Und die Lage ist dramatisch: Es verschwinden täglich an die 25 Arten auf immer und ewig. In der Eröffnung des internationalen UN-Jahrs zum Schutz der biologischen Vielfalt wurde wieder einer der üblichen, schönen Sonntagsreden von Bundeskanzlerin Merkel gehalten. Inhaltlich wurde der Kampf gegen das Artensterben verkündet. Aus dem Politsprech übersetzt heißt "Kampf" wohl nichts anderes als, Leute es macht keinen Sinn, das Artensterben können wir nicht stoppen ohne tiefgreifende Einschnitte und die sind nicht möglich. Kampf verloren.
Deutschland hat noch bis zum Herbst den Vorsitz bei den UN-Verhandlungen im Rahmen des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt (CBD) und steht eigentlich besonders in der Verantwortung. "Leider kneifen Bund und Länder oft, wenn es konkret wird", beklagt Eberhard Brandes. So ist es eben mit proklamierten "Kämpfen".
Verknüpfung Subventionen und Nachhaltigkeit
Die Lösung wäre denkbar einfach, greift aber in "Besitzstände" von Subventionsempfänger ein: Einfach Subventionen an Nachhaltigkeit zu knüpfen. Der Geschäftsführer des WWF Deutschland fordert den drastischen Abbau Umwelt erstörender Subventionen, beispielsweise für die Landwirtschaft und die Fischerei. Aktuellen Studien zufolge fließen weltweit Jahr für Jahr 670 Milliarden Euro an Staatshilfen in Branchen, die wesentlichen Anteil an der Zerstörung der Natur haben. "Diese fatale Geldverschwendung muss gestoppt und die Vergabe der Mittel an ökologische Kriterien geknüpft werden, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu fördern", so der WWF.
2002: Große Zielsetzung
Im Jahr 2002 wurde schon der "Kampf" der Staatengemeinschaft verkündet, wonach der Artenschwund bis zum Jahr 2010 zu stoppen sei. Es blieb beim "Kampf". Der Verlust der biologischen Vielfalt habe sich weltweit sogar noch beschleunigt. Die von Menschen verursachte Aussterberate von Tieren und Pflanzen liege mindestens hundertmal höher als der natürliche Artenschwund, führt der WWF aus. Verursacht werde der Artentod von der ungebremsten Lebensraumzerstörung, dem Klimawandel, dem Raubbau an Wäldern und Ozeanen. "Die Politik hat versagt und ihre Ziele weder in Deutschland und Europa noch weltweit erreicht", bemängelt Eberhard Brandes.
Investitionen in ökologische Infrastruktur
Um das Problem in den Griff zu bekommen, fordert der WWF wirtschaftliche Aspekte stärker zu berücksichtigen. Ob es um die Säuberung von Böden und Wasser oder die Speicherung von Kohlendioxid durch Wälder und Ozeane gehe, die Natur erbringe Jahr für Jahr gigantische Leistungen. Fruchtbare Böden seien die Grundlage für die Landwirtschaft, gesunde Fischbestände sichern die Proteinversorgung von Millionen Menschen. Schätzungen zufolge könnte allein die Ausweisung von Meeresschutzgebieten eine Million Arbeitsplätze schaffen. Die Maßnahme würde zugleich Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr sowie Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen.
„Investitionen in die ökologische Infrastruktur zahlen sich doppelt und dreifach aus“, betont Brandes. Der Schutz der Natur leiste einen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels, er verringere das Risiko von Naturkatastrophen und sorge für eine sichere Nahrungs- und Wasserversorgung. Damit werde zugleich ein Beitrag zur Armutsbekämpfung geleistet. Also, ein all-inclusive Pakte der Lösungen. Machen wird man es in der Politik halt leider nicht.
>>> Werbung: Fördern Sie eine unabhängige Berichterstattung und Presse für Nachhaltigkeit auf Social Business Grundlagen. Werden auch Sie Abonnent der Glocalist Medien - Medien für Nachhaltigkeit > www.glocalist.com/abonnement/ |
|
| << Zurück |