Kein Land hat so hart und bitter bezahlt für die Unabhängigkeit wie Haiti. Schon bei seiner Unabhängigkeit wurde Haiti eine Schuldenlast - nach heutigem Wert - von rund 17 Milliarden Euro aufgebürdet. Die Folgen war eine Spirale aus Armut, Umweltzerstörung, Ausbeutung und Korruption wie eine dichte Abfolge von Alptraumdiktaturen.
In der vergangenen Nacht hat der Vorstand des Internationalen Währungsfonds (IWF) 102 Mio US-Dollar Katastrophenhilfe für Haiti bewilligt. Es handelt sich dabei um aber um einen zinsfreien Kredit mit 5,5 Freijahren.
Der Vorstand hat mit seiner Kreditvergabe demonstrativ das Versprechen des IWF-Direktors Strauss-Kahn ignoriert. Dieser hatte am 20. Januar erklärt, der IWF werde sowohl diesen neuen Kredit als auch seine bestehenden Forderungen von 165 Mio US-Dollat in einen Zuschuss umwandeln, um Haiti nicht mit neuen Schulden zu belasten.
Jürgen Kaiser, Koordinator vom NGO-Bündnis erlassjahr.de, erklärte dazu: "Haiti war vor dem Erdbeben u.a. durch seine Auslandsverschuldung ein extrem abhängiges Land. Offenbar will die Mehrheit im IWF, darunter Deutschland, diesen Zustand schnellstmöglich wieder herstellen. Die Chance auf einen schuldenfreien Neuanfang für das ausgeplünderte Haiti wurde damit vertan."
Aktuell berichtet UNICEF von katastrophalen Zuständen in Haiti besonders für Kleinkinder: Trotz massiver internationaler Hilfe ist die Not der Kinder in Haiti nach Einschätzung von UNICEF weiter überwältigend. Erste Fälle von lebensgefährlichen Infektionskrankheiten wie Tetanus und Masern sowie Durchfallerkrankungen werden aus Leogane berichtet. Um eine Masernepidemie zu verhindern, sollen ab 2. Februar mit Unterstützung von UNICEF 600.000 Kinder unter fünf Jahren geimpft werden. Die Kinder erhalten auch Vitamin-A-Tabletten zur Stärkung der Widerstandskraft.
Gemeinsam mit Partnern registriert UNICEF eine täglich wachsende Zahl unbegleiteter Kinder, bei denen nicht geklärt ist, wo sich Eltern oder Angehörige befinden. Darunter sind neugeborene Kinder, verletzte Kinder und Straßenkinder, die schon vor der Katastrophe kein richtiges zu Hause hatten. UNICEF hat bisher drei Schutzzentren in Port-au-Prince für bis zu 900 unbegleitete Kinder eingerichtet. Von dort aus wird auch die Suche nach Angehörigen organisiert. Im Erdbebengebiet sind vermutlich Tausende Kinder auf der Suche nach Angehörigen. Es wird noch Wochen dauern, bis das ganze Ausmaß dieses Problems erfasst ist.
Haitis schwache Hoffnung sind nun einzelne IWF-Mitgliedsländer wie Belgien und Norwegen, die im Vorfeld der gestrigen Entscheidung ihre Unterstützung für den Vorschlag von Direktor Strauss-Kahn signalisiert hatten. erlassjahr.de und Entschuldungsbewegungen auf der ganzen Welt werden in den nächsten Monaten darauf hin arbeiten, dass Strauss-Kahns Vorschlag doch noch umgesetzt wird, bevor 2011 wieder Schuldendienst fällig wird.






