In dieser losen Serie wurden bisher Interviews zum Thema Nachhaltigkeit die Oberbürgermeister der Städte Berlin, Potsdam, Köln, Wuppertal, Nürnberg, Stuttgart Kiel und München publiziert.
Glocalist: Was ist Ihr persönlicher Begriff von Nachhaltigkeit?
Kurz: Nachhaltigkeit ist für mich zwangsläufig ein entscheidendes Kriterium guter Kommunalpolitik. Sie ist durch ihr Instrumentarium, nämlich Investitionen und Gestaltung von Strukturen, auf langfristige Effekte angelegt. In Mannheim stehen eine nachhaltige Stadtentwicklung und die soziale Integration im Fokus, die wir vor allem durch Bildungsgerechtigkeit erreichen wollen.
Glocalist: Wohin soll Ihrer Meinung nach der Begriff Nachhaltigkeit konzeptuell weiterentwickelt werden
Kurz: Bildungsgerechtigkeit und soziale Integration durch Bildung sollten bei der Betrachtung des Begriffs Nachhaltigkeit unbedingt eine größere Rolle spielen. Überlegungen zur sozialen Nachhaltigkeit beschränken sich bisher weitestgehend auf Sicherung der Grundbedürfnisse, Armutsbekämpfung und Generationengerechtigkeit. Das Ziel der sozialen Nachhaltigkeit ist letztlich die Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Für mich ist Bildung der Schlüssel zu politischer und gesellschaftlicher Teilhabe, sie erhöht die Chancengleichheit und schafft ein Bewusstsein für kulturelle Vielfalt. Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ geht hier in die richtige Richtung. Nur gut ausgebildete junge Menschen entwickeln ein Verständnis für ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge, und sind offen für einen nachhaltigen Lebensstil. Qualifizierte Menschen stärken die gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovationskraft einer Region, und eröffnen damit Zukunftsperspektiven und Entwicklungsspielräume.
Glocalist: Welche Maßnahmen setzt die Stadt Mannheim zur Realisierung von CSR (Corporate Social Responsibility) und Nachhaltigkeit in Zukunft?
Kurz: 2009 haben wir sieben strategische Ziele festgelegt, an denen das Verwaltungshandeln ausgerichtet sein wird. Wir wollen unter anderem Vorbild für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland sein, und tolerantes Zusammenleben sowie bürgerschaftliches Engagement stärken. Die Mannheimer Bürgerschaft ist bereits jetzt an vielen Projekten beteiligt, so zum Beispiel bei EKI, dem Entwicklungskonzept Innenstadt, oder an den Planungen zum Ausbau der Stadtbahn im Mannheimer Norden. Für Kinder bieten wir seit sieben Jahren das „Agenda-Diplom“ an, das sich spielerisch mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. Ebenfalls 2009 haben wir unsere Klimaschutzkonzeption 2020 vorgestellt, die 60 Maßnahmen für den Klimaschutz in Mannheim enthält. Zentrales Thema der nächsten Jahre wird in Mannheim mit Sicherheit die geplante Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt werden. Kultur im Sinne der Kulturhauptstadt ist ein Stadtentwicklungsprozess, der alle Bereiche des gemeinschaftlichen Zusammenlebens umfasst. Bildung, Integration und soziale Gerechtigkeit spielen bei der Bewerbung eine zentrale Rolle. Kultur in diesem weit gefassten Sinn ist der Schlüssel für die Zukunft, und damit das nachhaltige Projekt schlechthin.
Glocalist: Wie sehen Sie die Frage "CSR - freiwillig oder per Gesetz?"?
Kurz: CSR ist gegenwärtig so definiert, dass nachhaltiges Handeln auf Freiwilligkeit basiert. Nachhaltigkeit kann nicht verordnet werden, sondern sie muss Bestandteil der Gesellschaft sein. Allerdings ist darauf zu achten, dass die zahlreichen Anstrengungen und Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung auf ein starkes Fundament zu stellen sind. Hier sind Kommunen, Land und Bund gemeinsam gefordert, Anreize zu schaffen. Im Verbund mit der Metropolregion Rhein-Neckar konnten wir 2008 etwa den größten Freiwilligentag Deutschlands entwickeln. Auf diesem Weg müssen Prioritäten festgelegt, konkrete Maßnahmen entwickelt, Verantwortlichkeiten bestimmt, Kennzahlen vereinbart und überprüft werden. Nur auf diesem Weg erhält man die langfristig tragfähigen Konzepte, die wir für eine nachhaltige Entwicklung brauchen. Insofern halte ich bei CSR den Weg der freiwilligen Selbstverpflichtung für opportun.
Glocalist: Abseits nun der politischen Machbarkeit; was würden Sie sich in Bezug auf Nachhaltigkeit wünschen, welche sind Ihre Visionen?
Kurz: In Bezug auf Nachhaltigkeit wünsche ich mir, dass sie unbedingt innerhalb des politisch Machbaren weitergedacht und vorangetrieben wird. Natürlich müssen Visionen entwickelt werden, aber gerade bei der Nachhaltigkeit, wo auch der Zeitaspekt eine Rolle spielt, darf man nicht nur Luftschlösser bauen, sondern muss sich bei allen Plänen am Möglichen orientieren und auf Umsetzbarkeit achten. Eine nachhaltige Entwicklung erfordert die Offenheit von Politik, Verwaltung und Gesellschaft, neue Wege in der Zusammenarbeit zu gehen, um die langfristige Perspektive verfolgen zu können. Wird diese Offenheit von allen gelebt, ergeben sich Entwicklungsspielräume innerhalb der politischen Machbarkeit, in denen sich Visionen von nachhaltiger Entwicklung verwirklichen lassen. In Mannheim ist diese Offenheit in Politik, Verwaltung und Bürgerschaft gegeben, und wir versuchen, unsere Idee von nachhaltiger Stadtentwicklung, sozialer Integration und wirtschaftlicher Prosperität gemeinsam zu verwirklichen.
Glocalist: Vielen Dank für Ihre Zeit.
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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