Gehandelt werden muss sofort – so der Schluss einer Expertengruppe – um Kompetenzdefizite in Europa zu beseitigen und die Erfolgschancen der Europäer auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Ihr Ergebnis liegt nun in Berichtsform vor: „New Skills for New Jobs: Action Now“ (Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen: Sofortige Maßnahmen), es gelte den Menschen die richtigen Anreize zu geben, damit sie ihre Kompetenzen ausbauen. Weiterhin unterstreicht er die Notwendigkeit, die allgemeine und berufliche Bildung und das Arbeitsleben besser zu verknüpfen, einen geeigneten Kompetenzmix zu entwickeln und die in der Zukunft erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten besser zu antizipieren.
Vladimír Špidla, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit, erklärte dazu: „Die Verbesserung der Qualifikationen der Menschen wird uns auf kurze Sicht dabei helfen, die Krise zu überwinden, und in der Zukunft den Weg für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg ebnen.“
Maroš Šefcovic, EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, fügte hinzu: „Wir müssen die Trennung zwischen allgemeiner bzw. beruflicher Bildung und der Arbeitswelt aufheben, damit die Menschen dafür sorgen können, dass im Laufe ihres Lebens ihre Kompetenzen und Fähigkeiten auf den sich entwickelnden Arbeitsmarkt abgestimmt sind.“
Die Situation: Am derzeitigen Arbeitsmarkt …
… verfügt derzeit einer von drei Europäern im erwerbsfähigen Alter über wenige oder keine Qualifikationen und hat damit um 40 % geringere Chancen auf eine Beschäftigung als Personen mit mittleren Qualifikationen.
… liegt die Beschäftigungsquote der Hochqualifizierten bei 84 %, der Mittelqualifizierten bei 70 % und der Geringqualifizierten bei 49 %.
… ist die Wahrscheinlichkeit, dass Geringqualifizierte ihre Kompetenzen ausbauen und am lebenslangen Lernen teilnehmen viel geringer.
… ist das Risiko, den Betrieb einstellen zu müssen bei Unternehmen, die ihre Mitarbeiter weiterbilden, 2,5 Mal geringer als bei Unternehmen, die dies nicht tun.
… kann ein Bildungssysteme, welches allen Menschen angemessene Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelt, das BNP langfristig um beachtliche 10 % steigern.
Die Empfehlungen des Expertenberichtes
Der heutige Expertenbericht bietet konkrete Empfehlungen an, wie in Europa Kompetenzdefizite behoben werden können, und richtet sich an Entscheidungsträger auf europäischer und nationaler Ebene, Unternehmen, Gewerkschaften, Bildungs- und Ausbildungsträger und Arbeitsverwaltungen.
In folgenden vier Bereichen besteht laut Bericht Handlungsbedarf:
• Es müssen bessere Anreize für Arbeitgeber und Einzelpersonen für einen Ausbau der Qualifikationen geliefert werden. Investitionen in Kompetenzen müssen maßgeblich und intelligent und dürfen nicht nur finanzieller Art sein.
• Die Welt der allgemeinen und beruflichen Bildung muss sich öffnen, indem Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen innovativer werden und verstärkt auf die Bedürfnisse der Lernenden und der Arbeitgeber eingehen. Weiterhin müssen einschlägige Qualifikationen entwickelt werden, deren Schwerpunkt auf konkreten Lernergebnissen liegt.
• Es muss ein verbesserter Kompetenz- und Fähigkeitenmix angeboten werden, der den Anforderungen des Arbeitsmarktes besser entspricht.
• Kompetenzen und Fähigkeiten, die in Zukunft benötigt werden , müssen besser antizipiert werden.
Nach Ansicht der Experten sind alle vier Bereiche miteinander verbunden. Sämtliche Maßnahmen müssen daher aufeinander abgestimmt werden. Darüber hinaus liegt die Verantwortung nicht nur bei einem Stakeholder, sondern erfordert eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten.
Der Bericht weist auf die unbequeme Tatsache hin, dass trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren das Kompetenzniveau in Europa nicht ausreichend ist. Fast ein Drittel der europäischen Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren verfügt über keine bzw. nur geringe Qualifikationen. Nur ein Viertel der Bevölkerung weist ein hohes Qualifikationsniveau auf. Qualifizierte Personen besitzen zudem nicht immer die Kompetenzen und Fähigkeiten, die Arbeitgeber suchen, was zu Diskrepanzen auf dem Arbeitsmarkt führt. Eine bessere Mischung bereichsübergreifender und spezifischer Fähigkeiten ist erforderlich.
Die wachsende Arbeitslosigkeit und die demografische Entwicklung verschärfen das Problem zusätzlich.
Das CEDEFOP, die Referenzeinrichtung der Europäischen Union für Berufsbildung, rechnet jedoch für das nächste Jahrzehnt mit etwa 80 Mio. Beschäftigungsmöglichkeiten. Von diesen Arbeitsplätzen werden fast 7 Mio. neu entstehen und mehrheitlich den Einsatz hochqualifizierter Arbeitskräfte erforderlich machen.
Hintergrund
Die Initiative „Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen“ wurde im Dezember 2008 auf EU-Ebene gestartet, um die Verbindungen zwischen der Welt der Bildung und der Arbeitswelt zu verstärken. Im Frühjahr 2009 hat die Europäische Union eine Expertengruppe zu den Themen Weiterbildung, Kompetenzen und Beschäftigung mit Fachleuten aus ganz Europa eingerichtet, die eine unabhängige Beratung zur weiteren Entwicklung der Initiative im Rahmen der zukünftigen EU-Wirtschaftsreformstrategie (EU 2020) bieten soll.
Den Bericht in englischer Sprache gibt es unter folgender Adresse als Download:
ec.europa.eu/social/BlobServlet
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Samstag, 11. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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