Anzeige
Montag, 22. März 2010 - Eine andere Information ist möglich!
POLITIK

Studie: Rückschritt für Demokratie weltweit


Gütersloh (30.11.09): In einer vergleichenden Studie kommt die Bertelsmann Stiftung zum Schluss, dass bürgerliche Rechte wie Meinungsfreiheit zunehmend eingeschränkt. Die Qualität der Demokratien scheinen im freien Fall.

Obwohl die Zahl der formalen Demokratien weltweit konstant bleibt, sinkt deren Qualität jedoch teilweise beträchtlich. Von diesen Rückschritten sind mittlerweile auch Kernaspekte politischer Beteiligung wie Wahlen oder Presse- und Versammlungsfreiheit betroffen, fasst die Bertelsmann Stiftung zusammen.

 

Viele Regierungen in Entwicklungs- und Transformationsländern haben die Zeiten hoher Wachstumsraten vor Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ungenutzt verstreichen lassen und nicht ausreichend für die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit gesorgt. Zu diesem Fazit kommt die vierte Erhebung des Transformation Index (BTI), einer internationalen Vergleichsuntersuchung der Bertelsmann Stiftung unter 128 Transformationsstaaten, die der Tage veröffentlicht wurde.

 

"Einen Abgesang auf das Leitbild der Demokratie lassen die neuesten Daten dieser weltweiten Erhebung zwar nicht zu.", meint die Bertelsmann Stiftung, aber man kann diese Daten auch anders bewerten und als einen freien Fall betrachten. Als Argument führt die Stiftung an, dass doch knapp 4 Milliarden Menschen in einer Demokratie und 2,5 Milliarden Menschen in deklarierten Autokratien und Diktaturen leben.

 

Die Möglichkeit zu einer wirklichen Teilhabe der Bevölkerung an der politischen Willensbildung und ihre gesellschaftliche Integration werden jedoch in vielen Staaten zunehmend eingeschränkt. 53 der 76 untersuchten Demokratien werden als „defekte Demokratien“ eingestuft, in denen es trotz relativ freier und fairer Wahlen an der hinreichenden Durchsetzung der politischen und bürgerlichen Freiheitsrechte oder einer effektiven Gewaltenteilung mangelt.

 

Auch wenn sich die Auslöser für konkrete Entwicklungen von Land zu Land unterscheiden,

so liegen diesem negativen Trend doch häufig ähnliche Muster zugrunde nach Ansicht der Stiftung: Eine mangelnde rechtsstaatliche Verankerung der Demokratie gepaart mit einer geringen politischen und sozialen Integration der Bevölkerung. „Schwach ausgeprägte wechselseitige Kontrollmechanismen zwischen Regierung, Parlament und Justiz sowie generell eine geringe Unabhängigkeit der Gerichte öffnen staatlicher Willkür Tür und Tor.“, so Projektleiterin Sabine Donner.

 

Die Einbußen an Glaubwürdigkeit und Ansehen demokratischer Regierungen gehen im wirtschaftlichen Bereich häufig einher mit schwachen Regierungsleistungen zur Sicherung von sozialen Grundstandards und Chancengerechtigkeit, so zusammenfassend die Stiftung: „Die Ergebnisse des Transformation Index belegen, dass die positive Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre viele Regierungen dazu verleitet hat, die Erträge ihres Erfolges lediglich zu konsumieren.“, so Projektleiter Hauke Hartmann.

 

Zu den eklatanten Schwachpunkten zählen insbesondere die Systeme zum sozialen Ausgleich, die unzureichende Armutsbekämpfung und fehlende Investitionen in Bildung und Umweltschutz. In einem Viertel der untersuchten Länder ist das sozioökonomische Entwicklungsniveau so niedrig, dass Armut und sozialer Ausschluss verbreitet und strukturell verfestigt sind. Mäßige bis gute Werte in diesem Bereich erreichen nur 41 der 128 Länder.

 




<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>NGOs kein Teil der Militärstrategie
>700 Veranstaltungen gegen Rassismus
>Bericht: Internetzensur weltweit
>Christian Ude (OB München) über Nachhaltigkeit&CSR
>Volksbegehrensbericht 2009
>Studie: Journalistisches Versagen in Leitmedien
>Datenschutz: Staat darf nicht schnüffeln
>Klimaschutz und Entwicklungspolitik: Kaum frisches Geld
>Kampagne: Transparenz in der Parteifinanzierung
>Steuermilliarden für extrabreite Dienstautos?
>Dienstwagen der Politiker: Kein "Walk the Talk"
>Wahlen NRW - Bürger fragen via Web
>Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung
>Staat als unfairer Auftraggeber
>Europäische Bürgerinitiativen am Start
>Umwelt - Der Bürger soll mitposten
>Verlängerung der Wahlperiode
>Bürgermeister für Frieden
>Menschenrechte China: Liu Xiaobo
>Dresden: Aufmarsch europäischer Nazis
>Regelsätze auch für Flüchtlinge verfassungswidrig
>Wo ist die EU-Klimastrategie?
>EU – die neue Kommission ist bestätigt
>Für Transparenz und Bankensteuer
>100 Tage Bilanz: Umwelt-NGOs enttäuscht von Bundesregierung
>„New Skills for New Jobs: Action Now“
>Die Sorgen Europas: Armut und Bürokratie
>Kopenhagener Vereinbarung: Nix passiert?
>GRÜNE und SPD wollen Klimaschutzgesetz
>Haiti: IWF will nix mehr wissen vom Schuldenerlass.
>Das Establishment vertraut sich nicht mehr
>Untersuchung Kriegsverbrechen Sri Lanka gefordert
>Exklusiv: OB Kiel Torsten Albig über Nachhaltigkeit
>Elektromobilität bekommt Geschäftsstelle in der Regierung
>Verbot von Parteispenden gefordert
>Hauff fordert wirkungsvollen Artenschutz
>Parteispenden
>90% der Bürger in Rheinland-Pfalz wollen mehr Demokratie
>Sachsen-Anhalt will mehr im Klimaschutz
>Westerwelle in China und die Pressefreiheit
>Treibhausgasbilanz 2008: Stagnation auf blamablem Niveau
>Arbeiterkammer verlangt Regulierung der Finanzmärkte
>Stop naturzerstörender Subventionen
>Parlamentarischer Beirat für Nachhaltigkeit
>Klausurtagung CSU: Nachhaltige Banken?
>Jahr der Biodiversität: DUH fürchtet Lippenbekenntnisse
>ver.di fordert 7% des BIP für Bildung
>NGOs durch die Bank enttäuscht von Kopenhagen
>Kopenhagen verlängert und UN-Bericht sorgt für Aufregung
>Und noch mehr NGOs ausgesperrt in Kopenhagen
Anzeige