dass in Bonn viele Industrieländer weiterhin bei der korrekten Erfassung der Speicherung von Kohlenstoff in ihren stark bewirtschafteten Wäldern tricksen und damit ihre sowieso schon schwache Klimabilanz aufhübschen wollen.“


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