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POLITIK

IKT-Investitionen Basis für künftigem Wohlstand


Brüssel (18.5.10): In der Investition in die digitale Wirtschaft sieht die EU-Kommission den Schlüssel für den künftigen Wohlstand Europas. Die Hälfte des Produktivitätsanstiegs geht auf IKT-Technologie zurück. Weitere Fördermaßnahmen im Rahmen der digitalen Agenda geplant.
Die digitale Wirtschaft gewinnt in Europa zunehmend an Stärke, breitet sich über alle Wirtschaftszweige aus und durchdringt sämtliche Lebensbereiche – so ein von der Europäischen Kommission vorgelegter Bericht über die digitale Wettbewerbsfähigkeit Europas. Die Hälfte des Produktivitätsanstiegs der letzten 15 Jahre geht auf die Informations- und Kommunikations­technologien (IKT) zurück. Sechs von zehn Europäern benutzen regelmäßig das Internet. Damit Europa die möglichen Vorteile der digitalen Wirtschaft allerdings voll ausschöpfen kann, müssen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, so die Kommission, so ist es notwendig, schnellere Breitbanddienste zur Verfügung zu stellen, das Vertrauen der Menschen in das Internet zu stärken, den Wissensstand der Bürger zu erhöhen und die IKT-Innovation noch intensiver zu fördern. Daher wird die Kommission in diesen Bereichen spezifische Maßnahmen vorschlagen, und zwar im Rahmen ihrer digitalen Agenda für Europa, einer der Leitinitiativen der in Kürze anlaufenden Strategie „Europa 2020“.

Die für die digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes erklärte dazu: „Europas digitale Wirtschaft ist für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand unverzichtbar. Die IKT und das Hochgeschwindigkeitsinternet haben heute die gleiche revolutionäre Wirkung auf unser Leben wie die Entwicklung der Strom- und Verkehrsnetze vor mehr als einem Jahrhundert. Die Fortentwicklung des Internets muss jedoch unterstützt werden, damit alle Bürger von der digitalen Wirtschaft profitieren können.“

Der Bericht analysiert die neueren Entwicklungen im IKT-Bereich. Er untermauert den Entwurf einer digitalen Agenda für Europa, der ersten Leitinitiative der Kommission, die demnächst im Rahmen der Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum anlaufen wird.

Wichtiger Wirtschaftsmotor

Dem Bericht zufolge ist die IKT-Branche eine der wichtigsten Triebkräfte der europäischen Wirtschaft. Die in der EU seit 1995 erzielten Produktivitätsgewinne gehen zu 50 % auf das Konto der IKT, dank des technischen Fortschritts und der Investitionen in dem Sektor. Daten für die Jahre 2004-2007 weisen darauf hin, dass diese Investitionen in jüngster Zeit auch in der übrigen Wirtschaft zu Effizienzsteigerungen führen. Die Wertschöpfung des europäischen IKT-Sektors beläuft sich auf etwa 600 Milliarden EUR (4,8 % des europäischen Bruttoinlandsprodukts). Auf ihn entfallen 25 % aller in der EU getätigten Unternehmensinvestitionen in Forschung und Entwicklung. In den USA wird allerdings noch größerer Nutzen aus den IKT gezogen. Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, benötigt Europa Strukturreformen und eine kohärente digitale Agenda.

6 von 10 Europäern online

In Europa benutzen etwa 60 % der Bevölkerung regelmäßig und 48 % täglich das Internet. Damit schneidet die EU im Vergleich zu den USA (56 % täglich bzw. 65 % in den letzten drei Monaten) gut ab. Allerdings sowohl in der EU (30 %) wie in den USA (32 %) war etwa ein Drittel der Bevölkerung noch nie im Internet.

In sozioökonomischer und geografischer Hinsicht gibt es erhebliche Differenzen. Insbesondere Senioren und Personen mit geringerem Bildungsstand und niedrigem Einkommen benutzen das Internet weniger häufig und sind weniger kompetent. Für den Aufbau einer europäischen digitalen Gesellschaft müssen die einschlägigen Kenntnisse unbedingt verbessert werden. Auch hier schneidet die EU gegenüber den USA gut ab, wenngleich der Anteil bei den Senioren in den USA höher ist (46 % der über 55jährigen waren noch nie online – gegenüber 59 % in der EU). In Korea und Japan sind die Unterschiede zwischen den sozioökonomischen Gruppen dagegen weniger ausgeprägt.

Die EU ist der weltweit größte Breitbandmarkt

Der EU-Breitbandmarkt war 2009 zum wiederholten Mal der größte weltweit. Fast ein Viertel der EU-Bürger (24,8 %) verfügt über einen Festnetz-Breitbandanschluss. Obwohl die Übertragungsgeschwindigkeiten zunehmen und 80 % der Festnetz-Breitbandanschlüsse in der EU Geschwindigkeiten über 2 Mbit/s aufweisen, leisten nur 18 % dieser Anschlüsse mehr als 10 Mbit/s. Für grundlegende Web-Anwendungen sind diese Geschwindigkeiten zwar ausreichend, nicht jedoch für fortgeschrittene Anwendungen wie Fernsehen auf Abruf. Die Strategie Europa 2020 setzt das ehrgeizige Ziel, allen Europäern einen Breitbandanschluss von mindestens 30 Mbit/s zu bieten. Höhere Geschwindigkeiten erfordern den Übergang zu Zugangsnetzen der nächsten Generation (NGA). Bei der Einführung solcher Netze liegt die EU erheblich hinter Ländern wie Korea und Japan zurück. Der Übergang zu Breitbandnetzen mit größerer Kapazität stellt für den gesamten Telekommunika tionssektor eine bedeutende strukturelle Herausforderung dar.

Online-Binnenmarkt

Neben seiner wichtigen Rolle für das Wachstum der europäischen Wirtschaft birgt das Internet ein enormes Potenzial zur Stärkung des Binnenmarkts. Elektronischer Handel (eCommerce) und Geschäftsverkehr (eBusiness) sind in den einzelnen Mitgliedstaaten jedoch sehr unterschiedlich verbreitet und grenzüberschreitende Geschäfte werden nur wenig getätigt. 54 % der Internetnutzer kaufen oder verkaufen zwar Waren über das Internet, allerdings nur 22 % in anderen EU-Ländern. Weitaus stärker verbreitet ist eCommerce dagegen in den USA, wo 75 % der Internetnutzer online kaufen oder verkaufen. Dies verdeutlicht, dass Europa über keinen echten digitalen Binnenmarkt verfügt, der aber besonders wichtig ist, um das Wachstum der kleinen und mittleren Unternehmen in Europa zu fördern und den Verbrauchern mehr Auswahlmöglichkeiten zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bieten.

(Quelle: EU)

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