Das Resultat des 1. Wahlgang im Detail: Es entfielen auf Wulff 600 Stimmen und verfehlt damit die notwendige absolute Mehrheit um 23 Stimmen, Gauck 499, Jochimsen 126, Rennicke 3, Enthaltungen 13 und eine ungültige Stimme. Gesamt standen 1242 Stimmen zur Verfügung, 1241 waren daher gültig. Rechnerisch wäre jetzt eine Mehrheit für Gauck denkbar, wenn die Stimmen für Joachimsen, Kandidatin DIE LINKE, die 13 Enthaltungen und die eine ungültige Stimme für Gauck stimmen würden. Mit anderen Worten, es gingen der Bundesregierung 44 Stimmen "verloren".
Allgemein wird dies als eine Klatsche für Bundeskanzlerin Merkel interpretiert, aber auch und vor allem als ein Votum für mehr Demokratie, wofür Gauck steht, denn gefühlter Weise und alle Umfragen deuten darauf hin, dass Gauck der Kandidat der herzen ist.
Die Regierungsfraktionen verlautbaren Zweckoptimismus und werden wohl jetzt die Abweichler auszumachen suchen. Die CSU sieht es als Niederlage. Trettin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN macht klar, dass es nun auf DIE LINKE ankomme und hier gebe es keine Neutralität, sprich, auch eine Stimmenthaltung ist dann eine Stimme für Wulff. Es wird spannend werden, ob DIE LINKE hier über ihren Schatten der Vergangenheit springen kann. Und Gabriel von der SPD macht klar in Richtung DIE LINKE: "Ihr hab die einmalige Chance nun endlich die DDR Vergangenheit hinter Euch zu lassen und endlich im parlamentarischen Deutschland anzukommen."
Dietmar Bartsch (DIE LINKE) bekräftigt noch einmal, dass sie auch in dem zweiten Wahlgang ihre Kandidatin wählen werden und nicht für gauck stimmen wollen. Sträuble, Urgestein der Grünen, spricht von einer großen Überraschung und Gauck hat einfach eine große Ausstrahlung. "Jetzt ist alles offen und es gibt eine realistische Chance für Gauck."
Allgemein hofft die Regierungskoalition auf den zweiten Wahlgang, die Stimmung scheint aber mehr und mehr in Richtung Gauck zu schwenken wie man aus den Reaktionen in der Bundesversammlung ersehen kann.
Auf facebook, wo die stärkste Plattform für Gauck ist, platzt im Moment mit schwersten Vorwürfen gegen DIE LINKE. Der zweite große Verlierer dieser Wahl ist so wohl nicht nur die Regierungsbank, sondern auch DIE LINKE. Pars pro toto kann man den User Hans Götz zitieren: "Die Linke wird viele ihrer Wähler verlieren, falls sie Gauck nicht unterstützt; denn damit zeigen sie ihr wahres (SED)-Gesicht." Via Twitter ist der Bär los, sprich schwere Vorwürfe gegen DIE LINKE. Man darf gespannt sein, ob DIE LINKE hier Lernfähigkeit aufbringt. Ein user schreibt schon fast verzweifelt auf facebook: "Ist hier niemand von der Linkspratei ?!? Geb doch mal weiter was die Menschen denken!"
Es kommt daher zum zweiten Wahlgang, der für 15.15 Uhr angesetzt ist. Um ca. 17.10 Uhr wurde schließlich das Ergebnis des 2. Wahlgangs verkündet.
up-Date 2. Wahlgang
1239 Stimmen wurden abgegeben. Wulff konnte 615 Stimmen, Gauck 490 und Jochimsen 123 auf sich jeweils vereinen. Enthaltungen waren 7 zu verzeichnen und eine Stimme war ungültig.
Wulff hat es daher neuerlich nicht geschafft und blieb deutlich unter der notwendigen absoluten Mehrheit. Mit anderen Worten, Merkel dürfte ihre Fraktion nicht mehr im Griff haben. Jetzt kommt es auf DIE LINKE an und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erklären sich bereit, auf DIE LINKE zugehen zu wollen. Es gehe jetzt um Wulff oder Gauck, so BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Und auch die SPD sagt deutlich, jetzt müsse sich DIE LINKE entscheiden, ob sie CDU/CSU und FDP unterstützen will oder eben nicht. Kreise aus der SPD fordern mittlerweile Bundeskanzlerin Merkel auf, Wulff zurück zuziehen und den Weg frei zu machen für den Kandidaten der Herzen, Gauck.
Im Web entwickelt sich mittlerweile ein Meinungs-Tsunami in Richtung DIE LINKE, endlich den Weg frei zu machen.
Der nächste und letzte Wahlgang ist nun für ca. 18.15 Uhr angesetzt. Hier gilt nicht mehr die Regelung der absoluten Mehrheit, sondern die der relativen Mehrheit. Mit anderen Worten, jetzt kommt es auf jede einzelne Stimme an. Rechnersisch wäre eine relative Mehrheit für Gauck möglich, soferne die Stimmanzahl für Wulff gleich bleibt.
up-Date 3. Wahlgang
Im dritten Wahlgang konnte Wulff 625 Stimmen auf sich vereinen und wird damit mit absoluter Mehrheit der 10. Bundespräsidenten. 19 Stimmen seiner "Lagers" sind ihm dennoch abhanden gekommen. Gauck konnte mehr als einen Achtungserfolg erringen und zeigte sich tief bewegt. Gauck konnte 494 Stimmen auf sich vereinen. DIE LINKE dürfte den Weg der Feigheit und der politischen Irrationalität vorgezogen haben, womit sich die 121 Enthaltungen wohl erklären dürften. Jochimsen zog ihre Kandidatur im dritten und entscheidenden Wahlgang zurück. Auch die NDP hat ihren Bewerber Rennicke zurückgezogen.
Einmütig wird von fast allen Kommentatoren die Bundespräsidentenwahl als Ohrfeige für die Koalition und für Merkel interpretiert, dies vor dem Hintergrund sinkender Umfrage- und Akzeptanzwerte in den letzten Monaten. Aber auch für DIE LINKE werden die Bundespräsidentenwahlen tiefe Spuren hinterlassen, nimmt man die Reaktionen im Web als Maßstab: Fast unisono sieht man DIE LINKE als künftig nicht wählbar an.
Lesetip > Web 2.0. für Gauck > bit.ly/9UPqXp
Anzeige
Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



POLITIK
|
|
| << Zurück |
Kommentar
NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.







