Anzeige
Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!
SOZIALES

50% der Ich-AGs und neue Selbständige manifest arm


Wien (8.6.10): Fast die Hälfte der neuen Selbständige und Ich-AGs in Österreich sind manifest arm. Nun kommt noch hinzu, dass sie durch die Sozialversicherungen geschröpft werden. Das neue Prinzip von Staaten scheint zu sein: Geld nehmen ja, Leistungen geben nein.
Hintergrund ist, dass sich die SVA - ein wohlbestallter Verwaltungsapparat - und die Ärztekammer - auch ein wohlbestallter Verwaltungsapparat - sich nicht einigen können, sprich keine Rahmenvereinbarung hinsichtlich der ärztlichen Versorgung zustande kommt, weshalb dies nun die Betroffenen auslöffeln dürfen durch höhere Beiträge, Vorkasse und den üblichen Schikanen, die man von Behörden gewohnt ist. Geld nehmen ja, Leistung geben nein.

55.000 dieser neuen Selbständigen leben laut Statistik Austria in Einkommensarmut, davon sind 24.000 von manifester Armut betroffen, das heißt "...sie leben unter bedrückenden Lebensumständen wie feuchte, schimmlige Wohnung, großen Stress ohne Erholung, können ihre Wohnung nicht angemessen warm halten, geschweige denn unerwartete Ausgaben tätigen" so Sozialexperte Martin Schenk von der
Armutskonferenz, des österreichweiten Zusammenschlusses von Sozialinitiativen, Hilfsorganisationen, Selbsthilfegruppen, Armutsbetroffener und der Armutsforschung.

"Diese Gruppe von neuen Elendsunternehmern findet weder in der Wirtschaftskammer noch in der Arbeiterkammer eine ausreichende Vertretung. Sie fallen durch die Netze der klassischen Sozialpartner Interessen. Die neuen sozialen Risken („new social risks“) liegen quer zu den klassischen Risken sozialstaatlicher Sicherungssyssteme: neue Selbständige, prekäre Beschäftigung, Lebensrisiko Pflege, Behinderungen und Migration" sagt die Armutskonferenz.

Hauptsache mal zahlen und Bittsteller werden

Der Interessensverein für neue Selbständige und Ich-AGs - FO.FO.S. -führt aus, dass rund 60% der besagten Unternehmer unter 1.000 Euro pro Monat verdienen und bringt die Thematik des vertragslosen Zustands zwischen SVA und Ärztekammer auf den Punkt:

"Seit 1.6.2010, dem Beginn des vertragslosen Zustands zwischen SVA und Ärztekammer, sind Selbständige verpflichtet, sowohl die Beiträge zur Sozialversicherung weiterhin zu bezahlen, als auch die Arzthonorare im Voraus zu begleichen. Da die Mehrheit der Selbständigen (60 %) unter 1.000 Euro im Monat verdienen, bietet die SVA an, dass diese sich einen Kostenvorschuss holen können. Das ist begrüßenswert, bedeutet jedoch auch, dass Geringverdienende mit zusätzlichem Zeitaufwand als Bittsteller in die SVA kommen und ihre finanzielle Lage ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin offenlegen müssen."

Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn selbstverständlich zahlen geringverdienende Selbständige mehr in die Sozialversicherung ein als Großverdiener. So rechnet FO.FO.S. vor, dass man bei einem Nettoeinkommen von 600 Euro pro Monat 33% an die SVA abführen darf, bei 10.000 Euro sich die SVA aber mit 12% bescheidet.

Mit anderen Worten, wenn man dann die Gesamtlage aus Einkommenssicht betrachtet, zahlen die Gruppen der Wenigverdienenden und der mittleren Einkommen die Zeche.



<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>Keine Kindersoldaten
>Hungerkatastrophe im Südsudan droht
>foodwatch hat Klage gegen Unilever eingereicht
>Pharma: Transparceny fordert transparente Daten
>Studie: 18.000 neue Jobs in der Offshore-Windenergie
>Solarstrom kann Börsepreis Strom bis zu 10% senken
>Ackermann: Versprechen wird nicht eingehalten
>Public Eye Award: Schmähpreise an VALE und BARCLAYS
>Strompreise steigen
>Hungerkrisen und Verteilungskonflikte
>Pflege und Schlechtreform
>Honorarberatung muss gesetzlich geregelt werden
>Hunger ist ein Umverteilungsproblem
>Deutsche Bank: Nahrungsmittelspekulation und Hunger
>Umfrage: Wer kennt welches Bio-Siegel?
>Jetzt amtlich: Verbraucherpreise gestiegen
>Flucht aus privaten Krankenkassen
>Aus für FLP-Blumenprogramm
>Die Spendenmafia
>Pfändungssschutzkonten: Doppelt kassiert
>Seniorenhaushalte haben real an Einkommen verloren
>UNICEF: Teilhabe der Eltern entscheidend für Kinder
>Wer E-Mobilität bejaht, kauft sich noch lange kein E-Auto
>Ein Jahr nach dem Dioxin Skandal
>Mehrwertsteuer neu in der EU?
>Schluss mit Inkasso-Kriminalität
>Korruptionsindex 2011
>Fortschrittsindex: Hurrah, wir sind vorne!
>Callcenter: Tariflosigkeit
>Umfrage: Deutsche halten Arbeitsmarkt für ungerecht
>Umfrage: 90% der Deutschen für scharfen Klimaschutz
>Riestern: Besser Sparstrumpf oder über 100 werden
>23 Millionen Deutsche arbeiten ehrenamtlich
>Offener Brief an Polizeipräsidentin Wuppertal
>Netzentgelt: Regierung gegen Bürger
>Umfrage: 2/3 der Deutschen lehnen Atommülltransporte ab
>Nutella-Etikett kann in die Irre führen
>Transparency klagt KBV
>Forsa-Umfrage: Mehrheit gegen Spekulation mit Nahrungsmittel
>foodwatch fordert Verkaufsverbot für Becel pro.activ
>Riester-Rente: Wackelt da was?
>2030 werden Alte um 60% mehr sein
>Verlorenes Jahrzehnt für Arbeitnehmer
>Österreich hat massives Rechtsextremismusproblem
>Soziales und Ökologisches zusammenbringen
>Steuer auf Spekulationsgeschäfte soll Armut lindern
>UN-Bericht: Arme werden ärmer
>Lebensmittel und "legale Täuschung"
>Gute Nachricht: Keine Abzocke mehr bei Anruf
>Telekom: Irreführende Werbung
Anzeige


Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"