"Arbeit, Unterkunft, Gesundheitsversorgung, Lernen, Kultur, Sport sind für drei von vier Europäern unzugänglich. Dies ist nicht nur eine schreiende Ungerechtigkeit, sondern auch eine unverzeihliche Misswirtschaft für das europäische Wirtschaftssystem und für die einzelnen Volkswirtschaften. Denn welches Land kann es sich schon erlauben, in einer Wirtschaftskrise auf ein Viertel seiner eigenen Bevölkerung zu verzichten?" Mit diesen scharfen Worten kritisiert der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) die aktuelle soziale Situation in der Europäischen Union.
Aus diesem Grund hat der EWSA beschlossen, dem in Brüssel Vertreter der wirtschaftlichen und sozialen Gruppen der 27 EU-Staaten angehören, seine zweijährliche Konferenz vom 20. bis 22. Mai 2010 in Florenz unter das Motto Bildung zur Bekämpfung sozialer Ausgrenzung zu stellen. An diesen drei Tagen werden Politiker und Fachleute, Unternehmer und Gewerkschafter, Soziologen und Experten für Bildung und Ausbildung sowie die Hauptakteure der nicht formalen Bildung und die in diesem Bereich aktiven Nichtregierungsorganisationen miteinander arbeiten und diskutieren.
Die Bildung erfüllt alle Voraussetzungen, um diesem Phänomen die Stirn zu bieten und auch diesem einen Unionsbürger von vieren, der heute draußen bleibt, bei der gesellschaftlichen und beruflichen Integration zu helfen, so der EWSA.
In einer globalisierten Welt hat die Armut viele Gesichter. So können z.B. in vielen Teilen der Welt die Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden, es fehlt an Nahrung, Trinkwasser, Gesundheitsdienstleistungen, Unterkünften. Aber sie tritt auch als Hemmschuh zur Erreichung eines in der jeweiligen Gesellschaft angemessenen Lebensstandards auf. Dies ist in Europa der Fall, wo unangemessene Einkommen nur eine Seite der Medaille sind, die zeigt, dass es 17% der Unionsbürger an ausreichenden finanziellen Mitteln fehlt.
Nach Ansicht von EWSA-Präsident Mario Sepi "spielt die Bildung in diesem Kampf eine entscheidende Rolle". Der Erwerb von mehr Kompetenzen durch die Instrumente der Bildung und Ausbildung hilft, Armut und Ausgrenzung zu bekämpfen und neuen Möglichkeiten der Inklusion und Beschäftigung zu fördern. Das verstärkte Setzen auf inklusive Bildung, so Sepi weiter, wird nicht nur durch offenkundige soziale Gründe bedingt – denn es fördert ein Umdenken und hilft, eine vorurteils- und diskriminierungsfreie Gesellschaft zu schaffen, - sondern auch durch handfeste wirtschaftliche Vorteile, weil dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Systems gegenüber neuen wirtschaftlichen Herausforderungen und den Anforderungen des Arbeitsmarktes gesteigert werden kann." Die skandalöse Armut zu beseitigen und eine stärkere soziale Inklusion zu fördern, "bedeutet nicht nur, der fraglosen Pflicht zur Anerkennung der Rechte aller nachzukommen, sondern heißt auch, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und der Gesellschaft als Ganzes zu nutzen".
Deshalb soll auf der Biennale nicht nur die soziale Ausgrenzung in der EU als Kernproblem thematisiert werden, sondern es soll auch der erste politische Schritt in Richtung eines neuen EU-Inklusionsgesetzes vollzogen werden. Dieses neue Gesetz soll auf dem fundamentalen Instrument der Bildung und somit auf der Überarbeitung der Bildungs- und Ausbildungspolitik der EU und der Mitgliedstaaten basieren. Deshalb hofft Sepi, dass die Biennale mit einem Appell an die Europäische Kommission enden kann, ein Grünbuch als ersten unverzichtbaren Schritt in Richtung einer Überarbeitung der einschlägigen Rechtsvorschriften in Europa zu erarbeiten.
Anzeige
Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



POLITIK
|
|
| << Zurück |
Kommentar
NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.







