Mit einer meterhohen künstlichen Ölfontäne vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mahnen ölverschmierte Greenpeace-Aktivisten an das hohe Risiko von Tiefseebohrungen.
Zwischenzeitlich herrscht noch Unklarheit, ob das Erdölloch am Golf von Mexico wirklich geschlossen ist. Am Sonntag gab es noch Warnung, mittlerweile gab das Ministerium für Energie bekannt, dass offensichtlich nun doch das Bohrloch gedichtet sei. BP hat mittlerweile erste Anteile für 7 Milliarden US-Dollar verkauft, um Liquidität für die kommenden Schadenersatzforderungen zu schaffen.
Mittlerweile wurde eine Sammelklage eingereicht, die BP nach dem Paragraphen der organisierten Kriminalität anklagen möchte. Ob dies Aussicht auf Erfolg hat, liegt nun bei der Staatsanwaltschaft. Beobachter meinen, eher nicht. In Summe bleibt aber die größte Umweltkatastrophe der USA, die durch Gier, Schlamperei und falsche Kosteneinsparungen ausgelöst sein dürfte. Das Risiko der Tiefseebohrung ist aktuell für die Ölindustrie nicht handelbar.
"Wir müssen weltweit alles daran setzen, dass sich eine Katastrophe wie diejenige im Golf von Mexiko nicht wiederholen kann", so Minister Brüderle in einer Pressemitteilung vom 14. Juli. Die Gelegenheit dazu bietet sich jetzt: Die nächste Sitzung der OSPAR findet bereits vom 20. bis 24. September im norwegischen Bergen statt. Die Antragsfrist endet am 13. August. Zu den Arbeitsbereichen der OSPAR zählt auch die Offshore Öl- und Gasindustrie.
Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und dem neuesten Ölunfall im chinesischen Dalin am 16. Juli gewinnt die Erdöl-Frage an Brisanz: "Deutschland muss Verantwortung übernehmen und Maßnahmen gegen Tiefseebohrungen ergreifen", mahnt Jürgen Knirsch, Greenpeace-Ölexperte. Hierfür muss Herr Brüderle gemeinsam mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf dem Treffen der für den Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantik zuständigen Minister (OSPAR) im September einen Antrag für ein Verbot von weiteren Tiefseebohrungen einbringen.
Greenpeace definiert Tiefsee ab 200 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Ab dieser Tiefe können menschliche Taucher kaum mehr eingreifen, um auftretende technische Fehler zu beheben.
Greenpeace dokumentiert seit Jahren regelmäßig die Ölförderanlagen vor der dänischen, norwegischen und britischen Küste. Auch der diesjährige Überflug zeigt, dass Ölteppiche um die Plattformen Nebenprodukt des alltäglichen Förderbetriebs sind - Tendenz steigend: Im Jahr 1984 belief sich die Menge des eingeleiteten Öls in die Nordsee noch auf 1.700 Tonnen; 2005 beziffert die OSPAR die Zahl auf rund 13.000 Tonnen.
Zur Online-Petition > bit.ly/at7sGf
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